Drohung an Italien
Merkel plädiert für „härteren“ Umgang mit Euro-Sündern

Trotz der Gipfel-Beschlüsse ist die Euro-Krise in den Augen der Bundeskanzlerin noch nicht gebannt. Europa müsse noch viele weitere Schritte gehen. Einige davon dürften den Regierungen in den Krisen-Länder nicht gefallen.
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DüsseldorfBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die Euro-Krise nach dem jüngsten EU-Gipfel noch nicht gebannt. In Brüssel hätten sich die Staats- und Regierungschefs auf Grundlagen für die nächsten Schritte verständigt, sagte Merkel am Donnerstag am Rande eines Treffens mit NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Berlin. „Ich glaube, dass wir noch viele Schritte gehen müssen“, fügte sie hinzu.

Mit Blick auf die hohe Verschuldung Italiens sagte sie, in der Vergangenheit sei mit Euro-Sündern „nicht hart genug“ umgegangen worden. Künftig muss Europa nach Auffassung der Kanzlerin vor allem in der Wirtschafts- und Finanzpolitik enger zusammen arbeiten.

Nicht äußern wollte sich Merkel, inwieweit es sinnvoll sei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis zur Etablierung eines permanenten Krisenmechanismus weiterhin Staatsanleihen von Wackelkandidaten kaufen kann. Die EZB sei unabhängig und für die Geldwertstabilität zuständig, da mache die EU keine Vorschriften, sagte sie wörtlich.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht in der italienischen Verschuldung eines der größten Probleme der Euro-Zone. Im ZDF räumte der Minister ein, dass neben Griechenland auch Italien Schwierigkeiten habe. Beide Länder dürfe man aber nicht vergleichen. „Italien hat eine Reihe von Problemen, aber niemand bezweifelt die Schuldentragfähigkeit Italiens“, sagte Schäuble.

Der Finanzminister verteidigte das Vorgehen bei der Lösung der Schuldenkrise. Ein vollständiger Ausfall der von Deutschland ausgestellten Euro-Garantien sei unrealistisch. Deutschland habe seinen Anteil am Rettungsschirm nur in voller Höhe zu zahlen, wenn es zu einem kompletten Ausfall aller Garantien komme, sagte der CDU-Politiker. „Soweit wird es nicht kommen“, fügte Schäuble hinzu. „Das ist eine Wahrscheinlichkeit, die liegt nahe Null.“

Laut einer Umfrage des Forschungsinstitus Infratest-dimap sind 76 Prozent der Deutschen mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung nicht einverstanden. Lediglich 20 Prozent seien zufrieden, ergab die Befragung für das ARD-„Morgenmagazin“.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Drohung an Italien: Merkel plädiert für „härteren“ Umgang mit Euro-Sündern"

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  • ich geben den perfekten Deutschen einen guten Rat. Sie sollen
    aus der Euro-Zone austreten und eine eigene germanisierte Eurozone.
    OJK ?

  • Nicht äußern wollte sich Merkel, inwieweit es sinnvoll sei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bis zur Etablierung eines permanenten Krisenmechanismus weiterhin Staatsanleihen von Wackelkandidaten kaufen kann....... Mit Blick auf die hohe Verschuldung Italiens sagte sie, in der Vergangenheit sei mit Euro-Sündern „nicht hart genug“ umgegangen worden
    . (Zitat)

    Die EZB sei unabhängig? - Die EZB hat jetzt einen
    italienischen Chef -davor einen französischen -
    und die EZB hat geradezu über ihre Machtbefugnisse geradezu die Geldwertstabilität erst in die Krise gebracht. Sicher kann Fr.Merkel der EZB keine Vorschriften machen - aber auch nicht mit solchen billigen Phrasen wie " mit Euro-Sündern nicht hart genug umgegangen worden keine Geldwertstabilität " herbeizaubern".
    Geschweige der EZB "Unabhängigkeit" anzutestieren.

    Laut einer Umfrage des Forschungsinstitus Infratest-dimap sind 76 Prozent der Deutschen mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung nicht einverstanden. Na- das werden täglich doch sicher noch mehr werden. Fr. Merkel schafft Deutschland zwar nicht ab - aber sie " verzockt" es nur.



  • Warum tönt die Merkel so gegen Italien ?
    Weil sie die Märkte von den großen Schwierigkeiten des
    deutschen Haushaltes ablenken will.
    Das selbsternannte Paradepferd Deutschland verletzt sämtliche Konvergenzkriterien aus den EU Verträgen. Neuverschuldung, Verschuldung zum BIP.

    Was soll also der Unsinn? Oder ist es ein Unterschied
    ob man mehr oder weniger schwanger ist ?

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