Drei Wochen Krieg in Nahost
Hisbollah an Propagandafront erfolgreich

Die internationale Kritik am massiven militärischen Vorgehen Israels im Libanon wird immer lauter. Dabei ist der politische Flurschaden, den die Kämpfe mit der Hisbollah-Miliz angerichtet haben, schon jetzt immens.

HB BEIRUT. Hunderte getöteter Zivilisten, Hunderttausende von Vertriebenen im Libanon und Israel sowie ein halbwegs demokratisches arabisches Land, das in seiner wirtschaftlichen Entwicklung um Jahre zurückgeworfen ist - das ist die traurige Bilanz nach drei Wochen Krieg in Nahost.

Zwar scheint die US-Regierung dem blutigen Konflikt noch etwas Gutes abzugewinnen, indem sie ihn als „Geburtsschmerzen“ eines „Neuen Nahen Ostens“ interpretiert. Dieser Sichtweise mögen sich jedoch nicht einmal die amerikafreundlichen arabischen Regime anschließen. Sie befürchten vielmehr, dass der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora Recht behalten wird. Er hat ein Erstarken der Extremisten- Gruppen durch diesen ungleichen Krieg einer High-Tech-Armee gegen schiitische Guerillakämpfer vorausgesagt.

Selbst pro-westliche Araber und auch ein Teil der libanesischen Christen sympathisieren inzwischen mit der Hisbollah und wenden sich von den USA ab, weil Washington Israel mit Waffen beliefert und politisch den Rücken stärkt. „Das ist das Geschenk des amerikanischen Volkes an die Kinder des Libanon“, hat ein Geschäftsinhaber in der Beiruter Innenstadt auf einen Zettel geschrieben und in seinem Schaufenster zusammen mit Fotos der Kinderleichen aus Kana aufgehängt.

Israel hat Rhetorik zurückgeschraubt

Israel hat seine selbst gesteckten Ziele im Libanon nach drei Wochen nicht erreicht, und will deshalb noch keine Waffenruhe. Der Freilassung der von der Hisbollah verschleppten zwei israelischen Soldaten ist man offensichtlich noch keinen Schritt näher gekommen. Die Hisbollah feuert immer noch täglich Raketen auf Nordisrael. Der ehemalige Berater der UN-Beobachtermission UNIFIL, Timur Goksel, meint, dass die israelische Armeeführung deshalb ihre Rhetorik zurückgeschraubt habe: „Erst wollte Israel die gesamte Hisbollah vernichten, dann hieß es plötzlich, man wolle nur die Miliz der Hisbollah zerstören, dann wollten die Israelis die Milizionäre aus dem Südlibanon verjagen und jetzt geht es nur noch darum, sie aus dem Grenzgebiet zu vertreiben.“

Die Hisbollah hat in den vergangenen drei Wochen zwar auch Verluste hinnehmen müssen, und viele ihrer Anhänger haben durch die israelischen Luftangriffe Angehörige und ihre Häuser verloren. Doch an der Propagandafront ist die Hisbollah erfolgreich. Nicht nur Libanesen, sondern auch andere Araber und Muslime jubeln, wenn sich ihr Parteichef Hassan Nasrallah gelegentlich mit besonnener Stimme aus dem Untergrund meldet. Der bärtige Volkstribun ist ein Meister der Selbstbeherrschung und ein kühler Taktiker. Anders sind da viele seiner Anhänger, die sich gelegentlich zu Äußerungen wie „in Wirklichkeit wollen wir nicht nur unsere Gefangenen zurück, sondern ganz Palästina befreien“, hinreißen lassen.

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