Dreimal so viel Militärgerät
Russland verstärkt Truppen an Grenze zu Ukraine

Bereitet das russische Militär eine Invasion in der Ostukraine vor? Jüngste Bewegungen am russischen Stützpunkt Kusminski könnten darauf hindeuten. Westliche Beobachter sehen die brüchige Waffenruhe im Donbass in Gefahr.
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Chutor Tschalkowa/MoskauDas russische Militär zieht im Grenzgebiet zur Ukraine massenhaft Truppen und Kriegsgerät zusammen. Auf einem provisorischen Stützpunkt etwa 50 Kilometer vor der Grenze sind in den vergangenen Tagen ganze Zugladungen mit Soldaten und Militärfahrzeugen, darunter rund 30 Panzer, angekommen, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur Reuters beobachtete. Auch etwa 30 mobile Raketenwerfer vom Typ „Uragan“ und zahlreiche Geschütze wurden im Stützpunkt Kusminski gesichtet.

Damit befindet sich drei Mal so viel Militärgerät vor Ort wie im März. Dies könnte einer der bislang eindeutigsten Hinweise auf einen gezielten Truppenaufbau in der Region sein – womöglich mit der Absicht, die Rebellen in der Ostukraine bei einer neuen Offensive gegen die Regierungstruppen zu unterstützen.

Für die Annahme spricht einiges: Viele der russischen Militärfahrzeuge haben keine Nummernschilder, andere Erkennungszeichen wurden ebenfalls entfernt. An den Uniformen der Soldaten fehlen die Abzeichen. Damit sehen sie wie Angehörige der Kampfverbände in der Ostukraine aus, die die Regierung in Kiew und der Westen für Angehörige einer verdeckten russischen Operation hält. Auch die Waffen sind genau diejenigen, die in den Kämpfen zum Einsatz kommen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau wollte sich zunächst nicht äußern. Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin erklärte auf eine Nachfrage zu dem Kriegsgerät: „Ich finde die Formulierung dieser Frage, ob eine Invasion vorbereitet wird, an sich unangebracht“. Die russische Regierung wird nicht müde zu betonen, dass sie an dem Konflikt in der Ukraine nicht direkt beteiligt ist.

Walentina Melnikowa, Vorsitzende der russischen Menschenrechtsorganisation „Komitee der Soldatenmütter“ sieht das anders: Die Rekruten würden in die Region Rostow an der Grenze zur Ukraine gebracht. Von dort gehe es weiter ins Nachbarland. Vorher unterzeichneten sie Papiere, dass sie auf eigenen Wunsch handelten. „In Wirklichkeit ist es ein Befehl“, befindet Melnikowa. „Wie könnte es freiwillig sein? Sie sind Soldaten.“ Ihre Angaben konnten nicht überprüft werden.

Die russischen Soldaten auf dem Stützpunkt Kusminski halten sich bedeckt. Sie seien lediglich für eine Militärübung dorthin verlegt worden, erklären sie. Von der Basis führt eine provisorische Straße direkt zur ukrainischen Grenze. Sie ist frisch planiert und könnte nun auch von schweren Fahrzeugen leichter befahren werden.

Westliche Beobachter rechnen damit, dass die ohnehin brüchige Waffenruhe in der Ostukraine schon bald wieder nichtig ist. Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove sagte jüngst, er gehe davon aus, dass sie von den prorussischen Separatisten ausgenutzt werde, um sich neu zu bewaffnen und eine Offensive vorzubereiten. Einzelheiten nannte er nicht.

Der Tod russischer Soldaten bei Spezialeinsätzen zu Friedenszeiten ist ab sofort ein Staatsgeheimnis. Der russische Präsident Wladimir Putin unterzeichnete am Donnerstag ein Dekret, mit dem "Informationen über personelle Verluste bei Spezialeinsätzen zu Friedenszeiten" unter Verschluss bleiben müssen. Angaben zu militärischen Verlusten zu Kriegszeiten waren zuvor bereits ein Staatsgeheimnis. Das Dekret mit der aktualisierten Liste russischer Staatsgeheimnisse wurde auf der Internetseite der Regierung veröffentlicht.

Die Weitergabe von Staatsgeheimnissen kann mit mehreren Jahren Gefängnis bestraft werden. Nicht definiert ist in dem Dekret allerdings, worum genau es sich bei den "Spezialeinsätzen" handelt. Der Militärexperte Pawel Felgenhauer sagte dazu, damit könne jeder Einsatz so eingestuft werden. Letztlich gehe es darum "Verluste im Donbass" zu verschleiern, sagte Felgenhauer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Krieg im Donbass
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    Warlord Putin zieht seine Truppen zusammen.
    Auf der Krim werden U-Boote mit Atomraketen verlegt. Dir Ukraine wird umzingelt.
    Tote Soldaten sind ab sofort ein "Staatsgeheimnis".
    Es giibt ja keine russische Soldaten in der Ostukraine, also auch keine toten Soldaten.

  • Er treibt auch Sport, spielt Eishokey, reitet halbnackt ein Pferd bis zur völligen Erschöpfung und isst Sellerie!

  • "Wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur Reuters" berichtete! Eine Dame die sich auskennt!
    Alles solide hinterfragt und bewiesen!

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