Drohender Bürgerkrieg: Gewalt im Irak eskaliert

Drohender Bürgerkrieg
Gewalt im Irak eskaliert

Der Irak steht am Rande eines Bürgerkriegs. Nachdem Extremisten eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten in Trümmer legten, eskaliert die Gewalt. Moscheen stehen in Flammen, von Kugeln durchsiebte Leichen liegen am Straßenrand. Die blindwütige Rache macht auch vor Medienstars nicht halt.

HB BAGDAD. Innerhalb von 24 Stunden wurden bei zahlreichen Protesten mindestens 78 Menschen getötet. Die meisten davon waren Sunniten. Deren religiöse Vertreter lasteten die Gewalt in einer beispiellosen Kritik dem schiitischen Oberhaupt Ali al-Sistani an. Die Vergeltung der Schiiten für die Zerstörung der goldenen Moschee in Samarra dürfte sehr bald die Gegengewalt auf den Plan rufen.

Schiiten und Sunniten im Irak sind verfeindet. Mit mindestens 15 Millionen oder mehr als 60 Prozent sind die Schiiten die größte Gemeinschaft. Sie leben vorwiegend im mittleren und südlichen Teil des Landes. Nadschaf und Kerbela gehören zu ihren heiligen Stätten. Ein Drittel der meist im Norden des Irak lebenden Muslime bekennt sich zum sunnitischen Islam.

Die irakische Regierung weitete die Ausgangssperren im Land aus und versetzte ihre Sicherheitskräfte in höchste Alarmstufe, um das Land auf die dreitätige Staatstrauer vorzubereiten. Straßensperren schlossen ganze Stadtviertel von Bagdad weitgehend von der Außenwelt ab. Das Regierungsviertel und die größte sunnitische Moschee in der Stadt wurden weiträumig abgesperrt. Es gab nur noch wenig Verkehr und die meisten Geschäfte blieben zu. Auch wagten sich nur wenige Fußgänger auf die Straße. „Um ehrlich zu sein, es ist einfach zu gefährlich, um unterwegs zu sein. Überall könnte es einen Hinterhalt geben“, sagte ein sunnitischer Politiker.

Bei Ausschreitungen am Rande schiitischer Proteste gegen die Tat, hinter denen die Regierung und die USA sunnitische Rebellen mit Verbindungen zur Al-Kaida vermuten, waren offiziellen Angaben zufolge allein in Bagdad innerhalb von 24 Stunden 53 Menschen getötet worden. In Basra, der zweitgrößten und mehrheitlich schiitischen Stadt im Süden, starben demnach 25 Menschen.

Dabei war unklar, ob in diese Bilanz auch elf sunnitische Häftlinge aufgenommen worden waren, die in Basra in der Nacht von Männern in Polizeiuniformen aus ihrem Gefängnis verschleppt und später erschossen aufgefunden worden waren. Zudem wurden in der Nähe von Bagdad in einem Dorf mehr als 40 Leichen gefunden. Der Ort war wiederholt Schauplatz von Angriffen schiitischer Kämpfer auf Sunniten.

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