Dschihadisten-Vormarsch in Nordsyrien Kurden droht in Kobane der Häuserkampf gegen den IS

Die Alliierten scheinen nahezu ohnmächtig gegenüber dem Vormarsch des Islamischen Staats in Syrien. Die Türkei sieht die Bedrohung vor ihrer Haustür mit großer Sorge. Forderungen nach einer Intervention werden lauter.
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Für die Kurden wird die Lage an der türkisch-syrischen Grenze immer bedrohlicher: Der Islamische Staat rückt auf die Stadt Kobane vor. Türkische Kurden demonstrieren hier für schnelle Hilfe. Quelle: ap

Für die Kurden wird die Lage an der türkisch-syrischen Grenze immer bedrohlicher: Der Islamische Staat rückt auf die Stadt Kobane vor. Türkische Kurden demonstrieren hier für schnelle Hilfe.

(Foto: ap)

Beirut/ KobaneObwohl die USA und ihre Alliierten erneut Stellungen der Dschihadisten der Gruppierung Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien aus der Luft angreifen, haben diese ihren Vormarsch auf die syrische Stadt Ain al-Arab – auch als Kobane bekannt – an der Grenze zur Türkei fortgesetzt. Der IS dringe im Südosten und Westen weiter vor und die Lage habe sich zugespitzt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am frühen Donnerstag mit. Die Sorge sei groß, dass die Dschihadisten schon bald in die Stadt eindringen werden. Sie seien zwei Kilometer oder weniger von Kobane entfernt, sagte der Chef der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman.

Die Kurden hätten sich aus Gebieten im Westen der Stadt zurückziehen müssen. Die Situation dort sei „sehr gefährlich“. Die kurdischen Volksschutzeinheiten bereiteten sich jetzt auf Straßenschlachten vor, da der IS nun den Ring um die Stadt immer enger ziehe, während die Organisation rund 300 Dörfer im Umland von Kobane bereits kontrolliert. Insgesamt beherrschen die Extremisten im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Sollte sie Kobane einnehmen, würde sie auch weite Teile der rund 900 Kilometer langen türkisch-syrischen Grenze lenken.

Die Beobachtungsstelle, die der Opposition gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad nahe steht, sprach von den heftigsten Kämpfen seit Beginn der IS-Offensive auf die Grenzstadt vor rund zwei Wochen. Den tausenden mit modernsten Waffen und mit Panzern ausgerüsteten Dschihadisten stehen nur wenige hundert schlecht ausgerüstete kurdische Kämpfer entgegen. Ob die 32 Peschmergakämpfer, die momentan in der Infanterieschule der Bundeswehr im bayerischen Hammelburg im Umgang mit der Panzerabwehrwaffe „Milan“ geschult werden, an dieser Machtasymmetrie etwas ändern können, erscheint fraglich.

Die Rolle der Türkei in dem Konflikt bleibt indes weiter offen: Im Laufe des Tages wird das türkische Parlament darüber entscheiden, ob die Armee zu einem Eingreifen in Syrien und im Irak und somit zu einem Beitrag zur internationalen Allianz gegen IS ermächtigt werden soll. Der Regierung des Nato-Mitglieds soll erlaubt werden, über den Zeitpunkt, die Dauer und das Ausmaß militärischer Operationen in den Nachbarländern zu entscheiden, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Ankara werde auch dazu befugt, über die Anwesenheit ausländischer Truppen in der Türkei zu entscheiden. Die Erlaubnis gelte für ein Jahr.

Da die regierende AKP unter dem ehemaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan eine große Mehrheit hat, wird erwartet, dass die Zustimmung steht. Bisher gab sich die Türkei im Vorgehen gegen den IS jedoch eher zögerlich, dafür wurde die Regierung in Ankara zuletzt wiederholt kritisiert worden.

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8 Kommentare zu "Dschihadisten-Vormarsch in Nordsyrien: Kurden droht in Kobane der Häuserkampf gegen den IS"

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  • Westwelt erntet Fruechte ihrer unverantwortlichen Syrienpolitik
    Fuer den Syrienkrieg wurden viele Aufstaendische vom Westen trainiert,bewaffnet,finanziert,unterstuetzt mit Sanktionen gegen das legitime SyrienAssadRegime,mit Patriotraketen i/d Tuerkei beschuetzt.Viele Isiskaempfer tragen noch ihre schutzsicheren Westen ,geschenkt v Westerwelle.Jetzt hat Gruppe ISIS die
    Ueberhand bekommen,nachdem viele Aufstaendische anderer Gruppen+europaeische Freiwillige ihr zugeflossen waren.Jetzt wird Terror verbreitet ueber mehrere NahOstLaender.Europa kommt spaeter dran.Der Syrienplan in USA entworfen,ueber Nato an die EU-NatoMinister verordnet,kostet EU viele Milliarden von Euros,bringt umheimlich viel Leid+Menschenrechtsverletzungen in den betroffenen Laendern.Der EU-NobelFriedenspreis sollte zurueckgefordert werden+die EU-NatoMinister sofort entlassen.Nato in eine EU-Organisation veraendert,ohne Agressors wie USA,m.a.W. den Brandstifter ausschalten dann gibt es auch keine Braende mehr

  • »…oder eben immer die verdienten Watschen bekommen (Vietnam, Korea).«
    Die Reihe lässt sich fortsetzen: Irak, Afghanistan…

  • Waffe fassen und ab in die erste Reihe!

  • Es geht doch nicht um Effizienz.
    Es geht um's Geschäääft, denn schließlich sind die USA nichtmal ein Land, sondern nur ein Business.

    Und es geht auch nicht um Terrorbekämpfung, denn sonst hätte USrael IS ja nicht selbst aufgebaut.

    Seit 25 Jahren wird ein islamisches Land nach dem anderen überfallen, zerbombt, terrorisiert. Es ist das Natürlichste der Welt, daß dort, wo Unrecht verbreitet wird, sich Widerstand bildet. Dieser Widerstand wird natürlich nicht von Feiglingen getragen, sondern immer zuerst von Idealisten und Radikalen.
    Wenn man den Deutschen ihre Geschichte nicht in ein Lügenmärchen umgeschrieben hätte, so würden gerade wir das verstehen: denn die geplante ewige Verksklavung und Ausbeutung Deutschland nach dem ersten Weltkrieg - zufällig durch die selben Mächte - hatte den Aufstieg der Kommunisten und Nationalsozialisten zur Folge.

    Es geht also im Nahen Osten keinswegs um die Beseitigung von Problemen, sondern um das Schüren von Konflikten - das Ziel ist ein neuerlicher Großkrieg, am besten ein Weltkrieg, denn das plutokratische Geldsystem, das ein Pyramidensystem ist, braucht exponentielles Wachstum, sonst kollabiert es.

    Und die Israeliten lassen seit Jahrzehnten ebenfalls nichts unversucht, daß die Region in Schutt und Asche gelegt wird.

  • Das Problem ist, daß man dafür RICHTIGE Soldaten braucht. Mit Bomben schmeissen, Mami immer um Hilfe anfunken, sobald eine Feindstellung vermutet wird, ist da nix!
    Da heißt es mit der Waffe in der Hand das Land in Besitz nehmen.

    Und dazu ist die Nord-Atlantische-Terror-Organisation natürlich nicht fähig.

    War sie noch nie. Hat immer nur entweder jahrelang vorher ausgehungerte Armeen überfallen, oder eben immer die verdienten Watschen bekommen (Vietnam, Korea).

    Die USA sind ein Papptiger und die Glaubenskämpfer der IS wünschen sich vermutlich nichts sehnlicher, als den Söldnern der Weltteroristen Auge in Auge entgegenzutreten.

  • Ich halte einen Krieg gegen IS für legitim und frage mich immer: Wo bleibt die Verantwortung der muslimischen Welt für das IS-Gemetzel? Ich höre und lese nur wenig Distanz, von Verantwortung ganz zu schweigen....

  • Das wäre doch jetzt eine günstige Gelegenheit für einen ganz großen NATO-Einsatz, nachdem der Putsch in der Ukraine lediglich verdeckt vonstatten geht. Die Beistandsklausel für den NATO-Partner Türkei würde den Einsatz legitimieren, falls Krieg überhaupt legitim ist. Aber die Türkei würde einen enorm hohen Preis bezahlen und die Kurden bekämen ihre lang ersehnte Autonomie, siehe Ex-Jugoslawien.

  • Die Effizienz der US Luftangriffe entsprechen letztendlich eher einem Eigentor, großes Trara, viel Geld verknallt, und die ISIS sind auf dem Vormarsch.
    Es sieht eher so aus, als wenn die Amis die ISIS nicht wehtun wollen, deshalb nur ein bisschen ankratzen.

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