Drei Streithähne
Die Allianz der Euro-Retter zerfetzt sich

Sie hatten sich einst zusammengetan, um den Euro-Krisenländern in der akuten Not zu helfen. Doch die Troika aus Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank war von Anfang an fragil. Nun droht der Bruch.
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DüsseldorfBeliebt ist sie in Griechenland ganz gewiss nicht. Dabei hat die Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) dem Land mehr als 237 Milliarden Euro an Finanzhilfen ausgezahlt oder zumindest versprochen. Die Herzen der Griechen hat sie mit diesem Geld nicht kaufen können. Als Vertreter der Troika in der vergangenen Woche im griechischen Finanzministerium eintrafen, warteten vor der Tür schon aufgebrachte Lehrer, Hausmeister und Putzfrauen, denen die Entlassung droht. Die Demonstranten warfen Plastikflaschen und skandierten Sprüche wie „Zum Teufel mit Euch Blutsaugern“.

Nicht nur auf den Straßen Athens gibt es massive Kritik an der Troika – auch auf allerhöchster Ebene in Brüssel. Zum Beispiel von der Vize-Präsidentin der EU-Kommission Viviane Reding. Sie sagt seit langem: „Die Troika gehört abgeschafft.“

In die gleiche Kerbe schlägt das Europaparlament. Dessen Währungspolitischer Ausschuss hat einen Untersuchungsbericht vorgelegt, der die Arbeit der Troika scharf kritisiert. Der Hauptvorwurf lautet: Die Troika habe die Wirkung der Sparpolitik falsch eingeschätzt. Sie habe mit ihren Empfehlungen den wirtschaftlichen Einbruch und die soziale Misere in den Euro-Krisenländern verstärkt. Die Arbeit der Troika sei außerdem weder transparent noch demokratisch legitimiert. Die Chancen sind hoch, dass das Europaparlament noch im Frühjahr dem Bericht zustimmt. Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold sieht den Troika-Bericht als „Klatsche für die Euro-Gruppe und die von ihr beauftragte Troika.“

Dabei hatte sich das Trio aus IWF, EU-Kommission und EZB einst zusammengetan, um Griechenland vor dem Bankrott zu retten. Es war keine Wunschkonstellation, sondern ein aus der Not geborenes Team. Von Anfang an war klar, dass die Partner sehr unterschiedliche Interessen haben. Was sie zusammenhielt war die Wucht der Krise. Nicht nur in Griechenland musste die Troika helfen, sondern auch in Irland, Portugal und Zypern. Insgesamt hat sie den vier Ländern mehr als 400 Milliarden Euro an Hilfen zugesagt. Das Geld ist allerdings stets an Auflagen gebunden: Wer Hilfe bekommt, muss im Gegenzug sparen und seine Wirtschaft reformieren. In regelmäßigen Abständen prüft die Troika, ob die betroffenen Länder die Auflagen einhalten. Kaum jedoch hat sich die Euro-Krise ein wenig beruhigt, treten die Gegensätze der Troika-Partner offen zu Tage. Es droht der Bruch. Das Motto lautet: Jeder gegen jeden.

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  • tja, im prinzip ist eben nur die AFD noch wählbar! Der rest gehört lt deutschsprachigen stgb in den knast.

  • Zu Argentinien (@ Eddie):

    Das seit Peron instabilisierte Land hat die Chancen des extremen Exportbooms (mit Energieengpässen in Folge!), Stabilisierung des Imports, Armutsreduktion und Eindämmung galoppierender Inflation nach Abkoppelung vom $ nicht genutzt, da ein kompetentes Krisenmanagement dort einfach nie verfügbar war und das Land selbst auf seinem Kontinent innerhalb genauso fragiler Staaten eingebettet ist.

    So fragil, daß im Rahmen der Weltrezession das Land erneut kurz vor dem Bankrott steht.

    Staatdessen hätten WIR in der Eurozone bzw. mit der EZB gute Strukturen und(noch) genügend Kapital, um den Übergang in eine -zunächst- Parallel- bzw. Eigenwährung in GR etc. zu decken, Inflation und Spekulation zu bekämpfen, eventuell fallende Importe aufzufangen und den Leitzins anpassen zu können.

    Des Weiteren ist GR wie Portugal etc. in einen funktionierenden Binnenmarkt eingebettet.

    In einem solchen Währungsübergang wäre unser Geld gut investiert.

    Und was ist gegen das Haften von Pleitebanken zu sagen?
    Wenn Sie 10000 € im Roulette verlieren, können Sie doch auch nicht Hinz und Kunz haften lassen (vgl. "debt-equity-swaps").

    Stattdessen macht die EZB eine sozial verträgliche Lösung immer schwieriger, da sie sich selbst zum Problem macht mit Geldpumpen in marode Banken mittlerweile in der Höhe ihrer Bilanzsumme (knapp 3 Bio €), entsprechend 60% ihres Eigenkapitals (!).

    DAS ist der Unterschied zu Argentinien, und wenn man Äpfel mit Äpfeln und Birnen mit Birnen vergleicht, ist Abkopplung vom € zunächst in GR DURCHAUS der richtige weg, wenn er vernünftig, besonnen und unter richtigem Einsatz reeller Mittel durchgeführt wird.

    Genau das muß durchgeführt werden.

    Wenn Sie schon hier Ihr dürftiges Lexikonwissen präsentieren, dann bitte etwas differenzierter oder lassen Sie's am besten einfach sein.

    Danke.

    PS: Zyperns Bankproblem war hausgemacht, das heutige Schuldproblem entstand durch Verstaatlichung der Schulden, während man Investoren davonkommen ließ.

  • mit den meisten Mrd sind griech schulden bei französischen banken bezahlt worden.

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