Donald Trump und das US-Einreiseverbot für Muslime
„Manche Kandidaten spielen dem IS in die Hände“

Seine forschen Aussagen bescheren dem Republikaner viel Kritik – von Parteigenossen bis zum Präsidenten. Aber damit war zu rechnen, Donald Trump hat sein Ziel erreicht: Er ist in den Schlagzeilen.

WashingtonSo ganz wohl fühlt sich Donald Trump selbst nicht mit seiner Forderung: „Donald J. Trump verlangt ein totales Einreiseverbot für Muslime in die USA“, las er am vergangenen Dienstag auf einer Wahlkampfveranstaltung in South Carolina sich selbst vor – statt seine Slogans wie sonst üblich mit Überschwang und aus dem Stehgreif heraus zu posaunen. Danach beschwichtigte er die Sache gleich noch, er habe ja gute muslimische Freunde. Dem Publikum war es egal, seine Anhänger sprangen und klatschten vor Begeisterung.

Trump weiß wohl: Im Vorwahlkampf muss er radikale Forderungen stellen, die Ängste der Wähler schüren, um weiter aufzufallen und Stimmen zu mobilisieren. Aber die Idee widerspricht allen amerikanischen Idealen, entsprechend scharf war die Kritik – auch von Parteigenossen. „Das ist nicht, wofür wir als Partei oder als Land stehen“, sagte der Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus.

Einer der größten Muslimverbände der USA sieht die religiöse Freiheit des Landes durch das politische Klima bedroht. „Der Islamische Staat versucht doch, die religiöse Freiheit in den USA zu unterminieren, und viele Politiker springen im Wahlkampf kleingeistig auf diesen Zug auf“, sagte Nihad Awad, Präsident des Council on American-Islamic Relations (CAIR), der Deutschen Presse-Agentur in Washington.

Die mutmaßliche Terrorattacke im kalifornischen San Bernardino, bei der 16 Menschen starben, hat in den USA Ressentiments gegen Muslime befeuert. Eine Täterin hatte sich in den sozialen Medien zur Terrormiliz IS bekannt. Die beiden mutmaßlichen Attentäter von San Bernardino haben nach Angaben von FBI-Direktor James Comey schon vor mindestens zwei Jahren radikalislamische Ansichten vertreten.

„Manche Kandidaten spielen dem IS unmittelbar in die Hände, ob willentlich oder wissentlich, sie tun es. Sie spalten Amerika, anstatt es zu vereinen“, sagte Awad. „Es gibt aber tatsächlich gar keinen religiösen Konflikt in den USA, sondern einen ideologischen. Die USA sollten sich vor Ignoranz fürchten, nicht vor Muslimen.“

Etwa sieben Millionen Muslime leben nach CAIR-Schätzungen in den Vereinigten Staaten. Das Forschungsinstitut Pew schrieb in einer im Mai veröffentlichten Studie, dass sich 0,9 Prozent aller Erwachsenen in den USA zum Islam bekennen. Das Institut rechnet damit, dass dieser Anteil bis 2050 auf 2,1 Prozent steigen dürfte. Damit würde der Islam das Judentum als größte nicht-christliche Religionsgruppe in den USA ablösen. Grund sei die anhaltende Zuwanderung aus muslimischen Ländern und die höhere Geburtenrate in muslimischen Familien.

Auch außerhalb der Landesgrenzen sorgten die Äußerungen des Präsidentschaftsbewerbers für Empörung. Ähnlich wie Awad kritisierten auch die Vereinten Nationen die Wirkung von Trumps Aussagen auf die Gesamtbevölkerung. Trump spiele den Extremisten in die Hände, die für ihre Ziele die „große Mehrheit der einfachen Muslime“ als Geiseln nähmen, sagte der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein. Er verurteilte die Äußerungen als „völlig unverantwortlich“.

Seite 1:

„Manche Kandidaten spielen dem IS in die Hände“

Seite 2:

Muslimverband: „Wir sind integriert“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%