Drohender Fußball-EM-Boykott
Vorwürfe gegen die Ukraine setzen Uefa unter Druck

In sechs Wochen beginnt die Fußball-EM in Polen und der Ukraine. Doch die Regierung in Kiew steht wegen Menschenrechtsverletzungen unter Beschuss - weshalb jetzt auch die Uefa zunehmend in die Kritik gerät.
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BerlinDie Europäische Fußball-Union Uefa ist Veranstalter der Fußball-Europameisterschaft 2012 und somit Vertragspartner der Regierung der Ukraine. Doch was die Europäische Union und die Bundesregierung schon seit längerem beklagen, die Menschenrechtsverletzungen in dem Land, insbesondere den Umgang mit der früheren Regierungschefin Julia Timoschenko, schert den Fußball-Verband offenbar wenig. Jedenfalls hat sich Uefa-Präsident Michel Platini zu den politischen Missständen in der Ukraine bisher nicht geäußert. Und es ist auch nicht zu erwarten, dass er es noch tut. „Die Uefa ist keine politische Institution und wird nie eine sein. Dafür ist eine EM immer ein großes europäisches Festival, das Kontakte, den Austausch und Diskussionen auf allen Ebenen fördert“, bügelte Platini vor kurzem Kritik an seinem Schweigen ab.

Stattdessen überschüttet Platini lieber das EM-Co-Gastgeberland für seinen Vorbereitungen mit überschwänglichem Lob. „Es ist erstaunlich, was ein kleiner Fußball bewirken kann. Was man in der Ukraine geschafft  hat, ist einfach fantastisch“, sagte Platini. Der Franzose betonte, dass die moderne Infrastruktur der Ukraine dem Sport zu verdanken sei. „Ich bin sicher, dass die Atmosphäre in Lwiw traumhaft sein wird“, so Platini bei der Eröffnung des internationalen Terminals am Flughafen in Lwiw, das rund 2100 Passagiere pro Stunde abfertigen kann.

Die Lobhudelei bringt nun Platini selbst unter Druck. „Ich erwarte, dass auch die nationalen Fußballverbände und die UEFA im Umfeld der Europameisterschaft ihre  Verantwortung wahrnehmen und sich kritisch zur Situation in der Ukraine äußern“, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), Handelsblatt Online. Als Positivbeispiel nannte sie den Präsidenten des Deutschen Fußballbunds (DFB), Wolfgang Niersbach, der sich deutlich zu Fragen der Menschenrechte und der Unabhängigkeit von Justiz und Medien in der Ukraine geäußert hatte.

Niersbach verwies in eine Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" auch auf die Verantwortung der Uefa. „Selbstverständlich verfolgen auch wir beim DFB die Situation in den Ländern, in denen wir zu Gast sind“, sagte er und fügte hinzu, dass hier die Uefa als EM-Veranstalter erster Ansprechpartner sein müsse.

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Vorwürfe gegen die Ukraine setzen Uefa unter Druck

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Bundesregierung denkt über EM-Boykott nach

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Kommentare zu " Drohender Fußball-EM-Boykott: Vorwürfe gegen die Ukraine setzen Uefa unter Druck"

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  • Das wird ein Schaulaufen der "Korruptis" UEFA,Ukraine, und sonstige Oligarchen. Was kümmern uns die Menschenrechte.Deutschland muss Europameister werden.Das Sommermärchen geht weiter. Und wir Deppen laufen hinterher

  • Gut zu wissen, daß da jemand "anonym" schreibt. Danke der Weitsicht den Veränderungen in der freien Meinungsäußerung wegen. Die Gier frisst eben auch Hirn.

    Einfacher, Fernseher an diesen Tagen gänzlich ausschalten, Zeitung meiden. Schauen Sie sich dafür bei einem Spaziergang zur nächsten Jugendmannschaft ein Spiel an, da erleben Sie noch Herzblut. Leider gibts es auch hie und da schon mal einen €uro je Tor. Das macht die "stolze" Verwandtschaft schon mal mit. Auch hier, Gier frisst eben auch Hirn.

  • Gott sei Dank haben wir so viele Besserwisser um uns herum. Sie sollten vielleicht mal nicht immer nur jammern und mit dem Finger auf andere zeigen, sondern selbst auch aktiv werden, wenn Sie von einer Sache überzeugt sind. Wenn jemand überzeugt ist, dass dort was nicht richtig läuft und er etwas ändern will, dann soll er doch öffentlich Flagge zeigen. Dazu gibt es jede Menge Möglichkeiten. Aber so anonym den Gutmenschen zu spielen bringt nichts. Aber dieses "ach ist es nicht schrecklich" Spiel ist ja einfach und man muss auch keine Verantwortung dafür tragen. Schreiben Sie doch an die UEFA und an die Regierung, stehen Sie doch öffentlich zu Ihrer Meinung. Aber das anonyme rumgejammere ist feige.

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