Drohender Grexit
„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

Die deutsche Regierung wappnet sich mit konkretem Plan für den Grexit, der IWF stoppt die Gespräche: Athen läuft im Schuldensreit die Zeit davon. Bis zum 18. Juni muss eine Lösung her. Merkel gibt sich zweckoptimistisch.
  • 80

Washington/Athen/BerlinDie Bundesregierung bereitet sich laut einem Zeitungsbericht auf die Möglichkeit einer Staatspleite Griechenlands vor. Es gebe konkrete Beratungen, was im Falle einer Pleite Athens zu tun sei, berichtete die "Bild"-Zeitung am Freitag unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen.

Demnach sei unter anderem im Gespräch, bei einer Staatspleite Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland einzuführen. Der scheidende ifo-Chef Hans-Werner Sinn hate in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt" die Kapitalflucht jüngst als zentralen Bestandteil der Strategie der griechischen Regierung dargestellt. Außerdem werde ein Schuldenschnitt für das Euro-Land diskutiert.

Regierungsbeamte stünden darüber in einem engen Austausch auch mit Mitarbeitern der Europäischen Zentralbank (EZB), schrieb die Zeitung. Einen konkreten Plan, wie im Falle einer griechischen Staatspleite zu reagieren sei, habe die Bundesregierung allerdings nicht, hieß es demnach. Vieles müsse ad-hoc entschieden werden. „Auch die Kanzlerin weiß jetzt, dass die Zeit nicht mehr reichen wird", um Griechenland bis zum 30. Juni zu retten, sagte laut „Bild" ein hochrangiger Diplomat.

Die geht aber weiter von einer Lösung im Schuldenstreit aus, verbreitet zumindest Zweckoptimismus. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, bekräftigte die Kanzlerin am Freitag in Berlin auf einer Veranstaltung der Familienunternehmen. „Aber der Wille muss von allen Seiten kommen“, betonte Merkel zugleich. „Deshalb finde ich es auch richtig, dass wir immer und immer wieder miteinander sprechen.“

Auch ihr Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel setzt offenbar weiter auf eine Einigung zwischen Griechenland und den Gläubigern. „Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass die Vernunft sich durchsetzt“, sagte der SPD-Chef am Freitag in München auf der Jahresversammlung des Ifo Instituts. Ein Ausscheiden aus dem Euro wäre für das Land eine „mittlere Katastrophe“ und würde auch Europa tief erschüttern.

Nach Einschätzung der griechischen Regierung sei eine Einigung aber bis zur Tagung der Eurogruppe am kommenden Donnerstag möglich. „Es wird eine Einigung geben, weil eine Pleite Griechenland weder zugunsten von uns noch unseren Gläubigern wäre“, sagte der griechische Staatsminister Alekos Flambouraris am Freitag im Staatsfernsehen ERT. Flambouraris gilt als einer der engsten Berater des linken griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras.

Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland verhandelt seit Monaten mit seinen internationalen Kreditgebern über die Bedingungen, zu denen zurückgehaltene Hilfsgelder von 7,2 Milliarden Euro ausgezahlt werden sollen. Die Zeit ist nun knapp, weil das Hilfsprogramm für Athen Ende Juni ausläuft. Die EU gab der Athener Regierung am Donnerstag noch eine Woche, um mit den Gläubigern zu einer Einigung im Schuldenstreit zu kommen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte mehr Tempo: „Es zählt jetzt jeder Tag."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte am Morgen, die Gespräche werden deshalb rasch wieder aufgenommen. „Die Verhandlungen werden zunächst auf technischer Ebene wieder starten, dann auf politischer", sagte Juncker dem Radiosender France Culture. „Eine Vereinbarung in den kommenden Tagen ist notwendig. Der Ball liegt im griechischen Spielfeld."

Nach den Worten von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem kann Griechenland nur bei harten Reformen Hilfen bekennen. „Wenn die griechische Regierung die Tatsache nicht akzeptieren kann, dass es keine einfache Lösungen gibt und dass schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen, steht sie alleine da“, sagte Dijsselbloem der finnischen Tageszeitung „Helsingin Sanomat" (Freitagausgabe).

„Wir können Griechenland nicht helfen, wenn sich Griechenland nicht selbst helfen will.“ Eine politische Entscheidung über Hilfen sei jederzeit möglich, so lange sie glaubwürdig sei und die finanzielle Unabhängigkeit Griechenlands sichere.

Seite 1:

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

Seite 2:

„Wir haben genug geblutet, wir haben genug gezahlt“

Kommentare zu " Drohender Grexit: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

    Wo ist der Wille und Weg Merkel und EU- / Euromantiker endlich loszuwerden?

  • ... und der Metzger traegt die Hauptverantwortung dafuer, dass die Leute in Ihrem Dorf viel zu fett sind.

  • Ist es so einfach?
    Angeblich fließen pro Tag 300 Mio € aus den griechischen Banken ab, welche über Notkredite refinanziert werden. Macht bis Ende des Monats grob die benötigten 9Mrd. Wozu also noch eine Einigung?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%