Drohender Grexit

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

Die deutsche Regierung wappnet sich mit konkretem Plan für den Grexit, der IWF stoppt die Gespräche: Athen läuft im Schuldensreit die Zeit davon. Bis zum 18. Juni muss eine Lösung her. Merkel gibt sich zweckoptimistisch.
Update: 12.06.2015 - 11:55 Uhr 80 Kommentare

Merkel bereitet sich auf Grexit vor

Washington/Athen/BerlinDie Bundesregierung bereitet sich laut einem Zeitungsbericht auf die Möglichkeit einer Staatspleite Griechenlands vor. Es gebe konkrete Beratungen, was im Falle einer Pleite Athens zu tun sei, berichtete die "Bild"-Zeitung am Freitag unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen.

Demnach sei unter anderem im Gespräch, bei einer Staatspleite Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland einzuführen. Der scheidende ifo-Chef Hans-Werner Sinn hate in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt" die Kapitalflucht jüngst als zentralen Bestandteil der Strategie der griechischen Regierung dargestellt. Außerdem werde ein Schuldenschnitt für das Euro-Land diskutiert.

Regierungsbeamte stünden darüber in einem engen Austausch auch mit Mitarbeitern der Europäischen Zentralbank (EZB), schrieb die Zeitung. Einen konkreten Plan, wie im Falle einer griechischen Staatspleite zu reagieren sei, habe die Bundesregierung allerdings nicht, hieß es demnach. Vieles müsse ad-hoc entschieden werden. „Auch die Kanzlerin weiß jetzt, dass die Zeit nicht mehr reichen wird", um Griechenland bis zum 30. Juni zu retten, sagte laut „Bild" ein hochrangiger Diplomat.

Die geht aber weiter von einer Lösung im Schuldenstreit aus, verbreitet zumindest Zweckoptimismus. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, bekräftigte die Kanzlerin am Freitag in Berlin auf einer Veranstaltung der Familienunternehmen. „Aber der Wille muss von allen Seiten kommen“, betonte Merkel zugleich. „Deshalb finde ich es auch richtig, dass wir immer und immer wieder miteinander sprechen.“

Auch ihr Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel setzt offenbar weiter auf eine Einigung zwischen Griechenland und den Gläubigern. „Ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass die Vernunft sich durchsetzt“, sagte der SPD-Chef am Freitag in München auf der Jahresversammlung des Ifo Instituts. Ein Ausscheiden aus dem Euro wäre für das Land eine „mittlere Katastrophe“ und würde auch Europa tief erschüttern.

Nach Einschätzung der griechischen Regierung sei eine Einigung aber bis zur Tagung der Eurogruppe am kommenden Donnerstag möglich. „Es wird eine Einigung geben, weil eine Pleite Griechenland weder zugunsten von uns noch unseren Gläubigern wäre“, sagte der griechische Staatsminister Alekos Flambouraris am Freitag im Staatsfernsehen ERT. Flambouraris gilt als einer der engsten Berater des linken griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras.

Das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland verhandelt seit Monaten mit seinen internationalen Kreditgebern über die Bedingungen, zu denen zurückgehaltene Hilfsgelder von 7,2 Milliarden Euro ausgezahlt werden sollen. Die Zeit ist nun knapp, weil das Hilfsprogramm für Athen Ende Juni ausläuft. Die EU gab der Athener Regierung am Donnerstag noch eine Woche, um mit den Gläubigern zu einer Einigung im Schuldenstreit zu kommen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte mehr Tempo: „Es zählt jetzt jeder Tag."

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte am Morgen, die Gespräche werden deshalb rasch wieder aufgenommen. „Die Verhandlungen werden zunächst auf technischer Ebene wieder starten, dann auf politischer", sagte Juncker dem Radiosender France Culture. „Eine Vereinbarung in den kommenden Tagen ist notwendig. Der Ball liegt im griechischen Spielfeld."

Nach den Worten von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem kann Griechenland nur bei harten Reformen Hilfen bekennen. „Wenn die griechische Regierung die Tatsache nicht akzeptieren kann, dass es keine einfache Lösungen gibt und dass schwierige Entscheidungen getroffen werden müssen, steht sie alleine da“, sagte Dijsselbloem der finnischen Tageszeitung „Helsingin Sanomat" (Freitagausgabe).

„Wir können Griechenland nicht helfen, wenn sich Griechenland nicht selbst helfen will.“ Eine politische Entscheidung über Hilfen sei jederzeit möglich, so lange sie glaubwürdig sei und die finanzielle Unabhängigkeit Griechenlands sichere.

„Wir haben genug geblutet, wir haben genug gezahlt“
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80 Kommentare zu "Drohender Grexit: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“"

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  • „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

    Wo ist der Wille und Weg Merkel und EU- / Euromantiker endlich loszuwerden?

  • ... und der Metzger traegt die Hauptverantwortung dafuer, dass die Leute in Ihrem Dorf viel zu fett sind.

  • Ist es so einfach?
    Angeblich fließen pro Tag 300 Mio € aus den griechischen Banken ab, welche über Notkredite refinanziert werden. Macht bis Ende des Monats grob die benötigten 9Mrd. Wozu also noch eine Einigung?

  • ...aber Euro-besoffen, wie sie alle waren, beging unsere Politikerkaste einen Fehler nach dem anderen, weil alle von der gleichen Vision beherrscht waren. Dabei sagte doch schon Schmidt, dass Visionäre zum Arzt gehören.
    Auch im Rahmen der deutschen Einheit wurden fundamentale Fehler gemacht, die nun immer deutlicher zu Tage treten. Viele Rentner können sich über ihre mickrige Rente nur wundern. Dass sich Kohl kräftigst an den Rentenkassen bedient hat, wird nirgendwo thematisiert. Der Gipfel der Geschichte ist aber, dass die Mitbürger Ostdeutschlands durchschnittlich eine höhere Rente haben, als Wessis, obwohl die Ossis z.T. nie in dieses Rentensystem einbezahlt haben und noch heute niedrigere Bemessungsgrenzen haben, also niedrigere Rentenbeiträge einzahlen. Wenn die Politik so haarscharf an der Realitiät vorbei agiert, muss sich auch über die Früchte des Zorns nicht wundern...

  • „... in Form von Porsches und BMW-SUVs“
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    Hätten die Griechen diese PKWs nicht gekauft, hätten wir hier im Land geringere Handelsblianzüberschüsse und mehr Arbeitslose.
    Bitte immer mal beide Seiten der gleichen Medaille betrachten.
    Deutschland trägt an der heutigen Euro- und Staatsschuldenkrise eine große Mitverantwortung durch verfehlte Wirtschaftspolitik (siehe hohe deutsche Importdefizite!)

  • @Albers

    der "politische Schaden" ist durch die Blockparteien verursacht, die schon lange nicht mehr "zum Wohl des deutschen Volkes" entscheiden.

    Hätte man sich an die Verträge und an den gesunden Menschenverstand gehalten, wäre weniger "finanzieller" und "politischer" Schaden entstanden.

  • Im Fall Griechenlands hat annähernd die gesamte europäische Politikerkaste versagt. Aber von den mE Hauptschuldigen, nämlich Schröder und Fischer, spricht z.Zt. niemand. Mir klingt noch heute deren geflügeltes Wort von der Wiege Europas in den Ohren. Aber auch Merkel hat 2010 nicht die richtigen Entscheidungen getroffen, dabei funktioniert Marktwirtschaft fast wie Naturwissenschaften... Nur hatte sie mit Ackermann einen Berater an ihrer Seite, dem das Wohl der Banken eben näher lag, als das Wohl des Staates. Der hatte natürlich auch allen Grund dazu, denn er war für das Einschleusen dieser amerikanischen Hypothekenpakete in Europa mitverantwortlich. Es ist vollkommen egal, ob die Politik, die EZB oder die Banken gegen marktwirtschaftliche Regeln verstoßen, die katastrophalen Folgen werden garantiert nicht ausbleiben. Und genau so verhält es sich mit Griechenland: Sachverständige hatten schon damals vor dem Eintritt Griechenlands in den Euro-Raum gewarnt. Hätte man ein wenig sich mit der griechischen Geschichte befasst, dazu noch ein wenig Aufklärungsarbeit durch den BND in Anspruch genommen, dann wäre klar gewesen, dass Griechenland noch nie die Aufnahmekriterien erfüllt hat. Griechenland ist schon mehrfach Pleite gegangen und war des Öfteren Ursache europäischer Krisen. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich in Europa relativ viele Nationen gebildet haben, denn jedes Land tickt anders und die Griechen ticken überhaupt nicht...

  • „DER EURO und GRIECHENLAND schliessen sich gegenseitig aus.“
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    Ihre Aussage gilt aber nicht nur für Griechenland, es gibt 'zig andere EU-Mitgliedsstaaten, welche sich als Euromitglieder disqualifizieren.
    Der größte Fehler von Deutschlands damaligen verantwortlichen Politikern, Fl(T)op-Ökonomen und Wirtschaftsführern war die Aufgabe der D-Mark, die Bürger hat man ja nicht abstimmen lassen, die waren damals nämlich aus gutem Grund mehrheitlich dagegen, die eigene Währung für den (T)Euro aufzugeben. Das rächt sich jetzt alles bitterlich. Ärgerlich dabei ist, dass diejenigen, welche dieses Euro-Desaster zu verantworten haben, ihre Schäfchen schon längst in den sicheren vollversorgten Finanzhafen überführt haben, natürlich größtenteils zum Schaden und auf Kosten der Steuerzahler und abhängig Beschäftigten. Mich wundert eh, dass der „Michel“ schon so lange mitspielt und sich kontinuierlich weiterhin schamlos ausnehmen und gnadenlos abzocken lässt. Das grenzt schon an Masochismus, pure Obrigkeitshörigkeit und Selbstverleugnung, oder ist es die reine nackte Angst, die Dummheit und Gleichgültigkeit der breiten Masse, wieso diese sich weiterhin so ausnehmen und verarschen lässt?! Ich zitiere hier mal John Maynard Keynes: „Die Leute werden, wenn sie weniger verdienen, mehr arbeiten müssen, das Arbeitsangebot steigt“ (bei weiter absinkenden Löhnen und zunehmender Arbeitsbelastung). “Die Märkte können länger irrational sein als Sie zahlungsfähig!“

  • Wir sollten jedenfalls froh sein, dass die Griechen diese "Frei-Bier-für-Alle-Politiker" gewählt haben....mit den vorherigen "Ich-verspreche-alles-und-mache-gar-nichts-Politikern" wären die nächsten 10 Mrd. doch schon längst überwiesen....

  • Zitat: "Greeks bill paid".

    So ist es. Die Griechen, insbesondere der jetzige Finanzminister Varoufakis unterschlagen, dass zu Beginn der Währungsunion aufgrund der niedrigen Zinssätze die griechischen Banken jede Menge Konsumkredite an die Bevölkerung weitergereicht wurden und in Form von Porsches und BMW-SUVs und Bau von Swimming Pools investiert und nicht zum Aufbau eines funktionierenden Staatswesens verwendet. Es wurde in Griechenland erst ma "Party" gemacht. In Spanien flossen billige Kredite in den Immobilienboom.
    Ein Grossteil der griechischen Rettungsgelder ist also an ebenjene -meist griechische- Banken geflossen und hat dort die Konsumkredite refinanziert. Weiss man aber heute nix mehr von.

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