Dramatische Lage
UN-Chef Ban ruft zu Hilfe für Somalia auf

Am Horn von Afrika hungern die Menschen wegen der schlimmsten Dürre seit rund 60 Jahren. Erst die Hälfte der benötigten Gelder für Hilfsmaßnahmen ist bei der Uno eingegangen. UN-Generalsekretär Ban ist „äußerst besorgt“.
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New YorkAngesichts der dramatischen Lage in den Dürre-Gebieten und Flüchtlingslagern in Ostafrika hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Weltgemeinschaft zu mehr finanziellen Hilfen aufgerufen. „Wir können es uns nicht erlauben, zu warten“, erklärte Ban am Dienstag (Ortszeit) in New York. Das Welternährungsprogramm (WFP) erwog eine Rückkehr in die von der radikalislamischen Shebab-Miliz kontrollierten Gebiete in Somalia.

Mehr als elf Millionen Menschen am Horn von Afrika benötigten die Hilfe der Weltgemeinschaft angesichts der schlimmsten Dürre seit rund 60 Jahren in der Region, erklärte Ban. Er forderte mehr Unterstützung für die laufenden Hilfsprogramme, „um in der Region ohne Aufschub Leben zu retten“. Von den erforderlichen 1,6 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) sei bislang nur etwa die Hälfte bei der Uno eingegangen. Er sei „äußerst besorgt“, erklärte Ban.

Der UN-Generalsekretär berief eine Dringlichkeitssitzung der Direktoren der UN-Agenturen ein, um über die humanitäre Krise am Horn von Afrika zu beraten. Auch die Afrikanische Union rief die Weltgemeinschaft und insbesondere die afrikanischen Staaten zur Unterstützung für Somalia auf, wo ein Drittel der Bevölkerung dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sei. AU-Kommissionspräsident Jean Ping appellierte an die AU-Friedenstruppe Amisom, weiter „alles in ihrer Macht stehende zu tun“, um die Helfer in Somalia zu beschützen, damit sie die Bedürftigen besser erreichen könnten.

Von der schweren Dürre und bewaffneten Konflikten in Ostafrika sind Millionen Menschen in Somalia, Kenia, Äthiopien, Dschibuti und Uganda betroffen, wie das WFP am Dienstag mitteilte. Die Menschen bräuchten „umgehend“ Lebensmittelhilfen, erklärte der WFP-Ökonom Shukri Ahmed. Allein im Juni sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR rund 54.000 Menschen vor der Dürre und der Gewalt aus Somalia geflohen. Jeden Tag treffen in dem riesigen Flüchtlingslager Dadaab im Osten Kenias rund 1400 Somalier ein.

Das Welternährungsprogramm erklärte am Mittwoch, der Hilfsbedarf im Süden Somalias sei „so groß“, dass das WFP zusammen mit dem Humanitären Koordinator der Vereinten Nationen „jede Möglichkeit“ für eine Rückkehr in die von der radikalislamischen Shebab-Miliz kontrollierten Gebiete prüfe. Zudem sollten auch die Geberländer befragt werden, ob sie mit den „Schwierigkeiten und Risiken“ einer Wiederaufnahme der humanitären Hilfe einverstanden sind.

Die Shebab-Miliz, die in Somalia gegen die Regierung kämpft und weite Teile des Landes kontrolliert, hatte in der vergangenen Woche um internationale Hilfe gebeten und damit eine radikale Wende in ihrer Haltung zu Hilfsorganisationen vollzogen. Vor zwei Jahren hatte sie allen ausländischen Helfern die Arbeit in den von ihr kontrollierten Gebieten in der Mitte und im Süden Somalias verboten. Auch weil die Angriffe auf Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zunahmen, setzte das WFP seine Hilfen im Süden Somalias Anfang 2010 aus.

Die meisten der von der Dürre betroffenen Menschen sind nach Angaben des WFP-Ökonomen Ahmed Hirten. „Sie leben von ihrem Vieh“, erklärte er in Rom. Ihre Herden müssten daher dringend wieder aufgestockt werden, Zugang zu Wasser bekommen und vor Krankheiten geschützt werden. Außerdem müssten die Menschen noch vor Beginn der Regenzeit im Oktober Saatgut erhalten.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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