Drittes TV-Duell
Schlagabtausch zwischen Romney und Obama

Barack Obama greift an. Immer wieder versucht er, Mitt Romney in die Bredouille zu bringen. Doch der gibt sich bei der letzten TV-Debatte geschmeidig, als habe er den Sieg schon in der Tasche.
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Boca Raton/WashingtonBarack Obama setzt auf Angriff, Mitt Romney bleibt gelassen: Zwei Wochen vor der US-Präsidentenwahl haben sich der Amtsinhaber und sein Herausforderer ein letztes Rededuell ohne echte Überraschungen geliefert. Das Thema Außenpolitik – bisher eher Randthema im Wahlkampf – war bei der Debatte am Montagabend kaum geeignet, größere Kontroversen und Emotionen aufkommen zu lassen. In landesweiten Umfragen hatten beide Bewerber zuletzt nah beieinander gelegen.

Ob Syrien, Iran oder China - trotz unterschiedlicher Rhetorik waren sich Obama und Romney in vielen Fragen im Kern einig. Gleich mehrfach sagte Romney im letzten und dritten TV-Duell: „Sie haben Recht, Herr Präsident.“ Dagegen versuchte sich Obama als starker „Commander in Chief“ (Oberbefehlshaber) zu präsentieren. Über weite Strecken spielte Obama die außenpolitische Erfahrung seiner ersten Amtszeit aus.

Wie bei der zweiten Debatte sahen auch an diesem Montagabend die meisten Wähler Obama vorn. Nach einer nicht repräsentativen Umfrage des TV-Senders CNN meinten 48 Prozent der befragten Wähler, der Amtsinhaber habe die Redeschlacht gewonnen. Lediglich 40 Prozent dagegen sahen unmittelbar nach Ende der Debatte Mitt Romney vorn. Im ersten Rededuell hatte Romney deutlich die Nase vorn gehabt.

In Boca Raton (Florida) versuchte Obama immer wieder, Romney als unbedarft in Sachen Außenpolitik darzustellen, der zudem allzu häufig seine Meinung wechsle und einen gefährlichen Zick-Zack-Kurs fahre. Ob beim Thema Irak, Afghanistan oder Bin Laden: „Jedes Mal, wenn Sie ihre Meinung sagen, liegen sie falsch“, warf Obama seinem Kontrahenten vor. Romney hielt dem Präsidenten vor, er habe die Führungsrolle der USA in der Welt verspielt. Dies wolle er ändern. „Wir haben die Chance zu einer echten Führungsrolle.“

Obamas stärkstes Argument war die Tötung von Terrorchef Osama bin Laden. Romney meinte zum Kampf gegen den Terrorismus: „Meine Strategie ist ganz klar die, die bösen Jungs zu jagen, sicherzustellen, dass wir alles tun, um sie zu stören - sie zu töten, sie aus dem Bild zu löschen.“ Wie Obama befürwortete auch er den Einsatz von Drohnen im Kampf gegen den Terrorismus.

Deutliche Differenzen gab es vor allem beim Thema Militärbudget. Romney bekräftigte, im Fall seiner Wahl werde es keine Kürzungen geben. Die Marine sei kleiner als 1917. Die Luftwaffe sei veraltet. Die höchste Priorität des Präsidenten sei es, die US-Bevölkerung zu schützen.

Angesichts jüngster Umfragen, die Obama und Romney gleichauf sehen, galt die Redeschlacht am Montagabend als extrem wichtig. Wegen seiner außenpolitischen Erfahrung war Obama als Favorit in die Auseinandersetzung gegangen. Romney musste dagegen mit dem Image antreten, ein außenpolitisches Greenhorn zu sein.

Sowohl Obama als auch Romney beanspruchten ohne Wenn und Aber eine weltweite Führungsrolle für die USA. „Amerika muss stark sein. Amerika muss führen“, sagte Romney. Ganz ähnlich formulierte es Obama: „Amerika bleibt die einzige unentbehrliche Nation. Die Welt braucht ein starkes Amerika.“ Doch zugleich betonte Obama seine eigenen Erfolge: „Und es ist jetzt stärker als zu der Zeit, als ich das Amt übernahm.“ Nach der Bush-Ära habe er die Beziehungen zu vielen Staaten und Verbündeten verbessert, sagte Obama. Dazu zähle auch Europa.

Beim Thema Iran beharrte Romney darauf, dass Obamas Politik gegenüber dem Iran kein Erfolg gewesen sei. „Der Iran ist jetzt näher an Atomwaffen als vor vier Jahren“, warf er dem Präsidenten vor. Er wolle die iranische Führung wegen Anstiftung zum Völkermord vor Gericht bringen, kündigte Romney an. Wie Obama plädierte Rommey für starke Sanktionen, ein Militärschlag könnte nur ein letztes Mittel sein. Obama erwiderte, es gebe derzeit die härtesten Sanktionen gegen Teheran.

Entscheiden wies der Präsident den Vorwurf zurück, die Beziehung zum engsten US-Verbündeten Israel zu gefährden und nicht genug gegen die nukleare Bedrohung durch den Iran zu tun. Zu einem harten Schlagaustausch kam es beim Thema China. Romney versprach eine harte Gangart etwa gegen Währungsmanipulationen Pekings sowie gegen unfairen Handel.

Am Abzugstermin aus Afghanistan zum Ende des Jahres 2014 gab es aus Sicht beider Rede-Kontrahenten nichts zu rütteln. Auch beim Thema Syrien forderte Romney mehr amerikanische Führung. Die USA müssten die Chance ergreifen, aktiv einen Machtwechsel voranzutreiben. „Wir sollten dort eine Führungsrolle übernehmen.“ Allerdings nannte er keine konkreten Schritte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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