Dominikanische Republik zieht Truppen aus Irak ab
Anschläge im Süd-Irak fordern mindestens 68 Todesopfer

Selbstmordattentäter haben am Mittwoch bei Anschlägen auf vier Polizeiwachen im Süden des Irak mindestens 68 Menschen getötet, darunter viele Kinder. Der Bürgermeister der Stadt Basra beschuldigte umgehend die El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden, für die Anschläge verantwortlich zu sein.

HB BASRA. Fast zeitgleich erschütterten Bombenexplosionen am frühen Morgen drei Polizeiwachen in Basra und eine Wache in der 25 Kilometer entfernt gelegenen Ortschaft Subair. „Alle vier Anschläge scheinen von Selbstmordattentätern ausgeführt worden zu sein“, sagte ein Vertreter des britischen Verteidigungsministeriums in Basra. Die überwiegend von Schiiten bewohnte Stadt liegt in einer von Großbritannien kontrollierten Besatzungszone. Basras Bürgermeister Wael Abdel-Hafees bezifferte die Zahl der Getöteten auf 68, die Selbstmordattentäter nicht eingeschlossen. 99 Menschen seien verletzt worden. Unter den Toten waren zahlreiche Kinder. Sie waren auf dem Weg in den Kindergarten, als ihr Kleinbus von einer der durch Autobomben ausgelösten Explosionen getroffen wurde.

Der verletzte Iraker Armin Dinar schilderte im Krankenhaus, wie er den Anschlag erlebte. Zunächst habe er eine laute Explosion gehört, als er vor der Tür seines Hauses stand. „Ich schaute mich um und sah, dass mein Bein blutete und dass mein Nachbar tot am Boden lag, in Stücke gerissen.“ Weiter sagte Dinar: „Ich sah einen Kleinbus voll mit Kindern in Flammen - 15 der 18 Insassen wurden getötet und drei hatten fürchterliche Verletzungen.“

Nach Angaben von Bürgermeister Abdel-Hafees hat die Polizei die Überreste von einem Selbstmordattentäter gefunden. „Ich beschuldige die El-Kaida“, sagte er. Es sei ein Mann festgenommen worden, der sich mit einer Polizeiuniform getarnt habe. Er werde verhört. Die USA haben der El-Kaida und deren Anhänger bereits mehrfach vorgeworfen, mitverantwortlich für die jüngste Welle brutaler Gewalt im Irak zu sein.

Augenzeugen hatten kurz nach den Attentaten von rund 200 Verletzten gesprochen. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters zählte in einem Krankenhaus 55 Leichen. Ein Mitarbeiter eine Leichenschauhauses sagte, 39 Tote seien identifiziert worden, 16 Menschen jedoch bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. In Basra lösten die Explosionen zur Hauptverkehrszeit Panik und Chaos aus. In der Stadt war es - verglichen mit anderen Regionen des Landes - in den vergangenen Wochen relativ friedlich.

In der westlich von Bagdad gelegenen Stadt Falludscha kam es nach Angaben von Anwohnern am Mittwoch zu Gefechten. Dabei seien sechs Zivilisten getötet und zehn verletzt worden. Die mit Sturmgewehren und Granaten geführten Kämpfe seien am frühen Morgen ausgebrochen und hätten rund vier Stunden gedauert. Während der Auseinandersetzungen seien US-Militärflugzeuge über die 300.000 Einwohner zählende Stadt geflogen, hieß es.

Offizielle Angaben über die Zahl der Opfer und den Grund der Kämpfe lagen zunächst nicht vor. Dem erneuten Gewaltausbruch waren Äußerungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld vorangegangen, der den seit einiger Zeit in der vor allem von Sunniten bewohnten Stadt herrschende Waffenstillstand in Frage gestellt hatte.

Wegen der unsicheren Lage im Irak hat nach Spanien und Honduras auch die Dominikanische Republik den Abzug ihrer Truppen aus dem Irak angekündigt. Präsident Hipolito Mejia habe entschieden, dass die rund 300 Soldaten so schnell wie möglich in die Heimat zurückkehren sollten, sagte Verteidigungsminister Soto Jimenez am Dienstag. US-Präsident George W. Bush hatte am Dienstag vor der Entscheidung der Dominikanischen Republik erklärt, trotz der angekündigten Truppenabzüge Spaniens und Honduras' sei die Koalition im Irak ungebrochen.

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