Druck auf Oligarchen
Putin verspricht Deutschen „jede Hilfe“

Bei der Suche nach einem Weg aus der Wirtschaftskrise zieht Russlands Führung alle Register: Premier Putin versprach bei einem Empfang hochrangigen deutschen Managern, ihre Arbeit vorbehaltlos zu unterstützen. Gleichzeitig trommelte Präsident Medwedjew 30 russische Oligarchen im Kreml zusammen, um sie für die Diversifizierung der rohstofflastigen Wirtschaft in die Pflicht zu nehmen.

MOSKAU. "So wie bislang können wir nicht weitermachen", warnte Medwedjew: Wenn Russland nicht bald auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig werde, "dann kommt die nächste Krise, bei der wir einige der hier repräsentierten Unternehmen zu Grabe tragen müssen".

Was für die Oligarchen wie eine Drohung klingt, ist für die Vertreter der deutschen Wirtschaft ein wohlklingendes Versprechen. Sie hoffen auf Modernisierung, Diversifizierung und Liberalisierung. Klaus Mangold, Vorsitzender des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, bekräftigte, dass deutsche Unternehmen "unter bestimmten Voraussetzungen" beim geplanten Privatisierungsprogramm der Regierung partizipieren wollen. Dabei solle auch der Mittelstand eine wichtige Rolle spielen. Die russische Seite habe ausgesprochen "positiv" auf die deutschen Vorschläge reagiert. Man sei überein gekommen, sehr bald einzelne Projekte gemeinsam umzusetzen, sagte Mangold. Die Regierung plant, mittelfristig mehr als 5 000 Firmen zu privatisieren. Medwedjew will zudem die Zahl der Staatsholdings begrenzen.

Zum Treffen mit Putin waren unter anderem Daimler-Chef Dieter Zetsche, Siemens-CEO Peter Löscher und Metro-Vorstand Eckhard Cordes angereist. Auch Eon Ruhrgas, Deutsche Bahn, Fraport, Metro, Volkswagen und Commerzbank waren hochrangig vertreten. Zuvor hatten sich die deutschen Konzernchefs mit russischen Kollegen wie Rusal-Eigentümer Oleg Deripaska und Sberbank-Chef German Gref getroffen.

Der bilaterale Handel, der 2008 mit über 60 Mrd. Euro ein Rekordniveau erreicht hatte, leidet unter der globalen Wirtschaftskrise. Doch hob Putin hervor, dass die deutschen Direktinvestitionen in den ersten vier Monaten dieses Jahren um 36 Prozent gestiegen seien.

Neben den Verbesserungen der allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geht es den Unternehmen um konkrete Projekte. So will Daimler zwei neue Joint Venture zur Fertigung von Getrieben und Fahrerkabinen mit dem LKW-Hersteller Kamaz vereinbaren. Bereits seit 2008 halten die Stuttgarter einen zehnprozentigen Anteil an Russlands größten LKW-Bauer, der künftig mehrheitlich zur russischen Staatsholding Rostechnologij gehören soll.

Siemens hofft nach Aussage von CEO Löscher, in den "kommenden Monaten" das geplante Gemeinschaftsunternehmen mit dem staatlichen russischen Nuklearkonzern Rosatom unter Dach und Fach zu bekommen. Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz locken "Projekte auf der grünen Wiese". Im Blick hat er generell Chancen im Anlagegeschäft aber auch die Fertigung von Autoteilen. Das könnte Volkswagen-Vorstand Detlef Wittig freuen, der ebenfalls bei der Runde mit dem Premier war. VW hatte in dieser Woche zwar in Kaluga bei Moskau in Anwesenheit von Putin die erste Vollfertigung von PKW gestartet, die Wolfsburger kämpfen jedoch mit der schlechten Qualität der lokalen Zulieferer. Moskau verlangt, dass die ausländischen Autobauer ein Drittel ihrer Komponenten für die Fertigung von lokalen Herstellern beziehen, wenn sie Steuervorteile in Anspruch nehmen wollen. Von den Schwierigkeiten, mit denen deutsche Investoren in Russland zu kämpfen haben, berichtete der Baustoffhersteller Dyckerhoff: Die Wiesbadener müssen nach Aussage von CEO Wolfgang Bauer einen hohen Millionenbetrag in Euro bezahlen, um eine neue Zementfabrik an das Stromnetz anschließen zu können.

Obwohl das Interesse an Russland ungebrochen hoch ist, beklagen hinter vorgehaltener Hand viele deutscher Unternehmer die große Diskrepanz zwischen Ankündigungen der Regierung und der Praxis: So nähmen die Probleme mit dem Zoll immer mehr zu.n von Teilnehmern des Treffens mit Putin, das über ein ausgiebiges spätes Frühstück mehr als drei Stunden andauerte, verlief das Gespräch ungewohnt gut und offen. Man habe viele Probleme vorbringen können. Anders als bei anderen Zusammenkünften, die in der Vergangenheit ohne Medienpräsenz über die Bühne gingen, sei der Regierungschef auch "weniger aggressiv" aufgetreten.

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