Drei-Schluchten-Damm
Wasser marsch in China!

China jubelt über den Drei-Schluchten-Damm. Doch die Schäden,die das Mega-Projekt anrichtet, werden mit jedem Tag deutlicher, an dem der neue Stausee wächst. Der Damm spaltet das Volk – und die Politiker ducken sich weg.

YICHANG. Noch einen halben Kilometer entfernt bebt die Erde. In zwölf Sekunden werden 2 540 Sprengsätze in die Luft gejagt. Gegen 191 Tonnen Dynamit hält der Spezialbeton nur einen Moment lang stand. Dann kippt die Mauer in die Fluten des Jangtse, für immer und ewig verschlungen.

Der Schutzwall, der das Wasser von der Baustelle des Drei-Schluchten-Projekts abhielt, wird nicht mehr gebraucht. Schon kracht die von der Explosion losgelassene Wasserwand gegen die Hauptmauer. Seit Juni ist der größte Staudamm der Welt am Jangtse fertig – und er hält.

Ehe der Damm Chinas Bürgern all die Wohltaten schenken kann, die seine Erbauer versprechen, muss der neue See voll laufen, den er staut. Bis Oktober wird das dauern. Vier Monate, in denen das Drei-Schluchten-Projekt Unheil bringen wird über viele Tausende Menschen. Staatliche Willkür, Zwangsumsiedlungen, Menschenrechtsverletzungen, Korruption: Der Damm, der den Jangtse staut, spaltet China wie kaum eine politische Entscheidung zuvor.

Dagegen kommt auch die Propaganda der Regierung kaum noch an. 7 000 Arbeiter klatschten Beifall, als der provisorische Damm im Juni gesprengt wurde. Konfetti, Triumphmusik, rote Fahnen. China feierte sein neues Weltwunder. Millionen soll es vor Flutkatastrophen schützen und dem Land so viel Strom liefern wie 15 Kernkraftwerke. „Für ein militärisch mächtiges China“, verkündet ein Banner an der Baustelle. „Das alles haben wir Chinesen geschafft“, jubelt das Staatsfernsehen – eine Machtdemonstration Marke Eigenbau.

Doch viele Chinesen sind nicht stolz auf Chinas neue große Mauer. „Der Drei-Schluchten-Damm ist eine Tragödie“, sagt die Pekinger Autorin Dai Qing. Mit der Zwangsumsiedlung von mindestens 1,3 Millionen Menschen verstoße China gegen die Menschenrechte. Zudem sei der Eingriff in die Natur durch den Staudamm enorm. „Die Folgen für die Umwelt sind viel schlimmer, als wir uns vor Baubeginn vorstellen konnten“, sagt die Umweltaktivistin.

Es braucht Mut, so etwas öffentlich zu sagen. Wegen ihrer Kritik saß Dai Qing in Haft. Sie wird ständig überwacht und darf keine Ausländer zu Hause empfangen. Aber schweigen mag die 65-Jährige dennoch nicht. In einem Teehaus im Pekinger Uni-Viertel sagt sie: „In China sind die demokratischen Kräfte einfach zu schwach und die korrupten Behörden zu stark.“ Und der Monster-Damm am Jangtse ist ihr bester Beweis für die Maß- und Rücksichtslosigkeit der Herrschenden, die der enorme Wirtschaftsaufschwung immer weniger verdecken kann.

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