Dritter Lateinamerikagipfel
EU und lateinamerikanische Staaten streben Freihandelsvertrag an

Die EU-Staaten wollen mit dem Andenpakt und Ländern Mittelamerikas eine Freihandelszone errichten. Das Vorhaben sei aber eher ein «langfristiges Ziel», sagte EU-Handelskommissar Pascal Lamy auf dem dritten Lateinamerika-Gipfel.

HB BERLIN. In dem Bestreben, die Handelsbeziehungen zwischen lateinamerikanischen Ländern und der Europäischen Union (EU) zu verbessern, ist am Freitag der dritte Lateinamerika-Gipfel eröffnet worden. Nachdem die Verhandlungen zwischen der EU und der südamerikanischen Staatengemeinschaft Mercosur in den vergangenen Jahren nur mühsam voran kamen, will die EU nun mit den Ländern Mittelamerikas und der Andengemeinschaft Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufnehmen.

Neben Bundeskanzler Gerhard Schröder waren zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus insgesamt 58 Ländern bei dem Treffen im mexikanischen Guadalajara anwesend. Einige ranghohe Staatsvertreter wie Argentiniens Präsident Nestor Kirchner, Perus Präsident Alejandro Toledo und Kubas Staats- und Parteichef Fidel Castro hatten ihre Teilnahme jedoch im letzten Augenblick abgesagt. Der britische Premier Tony Blair und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hatten indessen nie ihre Teilnahme angekündigt.

Nachdem die Delegationen am Donnerstag noch heftig um die Abschlusserklärung des Gipfels gerungen hatten, erklärte EU-Handelskommissar Pascal Lamy, das Freihandelsabkommen sei ein «langfristiges Ziel». Zunächst einmal werde ein «Prozess der Prüfung, Analyse und Evaluierung» in Gang gebracht, sagte er.

Der Vertreter der mittelamerikanischen Staaten, Ariel Graneda, gab unterdessen zu verstehen, dass die Einigung zwar «den politischen Willen» demonstriere, «zu einem strategischen Bündnis auf dem Weg zu einer Freihandelszone zu gelangen». Allerdings entspreche sie «nicht allen unseren Erwartungen», fügte Graneda hinzu.

Die Einigung soll Teil der «Erklärung von Guadalajara» sein, die die Staats- und Regierungschefs unterzeichnen wollen. Mitglieder der Andengemeinschaft sind Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Peru und Bolivien.

Mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay wolle die EU spätestens im Oktober zu einer Freihandelsvereinbarung kommen, sagte Lamy nach Gesprächen mit Vertretern der Länder. Die nächste Verhandlungsrunde werde am 7. Juni in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires beginnen.

Der EU-Ratspräsident und irische Premierminister Bertie Ahern forderte die lateinamerikanischen Staaten unterdessen in seiner Rede dazu auf, sich nach europäischem Vorbild enger zusammenzuschließen, um wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten begegnen zu können. »Die Nationen können den Herausforderungen der Globalisierung nicht alleine begegnen«, betonte Ahern.

Ebenfalls vor dem Hintergrund der voranschreitenden Globalisierung hatten die Vereinten Nationen (UN) am Donnerstag eine neue Strategie zur beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklung in den ärmsten Staaten vorgestellt. Sie betonten, dass deren Integration in die Weltwirtschaft und eine Ausweitung des Handels alleine zur Armutsbekämpfung nicht ausreichend seien.

In ihrem Bericht über die 49 am wenigsten entwickelten Länder erklärte die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung UNCTAD, das internationale Handelssystem müsse besser auf die Bedürfnisse dieser Staaten angepasst werden. Um einen fairen Wettbewerb zu garantieren, müssten die industrialisierten Länder ihre hohen Agrarsubventionen reduzieren. Zudem müssten die armen Länder schneller Zutritt zur Welthandelsorganisation WTO bekommen.

Weiter heißt es in dem UNCTAD-Bericht, es müsse mehr Transparenz im Handel mit Öl, Gas und Rohstoffen hergestellt werden. Es sei bedenklich, dass in den meisten armen Ländern, die Öl, Gas und Rohstoffe exportierten, die Armut in den vergangenen beiden Jahrzehnten angestiegen sei.

Darüber hinaus benutzten die reichen Nationen oft die steigenden Handelsgewinne dieser Länder als Grund, um ihre Unterstützung zurückzufahren. Zudem stärkten Kriege, ein starkes Bevölkerungswachstum, ein langsames Exportwachstum und ein geringer Investitionsgrad die Armut in vielen Staaten.

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