Drohung an Diplomaten
Nordkorea empfiehlt China Räumung der Botschaft

Nordkoreas Militär bereitet den Abschuss von Mittelstreckenraketen vor. Und die Regierung in Pjöngjang warnt vor Gefahren für Diplomaten im Land – selbst für chinesische. Doch die Diplomaten reagieren gelassen.
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Seoul/Washington/Berlin/Peking/TokioPjöngjang heizt die Konfrontation auf der koreanischen Halbinsel weiter an. Der kommunistische Staat, der zuletzt mit einem Angriff auf den Süden und die USA sowie einem Atomschlag drohte, legte am Freitag mehreren Ländern den Abzug ihrer Diplomaten aus der Hauptstadt Pjöngjang nahe. Betroffen ist neben Russland und Großbritannien unter anderen auch Deutschland, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr.

Am heutigen Samstag legte Nordkorea laut dpa-Informationen auch seinem Nachbarn China die Evakuierung seiner Botschaft in Pjöngjang nahe. Es gebe aber noch keine Entscheidung, wie sich die chinesische Regierung verhalten werde.

In der Empfehlung der nordkoreanischen Seite an die ausländischen Botschaften in Pjöngjang habe es geheißen, dass bis Mittwoch noch bei einer Evakuierung der Diplomaten geholfen werden können, aber dass danach keine Unterstützung erwartet werden könne. Von deutscher Seite ist nach dpa-Informationen noch keine Entscheidung gefällt worden, was mit den rund 20 Mitarbeitern vor Ort geschehen soll.

Die gegenwärtigen Drohungen seien „wesentlich schärfer“ als früher, aber blieben bisher auf verbale Attacken beschränkt. Eine konkrete Gefährdung deutscher Staatsangehöriger werde aber bisher nicht gesehen.

Bislang befolgten die ausländischen Diplomaten die Aufforderung zunächst nicht. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete unter Berufung auf diplomatische Kreise, die Erklärung des Nordens werde allgemein als Versuch gesehen, die Spannungen auf der Halbinsel weiter zu erhöhen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte die „klare und unmissverständliche Erwartung“, dass die nordkoreanische Führung ihrer Pflicht nachkommen müsse, „die Sicherheit und Arbeitsfähigkeit der diplomatischen Vertretungen vor Ort zu jedem Zeitpunkt“ zuverlässig zu garantieren.

„Bis auf weiteres ist die Arbeitsfähigkeit der Botschaft hergestellt“, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Samstag in Berlin. Die Sicherheit der Botschaft werde laufend überprüft. Zudem gebe es einen Abstimmungsprozess mit den internationalen Partnern, die ebenfalls Botschafter in Pjöngjang haben.

Zudem verlegte Nordkoreas Militär eine zweite Mittelstreckenrakete an die Ostküste des Landes, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Bereits am Vortag hatte das südkoreanische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass Nordkorea eine Mittelstreckenrakete an die Ostküste verlegt habe. Die Flugkörper haben eine Reichweite von bis zu 4.000 Kilometern und könnten Südkorea, Japan oder eine US-Militärbasis auf der Insel Guam im Pazifik treffen.

Inzwischen ziehen Washington und Tokio die Verlegung einer Aufklärungsdrohne nach Japan in Betracht. Das berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag unter Berufung auf Quellen in beiden Ländern. Die „Global Hawk“-Drohne ist ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug, das in großer Höhe operieren kann. Die Drohne solle auf einer US-Militärbasis in Japan stationiert werden.

Die USA schließen einen erneuten Raketenstart Nordkoreas nicht aus. Die Regierung verfolge Berichte über entsprechende Vorbereitungen in Nordkorea sehr genau. „Wir wären nicht überrascht, wenn wir eine solche Aktion sehen würden“, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Freitag vor Journalisten in Washington. Ein solcher Schritt würde zur derzeitigen kriegerischen Rhetorik des kommunistischen Regimes passen.

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USA bleiben gelassen

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Rückendeckung für Nordkorea aus dem Iran

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  • Liebe Kommetatoren.

    ist die Neujahresansprache von Kim Jong Un noch im Gedächtnis. An der Grenze steht eine Aufforderung seines Grossvaters, die die Wiedervereinigung Koreas als oberstes Ziel anmahnt. Unter welchen Voraussetzungen diese Wiedervereinigung statt finden soll kann jeder für sich entscheiden. Nach meiner Meinung ist das sicher nicht das, das wir uns hier im freien, demoktratischen Deutschland vorstellen.

  • @ Frank 3

    Hallo,Fanki Boy kann es sein das du einer von den freien Journalisten bist, die vor dem Verfassungsgericht klagen wollen, wegen fehlenden Vip Sitzen im NSU Gericht.

  • @ Frank3

    Ihre geistig wirren Kommentare liest doch niemand ...

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