Drei Szenarien zur Krim-Krise
Krieg oder Frieden

Lässt sich die russische Führung durch den Besuch von Ban Ki Moon beschwichtigen? Kommt es zu einem Krieg in der Ostukraine? Experten erklären in drei Szenarien, wie sich der Konflikt auf der Krim entwickeln könnte.
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DüsseldorfIn der Krim-Krise geht es Schlag auf Schlag: Während die Abgeordneten der Duma den vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichneten Beitrittsvertrag der Halbinsel ratifizieren sollen, reist Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zu einem beschwichtigenden Gespräch nach Moskau. Und die EU-Staats- und Regierungschefs versuchen sich in Brüssel auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Das eine Ereignis komplettiert die Provokation an den Westen, das andere versucht Ruhe zu stiften – und in der belgischen Hauptstadt wird über Sanktionen gestritten.

Von Krieg bis Frieden: Die gegensätzlichsten Ausgänge der Krim-Krise sind möglich, sagen Experten. Für Handelsblatt Online zeigen sie in drei Szenarien, wie die Zukunft in Osteuropa aussehen könnte.

Bestmögliches Szenario: Der russische Scheinfreund
Wenn sich die westlichen Regierungschefs eine Zukunft malen dürften, würde diese wohl so aussehen:

Szenario 1: Putin will das russische Territorium nach der Übernahme der Krim nicht weiter ausdehnen und die Lage in der Ostukraine beruhigen. Für den Russland-Experten Christian Wipperfürth von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin sind gemeinsame Verhandlungen zwischen dem Westen und dem größten Land der Welt in solch einer Situation besonders wichtig. Grundlage dafür ist in diesem Szenario, dass Russland seine Soldaten auf der Krim wieder zurück in die Kasernen beordert und der Westen seine Sanktionen beendet. „Man will damit einen großen Bären mit kleinen Nägeln in eine Richtung drängen, das bringt nichts“, sagt Wipperfürth Handelsblatt Online.

Mit kleinen Schritten können sich die Konfliktparteien wieder näherkommen. Das ukrainische Parlament setzt das alte Sprachengesetz, das Russisch nicht weiter als zweite Amtssprache verbietet, wieder in Kraft. Im Gegenzug verzichtet Russland auf die Unterstützung von pro-russischen Separatisten in der Ost- und Südukraine. „Außerdem muss der Westen der Ukraine einen Sofortkredit zur Abwendung des Bankrotts zur Verfügung stellen und im Gegenzug wirft Putin die aufgekauften ukrainischen Staatsanleihen nicht auf den Markt“, sagt der Russland-Experte.

Dadurch müssen auch die russischen Energieexporte nicht gestoppt werden. Nach Einschätzungen der Privatbank Berenberg bleiben die wirtschaftlichen Folgen so überschaubar – das Wirtschaftswachstum in der EU wird um nicht mehr als 0,1 bis 0,2 Prozent gedämpft. Außerdem gibt es für die Europäische Zentralbank keinen Grund einzugreifen. Russland hat den Westen zwar gereizt, bleibt aber ein Scheinfreund.

Weil die noch vor wenigen Jahren enge Freundschaft zwischen Kiew und Moskau durch die Krim-Krise beendet ist, kann sich die Ukraine mehr dem Westen zuwenden. Schon seit 2009 führt das Land einleitende Verhandlungen mit der EU über eine Mitgliedschaft und zählt zu den möglichen Beitrittskandidaten.

Auch wenn das Wunschdatum 2015 des ehemaligen Präsidenten Viktor Juschtschenko für die Aufnahme in den Staatenverbund in weite Ferne gerückt ist, können bislang ausgebliebene Reformen durch die Perspektive auf einen EU-Beitritt auf den Weg gebracht werden. Auch für die Krim-Bewohner könnte eine Ukraine mit mehr Rechtsstaatlichkeit und wachsender Wirtschaft wieder attraktiv sein. Allerdings scheint dieses Szenario insgesamt eher unwahrscheinlich: „Da ist einfach zu viel Porzellan zerbrochen“, sagt Russland-Experte Wipperfürth.

Kommentare zu " Drei Szenarien zur Krim-Krise: Krieg oder Frieden"

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  • Aber bei der Gelegenheit auch gleich in Karlsruhe mit dem verlogenen BVerfG aufräumen und alle Richter wegen Rechtsbeugung im Amt zur Verantwortung ziehen - die haben es nicht minder verdient, so oft, wie sie das durch sie zu schützende GG schon mit Füßen getreten haben!

  • Ich sehe auch, dass Putin als alter, erfahrener Kampfsportler und Schachspieler, der in dieser Krise so effizient wie schnell agiert hat (weil er auch gar nichts anderes in dieser Situation tun konnte, ohne Stützpunkt und Gesicht zu verlieren), hier ganz einfach die Ostukraine als Faustpfand hält, nicht einmal, um sie sich einzuverleiben - nein, sie wird der Garant dafür sein, dass die Ukraine und damit der Westen nicht zur Ruhe kommen und Finanzen ohne Ende dort "verbrennen" werden. Ein perfides Szenario, das mir aber sehr wahrscheinlich erscheint. Eingreifen wird er meiner Meinung erst, wenn sich die NATO anschickt, dort Stützpunkte zu errichten und/oder die UA-Junta offen faschistisch gegen die russischsprachige Bevölkerung agiert ...

  • Milvus, es geht NICHT um Wegsehen - es geht darum, Russland nicht unnötig demütigen zu wollen und sich dann über Reaktionen zu wundern! Es geht darum, die Russen einzubinden und als Partner ernst zu nehmen - das aber missfällt den Amis, die immer stärker selbst ins Abseits geraten und Russland geradezu in der Arme Chians treiben - und wir, als dofe Europäer im Allgemeinen und als Deutsche im Speziellen werden die Zeche bezahlen - nicht der Ami, der uns diese Sauce eingebrockt hat und unsere Politamateure vorschickt

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