Doppeltes TV-Interview
„Ich unterstütze Nicolas Sarkozy, egal, was er tut“

In einem gemeinsamen TV-Interview beziehen Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Stellung. Das Gespräch ist von Höflichkeiten durchzogen, denn es ist ein Geschenk Merkels an den Wahlkämpfer Sarkozy.
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ParisSo ganz geheuer ist Angela Merkel wohl doch nicht, auf was sie sich da eingelassen hat. Sie hat die Wahlkampfhilfe für Nicolas Sarkozy gewollt, aber der wird ihr dann doch etwas zu aufdringlich. Bevor die Aufzeichnung des Doppel-Fernsehinterviews losgeht, säuselt der Präsident: „Are you tired?“ Distanziert gibt Merkel zurück: „Tired? Nö“. Und sagt dann maliziös grinsend: „Vielleicht sollten wir mal die Übersetzung ausprobieren!“

Denn während der gemeinsamen Pressekonferenz zwei Stunden früher versagte die Anlage - Merkel war zeitweilig im französischen Fernsehen nur im deutschen Originalton zu hören, ein gefundenes Fressen für alle Franzosen, die sich über Sarkozys neue, teils als exzessiv empfundene Deutschland-Bewunderung lustig machen. Sarkozy flötet weiter: „Good atmosphere“. Merkel antwortet ungerührt auf Deutsch: „Ja, gute Atmosphäre.“

Aber vor laufender Kamera sind die beiden ein Herz und eine Seele, können garnicht heftig genug nicken, wenn der eng daneben sitzende Partner beteuert, man arbeite so gut wie nie zusammen. „Wir haben unsere Egos zur Seite gelegt“, behauptet Sarkozy, wobei man sich fragt, was dann da auftrumpfend vor der Kamera sitzt. Er stellt es so dar, als hätten Deutschland und Frankreich den Euro schon gerettet: „Europa stand vor dem Abgrund“, doch dann „haben wir Griechenland geregelt, Irland, Portugal, Italien, Spanien, wir haben den Euro geregelt.“

Sarkozy gibt den Europa-Staatsmann, der alles im Griff hat. Merkel macht es lieber eine Nummer kleiner: „Europa war und ist in seiner schwersten Krise“, Deutschland und Frankreich seien „in einer offenen, teils kontroversen Diskussion zu den Wurzeln der Krise vorgedrungen.“ Gemeinsam machen sie Druck auf die griechische Regierung: „Ohne Einigung auf die Forderungen der Troika gibt es kein Geld“, sagt Sarkozy, und Merkel fügt hinzu: „Ich weiß gar nicht, was weitere Tage des Zögerns bringen sollen, die Bedingungen sind klar.“

Sarkozy lässt durchblicken, dass Griechenland doch unter eine Art europäische Finanzaufsicht gestellt werde: „Die europäischen Mittel werden auf ein Sperrkonto überwiesen.“ Merkel präzisiert, es gehe um Gelder, die für Zinszahlungen auf Anleihen bestimmt seien. Darunter muss man sich wohl vorstellen, dass der Teil europäischer Hilfsgelder, der für den Schuldendienst bestimmt ist, nicht mehr an Griechenland ausgezahlt wird. Damit wäre das Land teilweise finanziell entmündigt.

Gewisse Probleme haben beide damit, Merkels Unterstützungsaktion für Sarkozy zu begründen - nicht zuletzt deshalb, weil der offiziell ja noch nicht einmal Kandidat für die Wiederwahl ist. Merkel sagt, es sei völlig üblich, sich zu helfen, „falls Sarkozy denn kandidiert.“ Auf der Pressekonferenz kurz vorher war ihr sogar herausgerutscht: „Ich unterstütze Nicolas Sarkozy, egal, was er tut“. Das klangt dann doch so apodiktisch, dass Merkel etwas verlegen lächeln musste.

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„Ich unterstütze Nicolas Sarkozy, egal, was er tut“

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Gilt der Fiskalpakt, falls Sarkozy die Wahl verliert?

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  • Danke für Ihre Einschätzung, Sie sitzen näher dran als ich und wenn ich da noch das Korrespondentengespräch mit Jacqueline Hénard gestern im DLF

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/02/07/dlf_20120207_0912_c3d09d71.mp3

    hinzuaddiere, die mir erzählt, daß in den Cafés und Bars kein gutes Wort mehr über Sarko verloren wird, gehe ich mal davon aus, daß das zur Zeit so aussieht. Ist ja nicht so, als ob ich ihn groß vermissen würde.

    Auf der anderen Seite wissen wir auch, daß drei Monate eine lange Zeit sein können und man schon oft danebenlag, weil immer in letzter Minute irgendwas passiert, womit man nicht gerechnet hat.

    Ich bin halt immer noch ein bißchen skeptisch, weil ich auf den Bericht in der Libé über dei "Krönungsmesse" von Hollande dann doch ein bißchen arg "amerikanisch" fand, dieser ganze Gestenkram und all das ... so rechtes Vertrauen in Hollande konnte ich da nicht fassen.

    Was Martine lePen betrifft: sehe ich im Grunde genau so wie sie - es wäre eher gefährlich, sie nicht auf dem Zettel stehen zu haben. Wir erleben das hier ja auch immer, wenn irgendwelche Hirnis behaupten, sie repräsentierten eine schweigende Mehrheit - ich finde schon, die bräuchten eine Quittung vom Wähler.

  • Es wäre ein Schande, dass Frau Le Pen eventuell sich nicht stellen könnte, da sie ein nicht zu unterschätzendes Teil der Wählerschaft hinter sich hat.

    Ich glaube nicht, dass es NS schaffen wird, wieder gewählt zu werden, die Abneigung zu ihm ist sehr präsent, weit mehr als es je der Fall war, für die Frau Merkel.
    Schon 2007, gab es ein tiefe Spaltung und es ist erlaubt sich zu fragen, ob nicht eher Royal abgewählt wurde, als NS gekrönt...
    Es waren zwei erbärmliche Politiker, die da zur Wahl standen.
    Nun hat NS die Last einer schlechten Bilanz auf seinen Schultern und Hollande ist von ganz anderem Niveau als Royal.
    Ich bin fest davon überzeugt, dass es ein Führungswechsel in Frankreich geben wird.
    Frau Merkel hat eine Bilanz aufzuweisen, die man je nach politischer Richtung einschätzen kann, die aber durchaus Positives aufweisen kann.
    Bei NS ist das eigentlich nicht so. Es gibt, in der öffentlichen Meinung, so gut wie nichts, dass ihm positiv anzurechnen ist und mit seiner politischen Orientierung verbunden werden kann.
    Das ist hart und wird ihm wohl seine Wiederwahl kosten.
    Dazu kommt, dass die PW fast zeitgleich mit den Abgeordneten-Wahlen stattfindet. Es ist für die Rechten sehr ungünstig dieses Mal.

  • @eis

    "Er ist klug genug zu wissen, wie schwach seine Bilanz is"

    Ich würde eher sagen, _wir_ wissen, wie schwach seine Bilanz ist, ich denke, er sieht das anders. Er hat Krieg gespielt, den "Euro gerettet" und überhaupt - im Grunde gehen ihm die "pauvre con"'s sonstwo vorbei. Das war ja wohl ein Schlüsselmoment, um zu verstehen, wie er tickt. Naja, die Fronzosen haben das in diesem Moment auf der Landwirtschaftsausstellung auch verstanden.

    Mit dem "er kann nicht verlieren" haben Sie wiederum wahrscheinlich recht und er wird sich wohl anstrengen, seine Enttäuschung zu überspielen, wenn es nicht klappt.

    Wobei - wenn wir beide ehrlich sind: So wie Deutschland das nächste mal wieder die Merkelsche wählen, so wird wohl Frankreich am Ende mit Sarko in Verlängerung gehen.

    Was ich witzig fände: Marine bekommt ihre 500 Unterschriften, Sarko scheidet in der Vorrunde aus und die Franzosen müssen Hollande wählen, so wie sie Chirac wählen mussten, um ihren Papa zu verhindern.


    Hat sie denn schon mehr als 350 zusammen? Sammeln die Grünen fleißig Stimmen für sie (auch so ein Witz, aber okay, im Grunde wahrscheinlich ein taktisches Spielchen, wenn ich das richtig evrstehe)

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