Downing Street: "Absurd"
Ex-Minister Cook macht Blair schwere Vorwürfe

Der britische Premierminister habe gewusst, dass Saddam Hussein nicht über Massenvernichtungswaffen verfüge, erklärte der frühere Außenminister Robin Cook.

dpa LONDON. Tony Blair habe die britische Öffentlichkeit bewusst über die Gefährlichkeit Saddam Husseins getäuscht. Blair habe zwei Wochen vor Beginn des Kriegs gegen den Irak im März in einem privaten Gespräch zugegeben, dass Saddam keine Massenvernichtungswaffen besitze, die innerhalb kurzer Zeit gefechtsbereit seien, schrieb Cook, dessen Memoiren in Auszügen in der „Sunday Times“ veröffentlicht wurden. Downing Street wies die Behauptungen als „absurd“ zurück.

Cook, der aus Protest gegen den Krieg als Labour- Fraktionsvorsitzender im Unterhaus zurückgetreten war, schrieb seine Memoiren anhand von Tagebüchern. In dem betreffenden Gespräch mit Blair habe dieser eingeräumt, Saddam habe keine Waffen, die eine „reale und aktuelle Gefahr“ darstellten. In einem Dossier über die Gefahren des Iraks, der auf Geheimdienstinformationen beruhte, hatte die Regierung aber genau dies behauptet.

Blair war nach den Memoiren Cooks auf jeden Fall bereit zum Krieg, egal, ob die UN-Waffeninspekteure Fortschritte bei ihren Nachforschungen im Irak erzielten oder nicht. Der Premierminister habe US-Präsident George W. Bush persönlich versichert, ihn auch militärisch zu unterstützen, wenn bei den Vereinten Nationen kein Einvernehmen über ein Vorgehen gegen Saddam erzielt werde. „Eine große Anzahl von Ministern“ habe sich gegen eine britische Beteiligung an dem Krieg ausgesprochen, behauptet Cook weiter.

Ein Downing Street-Sprecher wies die Anschuldigungen zurück: „Der Gedanke ist absurd, dass der Premierminister jemals sagte, Saddam Hussein habe keine Massenvernichtungswaffen.“ Weiter sagte er: „Seine Ansichten sind immer dieselben gewesen, sowohl in der Öffentlichkeit als auch privat, wie seine Kabinettskollegen wissen.“ Cooks Ansichten seien bekannt.

Cook schrieb weiter, er habe am 20. Februar, einen Monat vor Kriegsbeginn, mit John Scarlett gesprochen, dem Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses, in dem die Chefs der britischen Geheimdienste versammelt sind. Nach einem detaillierten Informationsaustausch habe ihm Scarlett beigepflichtet, dass der irakische Diktator möglicherweise keine Massenvernichtungswaffen besitze, die in großem Umfang gegen zivile Ziele eingesetzt werden könnten.

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