Drogenkrieg
Mexikos US-Grenze: Wo Tod und Teufel regieren

Auf der Grenze zwischen den USA und Mexiko regieren Gewalt und Chaos. Menschenhandel, Drogen- und Waffengeschäfte sind dort längst alltäglich. Nun will US-Präsident Barack Obama das Problem lösen - doch bisher greift auch er nur zu den alten Mitteln.

EL PASO/CIUDAD JUAREZ. Die Calle Vincente Guerrero nennen sie hier nur "El Camino del Diablo", Straße des Teufels. Hier, wo sich ein mieser Nachtclub an den nächsten reiht. Der Teufel trägt in Ciudad Juárez nicht Prada, sondern AK-47. In dem staubigen Nest ist der Teufel Massenmörder. Er ist auf Koks oder Amphetaminen und stürmt dann mit einer Handvoll Schergen in den "Club 16" oder ins "Papillon". Dann mäht er Mitglieder einer rivalisierenden Drogenbande nieder. Immer wieder. Zuletzt am 14. März. Ausnahmsweise blieben da nur zwei auf der Strecke.

Drei Kartelle schießen derzeit um die Alleinherrschaft, hier im amerikanisch-mexikanischen Grenzkaff. Das Juárez-Kartell, das Sinaloa-Kartell und das Golf-Kartell. Fast immer töten sie am "Diablo" oder in einer Querstraße wie der Calle Constitucion 119, wo der "Club 16" liegt.

"Schade, dass du nicht vor ein paar Tagen gekommen bist. Da hatten wir 20 bis 30 Morde am Tag." Aufrichtig bedauert der vierschrötige Mann unsere verspätete Ankunft. Er steht vor den feuerroten Eisenverschlägen des "Club 16". Er hat sich in Schale geworfen. Ein blütenweißes Ralph-Lauren-Polohemd, blaue Dockers-Jeans, italienische Sandalen. Aus dem Sonntagsstaat durchbohren misstrauische Augen ihr Gegenüber.

Und dann analysiert er den Kriegsschauplatz. "Unser größtes Problem ist die Polizei selbst", sagt der 28-Jährige. Er soll unser Fremdenführer sein. Das korrupte Zusammenspiel zwischen Milieu und Polizei kennt er. Als Preisboxer wurde er Anfang des Jahrzehnts reich, hatte an jedem Arm drei Mädchen, schniefte Koks, was die Nasenscheidewände hergaben, und durchzechte seine Nächte in den Puffs an der Brücke über den Rio Grande, die Grenze zu Amerika.

Bis alles futsch war. Nun verdingt er sich eben anderweitig. "Ein Glück, dass die Soldaten nun hier sind! Sofort haben 300 Bullen gekündigt", raunt er.

Drogenkrieg und Menschenhandel haben Anarchie gesät, hier an Amerikas Südgrenze. Die Regierungen in Washington und Mexiko-Stadt haben die Kontrolle verloren. Jahrelang beschuldigten sie einander gegenseitig, für die Rechtlosigkeit verantwortlich zu sein. Das Pentagon verglich Mexiko kürzlich gar mit Staaten wie Pakistan oder Afghanistan.

Nun hat US-Außenministerin Hillary Clinton beim Besuch in Mexiko erstmals eine Mitschuld eingeräumt: "Unsere unersättliche Nachfrage nach Drogen nährt den Drogenhandel. Unsere Unfähigkeit, den Waffenschmuggel über die Grenze zu unterbinden, führt zum Tod von Polizisten, Soldaten und Zivilisten."

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