Dominique Strauss-Kahn
Ex-IWF-Chef kommt vorläufig frei

Dramatische Wende in New York: Wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers darf Strauss-Kahn den Hausarrest verlassen. Ob der Franzose für das Präsidentenamt in Frankreich kandidiert, ist offen.
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New York Mit versteinertem Gesicht nimmt Dominique Strauss-Kahn am Freitag die gute Nachricht zur Kenntnis. „Sie kommen aus dem Arrest frei“, sagt Michael Obus, Richter am Bezirksgericht von New York in Manhattan.  Er bekomme die geleistete Millionenkaution wieder, aber sein Pass bleibe einbehalten. „Dies ist noch nicht vorbei“, mahnt Obus kurz bevor sich Strauss-Kahn umdreht und seiner Frau im Hintergrund zulächelt. Am 18. Juli muss der 62-Jährige wieder zu einer Anhörung erscheinen.

Damit nimmt eines der spektakulärsten Verfahren gegen einen Banker und Politiker der vergangenen Jahre eine dramatische Wendung. Vor sechs Wochen war Strauss-Kahn von Polizisten aus einem bereits startbereiten Flugzeug abgeführt worden. Eine Hotelangestellte hatte ihn zuvor wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt. Strauss-Kahn, der von „einvernehmlichem Sex“ mit der Frau spricht,  wurde daraufhin angeklagt. Er lebte seither in seinem Luxusappartement in Manhattan mit einer elektronischen Fußfessel und unter strenger Aufsicht. Der ehemalige französische Finanzminister verlor sein Amt als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) und es schien, als müsse  er seine Ambitionen auf die französische Präsidentschaft begraben. Doch zumindest letzteres könnte sich nun wieder ändern.

Der wichtigste Grund für die weitreichende Entscheidung des Gerichtes war das Eingeständnis des mutmaßlichen Opfers, die US-Behörden in der Vergangenheit belogen zu haben. Am Donnerstag hatte die 32-Jährige Immigrantin aus dem westafrikanischen Staat Guinea in einem Brief an die Staatsanwaltschaft eingeräumt, dass sie vor dem Antrag auf Asyl in den USA ein Tonband mit einer zumindest teilweise erfundenen Lebensgeschichte auswendig gelernt habe. So habe sie etwa gelogen, als sie gesagt habe, sie sei in ihrem Heimatland Opfer einer Vergewaltigung gewesen. Zudem habe sie unter anderem bei ihren Steuererklärungen falsche Angaben gemacht. Dazu gehöre, dass sie nur ein Kind habe und nicht wie behauptet zwei. Daraufhin beantragte die Staatsanwaltschaft eine Lockerung der Auflagen für Strauss-Kahn.

Für viele Beobachter ist dies der Anfang vom Ende des Prozesses gegen Strauss-Kahn. „Ich denke, früher oder später wird das Verfahren eingestellt. Der Staatsanwalt wird in den nächsten zwei Wochen einige schwere Entscheidungen treffen müssen“, sagte der renommierte Strafverteidiger Dwane Cates. Unabhängig davon, wem man in dem Verfahren glaube, sei die Glaubwürdigkeit der Klägerin irreparabel erschüttert.

Der leitende Staatsanwalt Cyrrus Vance  trat am Freitag nach der nur zehnminütigen Anhörung vor die Presse. „Wir mussten so handeln, schließlich hatten unsere Forderungen nach diesen Auflagen [nach dem Hausarrest, Anm. d Red.] auf der Einschätzung beruht, einen wirklich starken Fall in der Hand zu haben“. Damit sei der Fall aber noch nicht beendet. „Wir sind der Wahrheit verpflichtet und werden weiter ermitteln.“

Der Anwalt des vermeintlichen Opfers kündigte gestern an, seine Mandantin werde nun die Medien nutzen, um ihre Haltung klar zu machen. „Sie wird sich nicht mehr länger verstecken. Sie wird vor euch alle treten und erzählen, was Strauss-Kahn und die Staatsanwälte ihr angetan haben“, erklärte Kenneth Thompson vor laufenden Kameras.

Er warf der Staatsanwaltschaft vor, die Details aus dem Verfahren bewusst in die Presse gebracht zu haben, um die Glaubwürdigkeit der Frau zu unterminieren. Die „New York Times“ hatte bereits am Donnerstagabend auf ihrer Website sehr detailliert über die bevorstehende Entscheidung berichtet.

Thompson sprach sehr offen und deutlich über die seiner Meinung nach eindeutigen Beweise. „Es ist nicht zu verstehen, warum die Staatsanwaltschaft so reagiert. Sie haben die Bilder der verletzten Vagina meiner Mandantin und die zerrissenen Strümpfe.“ Die medizinischen Beweise würden Strauss-Kahn überführen.

Thompson räumte ein, dass seine Mandantin Fehler gemacht habe. „Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht Opfer einer Vergewaltigung ist.“ Er sagte nicht, ob seine Mandantin versuchen werde, eine Zivilklage gegen Strauss-Kahn anzustrengen, falls das strafrechtliche Verfahren abgewiesen würde. 

Die Verteidiger von Strauss-Kahn feierten ihren Erfolg. "Dies ist ein erster gigantischer Schritt, diesen Prozess in die richtige Richtung zu bewegen", sagte Benjamin Brafman den Journalisten. "Für Herrn Strauss-Kahn und seine Familie ist es etwas Besonderes, an diesem Wochenende vor dem Unabhängigkeitstag der USA ihre eigene Unabhängigkeit zu feiern." Wo Strauss-Kahn das tun werde, verriet er nicht. "Er darf das Land zwar nicht verlassen, aber innerhalb der USA kann er reisen wie er will." Brafmann kritisierte die Medien für die Berichterstattung über den Fall. "Es zeigt sich mal wieder, wie schnell man dabei ist, voreilige Schlüsse zu ziehen."

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  • Jeder der schon einmal in einem 5* Hotel gearbeitet hat, weiß, dass ein Zimmermädchen niemals in ein Zimmer geht das belegt ist und schon garnicht in ein Zimmer von einem Top VIP. Somit hat sie bekommen was Sie wollte. Dass Strauss-Kahn ein Depp ist und sich mit einem Zimmermädchen einläßt ist eine andere Sache. Aber Präsidenten tun dies in den USA ja auch.

  • Wer möchte nicht einem drallen Zimmermädchen en passant an die Bluse? Am nächsten Tag weiss es allerdings das ganze Hotel

  • Allerdings fragt man sich schon was Ihr Interesse an spermabefleckten Zimmdermädchenblusen zu evozieren vermögen könnte.

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