Dschaafari will Verantwortung in befriedeten Provinzen übernehmen
Iraks Ministerpräsident plädiert für Teilrückzug der Truppen

Iraks Ministerpräsident Ibrahim el Dschaafari hat erstmals einen Teilrückzug der von den USA geführten Streitkräfte aus seinem Land vorgeschlagen.

ap/mzi/bac BAGDAD. Die ausländischen Truppen könnten in einzelnen Städten die Verantwortung an die irakischen Sicherheitskräfte übergeben, sagte Dschaafari am Dienstag bei einem Treffen mit dem stellvertretenden US-Außenminister Robert Zoellick in Bagdad. Zugleich sprach sich der irakische Premier aber gegen einen Zeitplan für einen vollständigen Abzug der alliierten Truppen aus.

In vielen der 18 irakischen Provinzen sei die Lage inzwischen so sicher, dass die Iraker die dortigen Städte kontrollieren könnten, sagte Dschaafari. Als erster Schritt solle „mit dem Abzug der multinationalen Truppen aus den Städten an Orte außerhalb der Städte“ begonnen werden.

In einem jüngst bekannt gewordenen Memorandum der britischen Regierung heißt es, die USA hielten einen Abzug ihrer insgesamt mehr als 170 000 Soldaten aus 14 der 18 Provinzen Anfang nächsten Jahres für möglich. Dann könne das Kontingent auf 66 000 Soldaten verringert werden. Die Zahl der britischen Truppen solle von 8 500 auf 3 000 reduziert werden. Das US-Verteidigungsministerium hat sich bislang nicht zu einem möglichen Teilrückzug geäußert. Klar ist allerdings, dass die amerikanischen Truppen angesichts der Dauerbelastung am Golf an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Außerdem hat das Pentagon zunehmend Probleme, genügend Soldaten zu rekrutieren.

Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin sagte, Dschaafari gehe es mit seinem Vorschlag um mehr Legitimität. „Es gibt große Unzufriedenheit im irakischen Parlament mit der Dominanz der USA.“ Dies betreffe gerade den Verteidigungssektor. Unklar sei jedoch, ob die Iraker die Sicherheitslücke tatsächlich schließen könnten.

Bei einer neuen Anschlagserie kamen am Dienstag in der nordirakischen Stadt Kirkuk und in Bagdad mehrere Menschen ums Leben. Seit dem Einmarsch der US-geführten Truppen starben nach einer Studie des Genfer Hochschulinstituts etwa 39 000 Iraker durch Kämpfe oder Waffengewalt.

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