Druck auf Industriestaaten
Schwellenländer fordern Klimahilfen

Eine Woche vor dem Beginn des Weltklimagipfels in Kopenhagen haben die großen Entwicklungsländer ihren Kurs abgestimmt. China, Indien, Brasilien, Südafrika fordern von den Industriestaaten mehr Engagement. Daneben wollen die Commonwealth-Staaten in Kopenhagen ein "operativ bindendes Abkommen" erreichen.
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HB PEKING/PORT OF SPAIN. Bei dem überraschend anberaumten Treffen am Wochenende in Peking haben sich Regierungsvertreter aus China, Indien, Brasilien und Südafrika nach eigenen Angaben in mehreren wichtigen Punkten geeinigt. So sollten im Kampf gegen den Klimawandel die Industriestaaten finanzielle und technologische Hilfen leisten. Die bisher vorgelegten Schritte der reichen Länder seien zudem insgesamt nicht ausreichend. Das Treffen in Peking habe dazu gedient, das Vorgehen in Kopenhagen abzustimmen, um "ein positives, ehrgeiziges und gerechtes Ergebnis" zu erreichen, hieß es in der gemeinsamen Erklärung.

Bei den Gesprächen in Chinas Hauptstadt war auch eine Abordnung des Sudan anwesend, der derzeit den Vorsitz in der Gruppe der 77 Entwicklungsländer innehat. China, Indien und Brasilien gehören mit ihrem rasanten Wirtschaftwachstum weltweit zu den größten Klimasündern. Die Volksrepublik rangiert mittlerweile noch vor den USA auf Platz eins als größter Luftverschmutzer, Indien auf Rang vier. Vorige Woche hatte China als konkretes Ziel eine Reduzierung der Treibhausgase relativ zur Wirtschaftsleistung bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber 2005 genannt. Daraufhin hatte Indien angekündigt, ebenfalls "intensiv über die eigene Klimastrategie" nachdenken zu wollen.

Nach diesen Absichtserklärungen äußerten sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und der dänische Regierungschef Lars Lokke Rasmussen am Wochenende zuversichtlich, dass in Kopenhagen ein Abkommen zustande kommt. "Unser gemeinsames Ziel ist es, die Basis für einen rechtlich bindenden Vertrag so bald wie möglich im Jahr 2010 zu schaffen," sagte Ban auf einer Konferenz der Commonwealth-Staaten auf der Karibikinsel Trinidad und Tobago. Rasmussen forderte, in Kopenhagen müsse vor allem über Finanzhilfen für ärmere Länder beim Kampf gegen den Klimawandel gesprochen werden. Die 53 Commonwealth-Staaten verlangten bei ihrem Treffen ein "operativ bindendes" Abkommen. Die Länder, die ein Drittel der Weltbevölkerung repräsentieren, regten zudem die Gründung eines milliardenschweren Fonds an, um arme und besonders vom Klimawandel bedrohte Staaten zu unterstützen. Fast die Hälfte der Commonwealth-Mitglieder sind kleine Inselstaaten, die infolge der globalen Erwärmung von steigenden Meeresspiegeln bedroht sind.

Am Mittwoch hatten die USA erstmals einen eigenen Beitrag im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe in Aussicht gestellt. Dieser sieht eine Kürzung des Treibhausgasausstoßes im Jahr 2020 von etwa 17 Prozent gegenüber 2005 vor. Bis 2025 auf soll er auf 30 Prozent steigen. Die Konferenz von Kopenhagen soll die Grundlagen für ein Nachfolgeabkommen von Kyoto liefern, das 2012 ausläuft. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Teilnahme an dem Gipfel angekündigt.

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