„Dschungel von Calais“ Migranten protestieren mit zugenähten Mündern gegen Räumung

Seit Tagen versuchen französische Behörden, das wilde Flüchtlingslager in Calais zu räumen. Die Migranten wehren sich gegen die Auflösung – und fordern mit zugenähten Mündern die Einhaltung von Menschenrechten.
„Warum hört ihr nicht auf uns?“ Für den Protest hat sich ein iranischer Flüchtling die Lippen zugenäht. Quelle: Reuters
Gegen die Räumung

„Warum hört ihr nicht auf uns?“ Für den Protest hat sich ein iranischer Flüchtling die Lippen zugenäht.

(Foto: Reuters)

CalaisMehrere iranische Migranten haben im Flüchtlingslager von Calais erneut mit zugenähten Mündern gegen den Abriss von Teilen der Baracken-Siedlung protestiert. Die Männer hielten am Freitag Schilder mit Aufschriften „Stoppt die Polizei“ und „Wo sind die Menschenrechte?“ hoch. Sie wehren sich gegen die laufende Räumung des südlichen Teils des Camps, das wegen der prekären Lebensbedingungen als „Dschungel von Calais“ bekannt ist.

Die Behörden hatten nach dem grünen Licht eines Verwaltungsgerichts am Montag mit der Teilräumung begonnen, am Anfang kam es dabei auch zu Zusammenstößen. Am Mittwoch hatten sich erstmals Männer als Zeichen des Protests die Münder zugenäht. Die Präfektur hatte daraufhin erklärt, solche extremen Schritte seien nicht gerechtfertigt.

Die Schlammwüste von Dunkerque
Frankreich - aber doch nicht Frankreich
1 von 13

Das Flüchtlingslager Grande-Synthe in Frankreich ist eine einzige Schlammwüste.

Im Lager
2 von 13

Die Menschen leben in dünnen Zelten, Pritschen gibt es nicht.

Regen und Schlamm
3 von 13

Viele Flüchtlinge weichen der Calais-Route aus. Sie stranden nun in der Schlammwüste von Grande-Synthe. Denn die französischen Behörden wollen einen Teil des Flüchtlingslagers von Calais räumen. Die Flüchtlinge müssten den südlichen Abschnitt des Lagers verlassen, der von der Fläche her rund die Hälfte des Gebiets ausmacht, sagte die zuständige Präfektin Fabienne Buccio am Freitag. Den 800 bis 1000 dort in Zelten lebenden Flüchtlingen sollten Unterkünfte angeboten werden.

Flüchtlinge wechseln die Route
4 von 13

Im Flüchtlingslager von Grande-Synthe stranden derzeit hunderte Migranten. Die Zustände im Lager sind katastrophal. Die Menschen hausen in einfachen Zelten. Kinder wärmen sich zwischen Müll und Schlamm an offenen Feuern.

Katastrophale Zustände
5 von 13

Seit Wochen hat der Regen den Boden zwischen den wild durcheinanderstehenden Zelten aufweichen lassen.

Werbebanner
6 von 13

Auf dem Gelände sollte eigentlich eine ökologisch vorbildliche Neubausiedlung entstehen. Das Schild, das ein „Öko-Quartier“ ankündigt, wirkt wie blanker Hohn.

Angespannte Stimmung
7 von 13

Die Männer sind zum Nichtstun verdammt – Langeweile macht sich im Camp breit. Verschiedene Schlepperbanden sollen das Lager in drei Zonen aufgeteilt haben. Laut Polizei gibt es immer wieder Revierkämpfe.

Nach Angaben der Behörden sind 800 bis 1000 Menschen von der Räumung betroffen, Hilfsorganisationen vermuten aber deutlich mehr Menschen in dem Bereich. Der Staat hat versprochen, sie in Zentren im ganzen Land unterzubringen – viele wollen allerdings nicht aus Calais weg. In der nordfranzösischen Hafenstadt sammeln sich seit Jahren Migranten, die illegal nach Großbritannien gelangen wollen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%