Drohender Schuldenkollaps
Allianz-Chefökonom warnt vor US-Dauerkrise

In den USA ist weiter keine Einigung im Haushaltsstreit in Sicht. Ökonomen in Deutschland hoffen auf eine rasche Lösung. Kommt die nicht, könnten etwaige Turbulenzen auch die deutsche Wirtschaft hart treffen.
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BerlinDie Haushaltkrise in den USA sorgt weltweit für Besorgnis. Die Weltwirtschaft könnte nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) durch den Streit um die US-Schuldengrenze Schaden nehmen. Sollte sich die Politik in Washington nicht auf eine Anhebung des Limits einigen, brächte das Probleme sowohl für die Wirtschaft in den USA als auch weltweit mit sich, mahnte IWF-Chefin Christine Lagarde. Es sei daher absolut notwendig, diese Frage schnellstmöglich zu klären. Der Chefvolkswirt der Allianz SE, Michael Heise, bestätigt die Angst. Schon jetzt sei der Haushaltsstreit „einer kontinuierlichen Erholung der US-Wirtschaft sicherlich nicht zuträglich“, sagte Heise Handelsblatt Online. Ein nur kurzer „Shutdown“ von beispielsweise einer Woche werde die Konjunktur wahrscheinlich nicht nachhaltig dämpfen. „Die Risiken steigen jedoch mit einem längeren politischen Stillstand und der noch kommenden Debatte um die Erhöhung der Verschuldungsgrenze“, warnt der Ökonom.

Auch ein Spitzentreffen zwischen Präsident Barack Obama und ranghohen Kongressabgeordneten brachte am Donnerstag keine Annäherung. Die Republikaner seien besessen von der Idee, die Einführung der Gesundheitsreform zu behindern, kritisierte Obama am Donnerstag. Dies scheine der einzige Punkt zu sein, der die Partei noch eine. Das Präsidialamt erklärte, die Abgeordneten müssten dafür sorgen, dass die Verwaltung wieder arbeiten könne. Vorher werde Obama mit den Republikanern weder über den Haushaltsnotstand noch über die Schuldengrenze verhandeln.

Der Ausgang des ersten Gesprächs dieser Art sorgte am Donnerstag für Nervosität an der Wall Street und erneut sinkende Kurse. Dabei rückt zunehmend der zweite, schwerwiegendere Streit über die Schuldengrenze in den Vordergrund. Sollten hier Demokraten und Republikaner keine Einigung erzielen, droht den USA Mitte Oktober die Zahlungsunfähigkeit.

Der Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier, fürchtet vor diesem Hintergrund Nachteile für die deutsche Wirtschaft. Wenn der US-Budgetstreit innerhalb von wenigen Tagen gelöst werde, würden für die deutschen Exporteure kaum negative Auswirkungen spürbar sein. „Wenn sich die Angelegenheit jedoch über mehrere Wochen hinziehen sollte, so werden auch die Geschäfte deutscher Unternehmen in den USA Schaden nehmen“, sagte Bielmeier Handelsblatt Online.

Für die deutsche Exportwirtschaft sei der US-Markt nach wie vor „von sehr großer Bedeutung“. In den letzten Jahren hätten die Ausfuhren in die USA sogar wieder überdurchschnittlich zugelegt und damit zur wirtschaftlichen Stabilität in Deutschland beigetragen.

Der Stillstand des Staatsbetriebs in den USA wirkt sich indessen zunehmend auf die Wirtschaft aus. Nachdem wegen des Etatstreits fast 800.000 Regierungsangestellte in den Zwangsurlaub geschickt worden waren, droht jetzt tausenden Industriearbeitern und externen Auftragnehmern ein ähnliches Schicksal. US-Präsident Barack Obama und amerikanische Top-Manager warnten vor schlimmen Folgen des politischen Konflikts. Eine Lösung deutete sich auch am Donnerstag, dem dritten Tag des „Government Shutdown“, nicht an.

Ein erstes Spitzengespräch des Präsidenten mit Führern der Republikaner und Demokraten im Kongress am Mittwochabend (Ortszeit) im Weißen Haus blieb ohne Ergebnis. Stattdessen hat sich der Streit noch ausgeweitet. Obama forderte die Opposition nach einem Bericht „New York Times“ auf, nicht nur einem Übergangsbudget zur Öffnung der Regierung zuzustimmen, sondern auch die Schuldengrenze der USA zu erhöhen. Erst dann sei er bereit, über andere Dinge zu verhandeln.

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  • Ich dachte immer,das solche politische Kapriolen, eigentlich den Italiener vorenthalten ist.
    Wie kann man eine Partei wählen, die gegen eine Krankenkasse für alle ist. Haben wohl mit Berlusconi telefoniert um zu erfahren, wie man das Volk verarscht.

  • @Ludwig500

    -Government-Shutdown-

    Also so ein Government-Abschuss ist doch eigentlich eine prima Sache. Sollten wir auch bei uns einführen.
    Stellen sie sich einen solchen Abschuss in Brüssel vor.
    Sämtliche korrupten Politbanditen und ihre Helfer würden ohne Bezahlung nach Hause geschickt. Die Korruption in der EUdSSR würde schlagartig zusammenbrechen. Dass das den Finanzoligarchen Sorgen macht kann ich natürlich verstehen.

    Ein Government-Abschuss in Deutschland wäre noch vorteilhafter.
    Man könnte sämtliche unnützen Beamtenhorden ohne Bezahlung nach Hause schicken. Die Staatsverschuldung würde rasch sinken.

    Government-Abschüsse als Dauereinrichtung könnten viele Probleme lösen.

  • Nanu, weltweit machen sich Ökonomen und Finanzoligarchen Sorgen. Sollten wir den Anfang vom Ende des Geldsystems gerade erleben? Hatte ich mir etwas spektakulärer vorgestellt. Nene, keine Panik, die magische Geldvermehrung stösst an ihre Grenzen, also wird nicht die Geldvermehrung infrage gestellt, sondern die Grenze verschoben. Ein paar mal geht das noch, die Sackgasse lässt noch ein paar Hundert Meter Vollgas zu. Aber dann wird´s knallen.

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