Dominique Strauss-Kahn
Sein größter Feind ist die Zeit

Die Anhänger von Strauss-Kahn jubeln. Ihr Champion könnte gegen Nicolas Sarkozy antreten - doch das entscheidet allein die US-Justiz. Ein Duell DSK vs. Sarko wäre ein Traum für die Franzosen. Analyse von HOLGER ALICH.
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ParisMan könnte fast den Eindruck gewinnen, dass Frankreichs Präsidentschaftswahlen von der US-Justiz entschieden werden. Die Vergewaltigungsanklage gegen den sozialistischen Umfrage-Favoriten Dominique Strauss-Kahn schien sein politisches Schicksal zu besiegeln. Nun tauchen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin auf. Und die Anhänger von "DSK" schöpfen schon neue Hoffnung, dass ihr Champion doch noch 2012 gegen Nicolas Sarkozy antreten kann.

Strauss-Kahns größter Feind ist nun die Zeit. Denn der Strafgerichtsprozess ist noch lange nicht beendet. Die Belastungszeugin hält ihre Vorwürfe aufrecht. Von einem Freispruch ist DSK also noch ein ganzes Stück entfernt. Und nur eine vollständige Rehabilitation würde ihm erlauben, 2012 Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy herauszufordern.

Auf kurze Sicht wird nun als erstes wohl der parteiinterne Kalender von Frankreichs Sozialisten zur Auswahl ihres Präsidentschaftskandidaten ins Schwimmen geraten. Der Druck auf die Parteiführung ist bereits groß, den Auswahlprozess zu suspendieren; das Enddatum vom 13. Juli, bis zu dem sich Bewerber für die Partei-Kandidatur gemeldet haben müssen, scheint kaum mehr haltbar zu sein. Die Anhänger von Strauss-Kahn wollen ihrem Champion so lange wie möglich die Tür offen halten.

Die scheinbar gute Nachricht für die Sozialisten hat aber auch ihre Schattenseiten. Denn nun droht den Sozialisten eine neue Hängepartie. Gerade hatten sie sich neu sortiert, und den Schock von der Verhaftung DSK verdaut. Martine Aubry hat sich erst diese Woche entschieden, für ihre Partei 2012 antreten zu wollen. Nun ist alles wieder in Frage gestellt. Denn zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand mit Sicherheit sagen, ob DSK 2012 wirklich antreten kann.

Unabhängig von den Unwägbarkeiten des US-Strafgerichtsprozesses ist sicher: Die Franzosen wollen 2012 das Duell Strauss-Kahn gegen Sarkozy. Sie wollen das Duell der beiden Giganten und nicht einen lauwarmen Wahlkampf zwischen der spröden Aubry und dem angeschlagenen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Aubry gegen Sarkozy wäre ein klassischer Links gegen Rechts-Wahlkampf. Die Erfinderin der 35-Stundenwoche gegen Monsieur "Mehr Geld für mehr Arbeit." Ein Duell der Ideologien.

Strauss-Kahn gegen Sarkozy ist dagegen ein Kampf der Egos, der Persönlichkeiten. Politisch trennt die Rivalen nicht so furchtbar viel. So empfahl DSK als IWF-Direktor den Franzosen eine harte Renten-Reform, die Sarkozy dann zum Teil auch umgesetzt hat. Beide Politiker sind zudem bekanntlich Lebemänner mit Hang zum Luxus. Und beide Politiker bauen ihre Wahlhoffnungen auf ihre jeweilige Wirtschaftskompetenz. Diese Nähe der Gegner macht das Duell aus Sicht der Franzosen so reizvoll.

Die Ereignisse in den USA scheinen dieses Duell nun wieder möglich zu machen. Diese Aussage steht aber unter dem Vorbehalt der nächsten Enthüllung. Und der Fall DSK dürfte wohl noch so manche Überraschung parat halten.

Kommentare zu " Dominique Strauss-Kahn: Sein größter Feind ist die Zeit "

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  • Strauss-Kahn ist schuldig, wie man nur schuldig sein kann. Die linke Pressekampagne, um Strauss-Kahn troz seiner Schuld rauszuboxen, wird scheitern!

  • 10.2.2011 - UK Telegraph

    "Dominique Strauss-Kahn, managing director of the International Monetary Fund, has called for a new world currency that would challenge the dominance of the dollar and protect against future financial instability.....

    He suggested adding emerging market countries' currencies, such as the yuan, to a basket of currencies that the IMF administers could add stability to the global system....Strauss-Kahn saw a greater role for the IMF's Special Drawing Rights, (SDRs) which is currently composed of the dollar, sterling, euro and yen, over time but said it will take a great deal of international cooperation to make that work."

    http://www.telegraph.co.uk/finance/currency/8316834/International-Monetary-Fund-director-Dominique-Strauss-Kahn-calls-for-new-world-currency.html

  • Bekommt DSK nun seinen Job zurueck beim IMF ?

    Und wird dann noch mal absgestimmt in Griechenland ob die wirklich noch mehr Schulden aufnehmen wollen von unseren heimischen Banken ? Weil es ist ja kein bailout fuer Griechenland, sondern letztlich fuer die Deutschen & Franzoesischen Banken, und auch Amerikanische Banken die ansonsten in die Versicherungspflicht gezogen worden waeren mit riesigen Verlusten.

    Natuerlich nicht.

    Nur war dies wohl ein moeglicher Grund weshlab DSK vom Parkett gezogen wurde, um freies Spiel zu garantieren fuer Banksters & Politiker die Linientreu sind.

    Die Staatsanwaltschaften aller Laender sollten sich langsam ueber RICO informieren !

    RICO = Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act

    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Racketeer_Influenced_and_Corrupt_Organizations_Act

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