Drogenkrieg in Mexiko: Blutige Ostern im Paradies

Drogenkrieg in Mexiko
Blutige Ostern im Paradies

Mexiko galt als Urlaubsparadies, doch pünktlich zur traditionellen Hauptreisezeit versinkt das Land wieder in Gewalt. Damit wollte die neue Regierung aufräumen – doch der Drogenkrieg tobt weiter.

Mexiko-StadtEs war eines der blutigsten Wochenenden seit Jahren. Von Freitag bis Sonntag starben in Mexiko 65 Menschen im Zusammenhang mit dem Organisierten Verbrechen. Leichen schwammen in Flüssen, Exekutierte wurden in der Öffentlichkeit ausgestellt und Botschaften an ihre Kleidung geheftet; Leichenteile fanden sich in Plastiksäcken, Pistoleros richteten eine Gruppe Polizisten an ihrem freien Tag in einer Bar hin. Und im Bundesstaat Oaxaca ermordeten Unbekannte den Bürgermeister einer kleinen Gemeinde. Die Toten waren über das ganze Land verstreut. Vom Norden in Bundesstaat Sinaloa über die Hauptstadt Mexico City bis in den tiefen Süden. Der Wahnsinn ging auch in der Osterwoche weiter. 119 Tote zählten die Medien bis zum Mittwoch. In der traditionellen Hauptreisezeit versinkt Mexiko wieder in Gewalt.

Mit Macht wird der Horror des Drogenkriegs den Mexikanern in diesen Tagen zurück ins Bewusstsein gerufen. Über Monate schien es, als sei ein deutlicher Rückgang der Gewaltverbrechen zu verzeichnen. Das Thema war aus dem öffentlichen Diskurs fast verschwunden. Der neue Präsident Enrique Penã Nieto, der seit rund vier Monaten amtiert, schaffte es, Mexiko als aufstrebendes Land mit Zukunft zu präsentieren. Gleich zu Beginn legte er eine anspruchsvolle Reformagenda vor.

Der „Pakt für Mexiko“ sieht 95 Schritte zur Reformierung und Dynamisierung von Wirtschaft, Politik und Sozialbereich vor. Arbeitsplätze sollen geschaffen und die Wettbewerbsfähigkeit erhöht werden, und das Bruttoinlandsprodukt soll jedes Jahr um sechs Prozent wachsen. Peña Nieto will, dass Mexiko wieder mit Wachstum, Dynamik und Fortschritt verbunden wird. Und nicht mehr mit Mafia, Massakern und Massengräbern

Tatsächlich hat die Regierung erste kleine Erfolge gefeiert. Eine Bildungsreform ist in Kraft, eine Reform des Telekommunikationssektors auf dem Weg, mit der die Macht der großen Monopole gebrochen werden soll.

Aber beim Thema Drogenkrieg ist eigentlich nichts passiert. Das Ringen der Kartelle um Routen und Reviere für das Rauschgift ist zwar weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden, aber unterhalb der Schwelle der medialen Aufmerksamkeit wird weiter gemordet und gestorben. In den ersten drei Monaten der Amtszeit von Peña Nieto verloren rund 3200 Menschen im Zusammenhang mit der Drogengewalt ihr Leben. Das sind rund 35 am Tag - fast genauso viele wie unter Peña Nietos Vorgänger Felipe Calderón.

Zum Ende dessen sechsjähriger Amtszeit standen 70.000 Tote zu Buche und eine massive Zerstörung des sozialen Netzes in weiten Teilen Mexikos. Vor allem im Norden hat der Staat die Hoheitsgewalt in einigen Zonen längst an das Organisierte Verbrechen verloren. Kriminalitätsexperte Alejandro Hope fasst die Situation treffend zusammen: „Der Diskurs ist unter dem neuen Präsidenten ein anderer, aber die Realität ist die gleiche“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%