Druck auf Nordkorea
Uno untersucht Menschenrechtsverletzungen

Bis zu 120.000 Menschen sitzen in nordkoreanischen Gefangenenlagern. Berichte von Menschenrechtsverletzungen, Folter und Mord häufen sich. Lange hat die Uno das Thema ignoriert, nun werden die Vereinten Nationen aktiv.
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SeoulSystematische Vergewaltigungen, Folter und Mord - es sind erschütternde Schilderungen, die nordkoreanische Überläufer bei einer Anhörung der Vereinten Nationen in Seoul diese Woche zu Protokoll gegeben haben. Zugleich zeigen die Aussagen schmerzlich, wie erfolglos die Bemühungen der Vereinten Nationen in den vergangenen Jahren geblieben sind, Nordkorea zu einer würdigeren Behandlung seiner Bürger zu bewegen. Denn das Thema ist lange bekannt.

Doch es gibt neue Hoffnung. Denn nun haben die Vereinten Nationen eine offizielle Untersuchungskommission eingesetzt, die Beweise für Menschenrechtsverletzungen sammeln und die Verantwortlichen klar benennen soll.

Die Empfehlungen der Kommission werden an die Vereinten Nationen und andere internationale Einrichtungen weitergeleitet und könnten so Konsequenzen für Nordkorea haben - zusätzlich zu den bereits verhängten Sanktionen wegen des Atom- und Raketenprogramms des Landes.

Ob ein weiteres Anziehen der Daumenschrauben bei Pjöngjang einen positiven Effekt haben wird, ist offen. Doch für die Überläufer, die zunehmend frustriert sind über das Versagen der Vereinten Nationen und die Ignoranz der internationalen Gemeinschaft, ist es zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

„Ihr seid die einzige Hoffnung, diese Menschen zu retten“, sagte Ahn Myung Chul vor der dreiköpfigen Uno-Kommission. Er war in den 90er Jahren Wachmann und Fahrer in mehreren Internierungslagern, bevor er sich absetzte.

Nordkorea bestreitet die Existenz solcher Lager - ebenso wie die von den Überläufern detailliert geschilderten Übergriffe. Auf eine Einladung zur Teilnahme an der Kommission reagierte das Land ebenso wenig wie auf die Bitte des Gremiums um einen Besuch in Nordkorea. So muss sich das Gremium bei seinen Befragungen auf die Aussagen jener stützen, die behaupten, in den Lagern gewesen zu sein.

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  • Stimmt schon, ganz NK ist einen Art Gulag, und jeder Vergleich mit DDR etc. ist natürlich eine massive Verharmlosung. Was "Roland", ich selbst und die Südkoreaner anekelt, ist doch nur, dass die USA - jetzt mit dem Vehikel UNO - auf dem Rücken der Gulag-Opfer ihre eigennützige Propaganda durchziehen. Denen geht es doch sonst auch nicht um Menschenrechte. Und im Falle Koreas geht es ihnen eindeutig um Rüstungsexporte sowie den letzten geostrategischen Fuß in der Tür Ostasiens. Da stört jede Form von Annäherung oder gar die drohende Wiedervereinigung. Davon abgesehen, haben Sanktionen und propagandistische Anklage gegen eine Diktatur noch nie etwas bewirkt. Das dürften die gerissenen Strategen beim CIA auch wissen.

  • Die nordkoreanische Monarchie wird von der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung unterstützt. Warum ist das so ? Einmal ist Korea seit Urzeiten Monarchie gewesen - hier hat sich für die Nordkoreaner also nichts geändert. Und durch die jahrhundertelange konfuzianistische Prägung ist die Unterordnung unter eine Führung für die meisten Menschen normal.
    Wir im aufgeklärten Westen sind ja auch nicht viel weiter. Man braucht sich nur einmal die Massenbegeisterung bei einem Event mit irgendwelchen Royals anzuschauen.

  • @Roland,

    es sollte wohl richtiger heißen, dass hier der größte Teil der Bevölkerung in einem Gulag, das sich Nordkorea nennt, einsitzt. Die Gefangenenlager sind da nur die Spitze des Eisbergs. Hat man ja 1989 gesehen wie einem totalitärem System die Leute weglaufen, wenn sie die Möglichkeit bekommen. Glaubst Du wirklich die Menschen dort würden diese Zustände hinnehmen wenn sie die Möglichkeit hätten mal über den Tellerrand zu schauen und Freizügigkeit genießen würden? Nee, die sind genauso eingesperrt wie die Leute in den Gefangenenlagern.

    Es ist beschämend wie ignorant die internationale Gemeinschaft dieses Thema seit Jahrzehnten behandelt und eine Clique ein ganzes Land als ihr persönliches Eigentum behandelt. Die Feudalzeit lässt grüßen.

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