Dramatische Zuspitzung des Moskauer Machtkampfs
Staat beschlagnahmt Yukos-Aktien

Fünf Tage nach der Festnahme von Firmenchef Michail Chodorkowski haben russische Strafverfolger am Donnerstag rund 44 Prozent der Anteile am größten russischen Ölkonzern Yukos-beschlagnahmt. Die Aktion markiert eine weitere Eskalation der Konfrontation zwischen Staat und der mächtigen Industrieoligarchie und verstärkte an den Märkten Ängste vor einem Ende der Privatisierungspolitik der Regierung.

HB MOSKAU. Ein Yukos-Sprecher verurteilte die spektakuläre Beschlagnahme-Aktion als schweren Verfassungsverstoß. Die beschlagnahmten Papiere würden von einer Holding gehalten, die wiederum von Chodorkowski und seinen engsten Verbündeten kontrolliert wird. Dem 40-Jährigen werden Steuerhinterziehung und Betrug vorgeworfen. Einige Analysten sprachen von einem Horror-Szenario für Yukos und ganz Russland. Während es an den russischen Märkten zu heftigen Kursverlusten kam, reagierten Experten in Deutschland eher zurückhaltend.

Ein Firmensprecher bestätigte, dass 44 Prozent des Aktienkapitals beschlagnahmt worden seien. Die von ihm zunächst genannte Zahl von 61 Prozent sei wegen der Herausgabe zahlreicher neuer Aktien in den vergangenen Monaten zu hoch gegriffen gewesen. Die Besitzer dieser Aktien behielten zwar weiter ihre Stimm- und Dividendenrechte, aber die Strafverfolger hätten jeglichen Handel mit den Papieren untersagt. „Das ist ein schwerer Bruch der Verfassung und der Gesetze“, sagte der Firmensprecher. Die Strafverfolgungsbehörden bestätigten die Beschlagnahmung - die erste in dieser Größenordnung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991.

Chodorkowski, der als reichster Mann Russlands gilt, war am Samstag in seinem Privatflugzeug bei einem Zwischenstopp in Sibirien festgenommen worden. In Medien wurde darüber spekuliert, ob die dramatische Festnahmeaktion auch im Zusammenhang mit Chodorkowskis finanzielle Unterstützung politischer Gegner von Präsident Wladimir Putin stehen könnte.

Der 40-Jährige selber hatte politische Ambitionen erkennen lassen, so dass einige Beobachter nicht ausgeschlossen hatten, dass er bei den übernächsten Präsidentenwahlen 2008 antreten könnte.

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