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29.08.2008 
Kaukasus-Krise

Drohkulisse: Russland setzt auf die Ölkarte

Russland erwägt angeblich eine Drosselung der Öl-Lieferungen nach Europa, sollte die EU Sanktionen wegen des Georgien-Konflikts verhängen. Unterdessen denken die USA darüber nach, Pläne für eine Zusammenarbeit mit Russland im zivilen Atombereich aufzugeben.

Arbeiter an der Ölpipeline Druschba. Foto: ap Lupe

Arbeiter an der Ölpipeline Druschba. Foto: ap

HB SINGAPUR. Die Regierung in Moskau habe mindestens einen der Ölkonzerne des Landes aufgefordert, sich auf eine Verringerung der Durchleitung ab Montag vorzubereiten, berichtete das britische Blatt "Daily Telegraph" am Freitag unter Berufung auf eine hochrangige Person aus der Branche. Es seien bereits Berichte im Umlauf, dass die Lieferungen nach Polen und Deutschland über die Pipeline Druschba eingeschränkt werden könnten und führende Vertreter des Lukoil-Konzerns darüber informiert worden seien.

Ein Vertreter des Unternehmens erklärte der Zeitung zufolge nichts von Plänen für eine Lieferkürzung zu wissen. Das russische Präsidialamt habe sich nicht dazu äußern wollen, berichtete das Blatt weiter. Die französische EU-Präsidentschaft hatte am Donnerstag erklärte, auf dem Georgien-Sondergipfel der Europäischen Union am Montag werde auch über Sanktionen gegen Russland beraten. Die EU und die USA haben Russland wegen seines militärischen Vorgehens gegen Georgien und der Annerkennung der abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien scharf kritisiert.

Pläne für Atom-Zusammenarbeit gefährdet

Die US-Regierung erwägt zudem, Pläne für eine Zusammenarbeit mit Russland im zivilen Atombereich aufzugeben. "Es gibt da noch nichts anzukündigen, aber ich weiß, dass das diskutiert wird", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, am Donnerstag in Washington. Russland und die USA hatten im Mai ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet, das aber noch vom US-Kongress gebilligt werden muss. Die Vereinbarung erlaubt unter anderem russischen und amerikanischen Firmen gemeinsame zivile Nuklearprojekte sowie den Verkauf von atomarem Material, Atommeilern und Reaktorteilen aus den USA an Russland.

Das Weiße Haus wies derweil Vorwürfe des russischen Regierungschefs Wladimir Putin scharf zurück, nach denen die USA den Kaukasus-Konflikt manipuliert hätten. "Anwürfe, die USA hätten ihn angefacht, sind völlig gegenstandslos und aberwitzig. So einfach ist das", sagte der stellvertretende Sprecher des US-Außenministeriums, Robert Wood. Moskau müsse die Besatzung Georgiens beenden und sich an die Waffenstillstandsvereinbarung vom 11. August halten, um den Konflikt zu beenden. Russland solle "aufhören, andere für die Aggression verantwortlich zu machen, die es gegenüber einem Nachbarland gezeigt hat", sagte der Sprecher weiter.

Putin hatte in einem Interview des US-Senders CNN gesagt, die Regierung von Präsident George W. Bush habe Georgiens Führung dazu ermuntert, die Region Südossetien anzugreifen. Dies sei geschehen, um einem US-Präsidentschaftskandidaten zu nützen. Putin nannte in dem Interview aber keinen Namen. Um das Amt des US-Präsidenten bewerben sich der Republikaner John McCain und für die Demokraten Barack Obama.

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