Dubai
Der Fall der Glitzerstadt

Fast zwei Jahrzehnte lang kannte Dubai nur eine Richtung: nach oben, höher hinaus, schneller als alle. Der Burj Khalifa ist das Sinnbild dieser Gigantomanie – mit 828 Metern reckt er sich weiter als jedes andere Hochhaus der Welt in den Himmel. Doch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise setzte der Glitzermetropole am Golf schlimmer zu als allen anderen Großstädten.
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Der Burj Khalifa ist das Sinnbild dieser Gigantomanie – mit 828 Metern reckt er sich weiter als jedes andere Hochhaus der Welt in den Himmel. Doch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise setzte der Glitzermetropole am Golf schlimmer zu als allen anderen Großstädten: Rangierte Dubai vor der Krise noch auf Platz zwei aller Metropolen im „Global Metro Monitor“-Ranking, so ist es heute auf Platz 149 abgestürzt – nur noch einen Platz vor dem krisengeschüttelten Schlusslicht Dublin.

Seit die Immobilienblase am Golf platzte und die staatliche Dubai Holding zwischen Zahlungsunfähigkeit und Umschuldung taumelt, gehen die Mieten und Hauspreise, aber auch die Einwohnerzahl und das Einkommen drastisch zurück. Vor der Krise war die Zahl der Einwohner Dubais auf fast zwei Millionen geklettert, seither hat aber jeder Zehnte das Emirat enttäuscht verlassen.

Staunend hatte die Welt zugeschaut, wie die Stadt sich im Aufschwung neu erfand. Sie baute Wolkenkratzer und künstliche Inseln, erweiterte ihren Flughafen zu einem der größten Drehkreuze der Welt und eröffnete eine U-Bahn. Doch jetzt stehen die Baukräne still und viele Baustellen sind verlassen. Der Plan, das Dubai International Financial Centre zu einem der weltweit führenden Finanzplätze zu machen, ist vorerst zerstoben.

Am sichtbarsten wird der Abwärtstrend durch den Namen des höchsten Wolkenkratzers der Welt: Eigentlich sollte er Burj Dubai heißen, doch seit der Rettung des Glitzer-Emirats durch die großen Brüder aus Abu Dhabi trägt er den Namen Burj Khalifa – nach Scheich Khalifa bin Said-al Nahjan, dem Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate. Nur 72 der 900 Appartements im Turm konnten die Bauherren seit der Eröffnung vor elf Monaten verkaufen.

Aufgegeben hat die Stadt aber lange nicht: Mohamed Alabbar, Chef des Bauriesen Emaar und damit Entwickler des 800 Millionen Dollar teuren Burj Khalifa, sagte am Dienstag: „Dubai wird niemals aufgeben, Risiken einzugehen.“ Die Stadt will ihre niedrigen Steuern verteidigen und Ausländern den Kauf von Anteilen an Unternehmen erleichtern. So will sie neue Einwohner anlocken. Ins Erdgeschoss des Burj Khalifa ließ der Emir von Dubai folgenden Spruch eingravieren: „Das Wort 'unmöglich' gibt es bei uns nicht“.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Dubai: Der Fall der Glitzerstadt"

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  • Hallo barbara

    Auch ich lebe seit fast 10 Jahren hier. Aber wenn ich dann von einem "insider" lesen muss das die Mieten nicht fallen, dann fasse ich mir echt an den Kopf.
    ich wohne in Mirdif. Seit 4 Jahren, Mietpreis seit dem 40% runter. Discoery Gardens, minus 30% seit 3 Jahren. Nicht zu vergessen inernational City, The Greens oder Garhoud.
    Ueberall, auch auf the Palm bekommst du Villen. Zwar ist dort der Preisverfall nicht so hoch, aber auch dort seit 2 Jahren ueber 20% gefallen.
    ich bin ganz froh das die "Lokals"mal einen auf den Sa.. bekommen. Leider haben die bis heute nicht viel gelernt und sehen keinen Grund von ihrer Herablassenden Art abzukommen.

  • Der Artikel enthält die reine Wahrheit. Als langjähriger besucher von Dubai habe ich den Aufstieg der Stadt miterleben können. Mit Geld von ausländischen investoren ist leicht zu bauen. Die hunderten Milliarden sind ganz einfach in den Sand gesetzt. bei versprochenen Zinsen von 15% wurde das Geld geliehen. Nun kann man nicht einmal die Zinsen zahlen. Kein Wunder, wenn die zusammengeschusterten Häuser unverkaufbar sind bzw. schon vorher zusammenbrechen. Mit billigarbeitern läßt sich auch keine Qualität erreichen, nur Sklaverei. Wenn sie die Stadtentwicklung einmal kritisch betrachten, liebe barbara werden auch Sie die Wahrheit finden. ich kann jedem nur von einem Urlaub in Dubai abraten, der ist einfach nur gefährlich. Schnell föllt einem ein Haus auf den Kopf und man kriegt es nicht wieder herunter...

  • Liebe Redaktion!

    ich weiss wirklich nicht welche Quellen/informationen Sie fuer ihre "Recherchen" und Artikel verwendet haben aber langsam bin ich es Leid ueber den durch die Deutsche Presse kuenstlich "erzeugten" Verfall des Emirates Dubai zu lesen.
    Seit 6 Jahren leben wir bereits in Dubai und sind wie viele hier seit langem lebenden Deutschen entsetzt und veraergert ueber die falsch recherchierten berichte!
    Vielleicht sollten Sie als eine der fuehrenden Pressequellen in Deutschland fure ihre zukunftigen Dubai-berichte jemandem fragen, der den Alltag hier lebt? Alleine die Aussage die Preise der Haeuser sind drastisch gefallen muss ich direkt revidieren! Die Mietpreise fallen gar nicht!!! Man hat sehr grosse Schwierigkeiten eine schoene Villa in einer guten Wohngegend zu finden, die bezahlbar ist und wo man nicht 1-2 Checks hinlegen muss! Die Preise liegen Durschnittlich bei 45.000 Eur ohne Maklerkosten, ohne weiter Nebenkosten! Wo sollen die Preise also gefallen sein?? Natuerlich stehen viele Villen frei, aber nur weil die besitzer es nach wie vor nicht noetig haben die zum guenstigen Preis zu vermieten!!!
    Natuerlich gibt es Probleme in Dubai und nicht alles laeuft reibungslos-auch wir haben die ueblichen Alltagsprobleme, z.b. in der Schule, wo viele Nationalitaeten unter einem Dach funktionieren-aber es wird zumindest versucht eine Loesung zu finden. Wo haben wir das bitte in Deutschland? Aus eigenen schlimmen Erfahrungen ueber Jahre in Deutschland, weiss ich das da die Probleme nicht mal ansatzweise angepackt werden-sogar totgeschwiegen werden! Man darf ja nichts gegen die tatsachlichen Probleme berichten...
    Vielleicht sollten sich die Redaktuere ihrer Zeitung mit den etlichen Problemen in Deutschland befassen und nicht Dubai durch den "Dreck" ziehen. immerhin gibt es bei uns kaum Kriminalitaet, keine Gefahr fuer unsere Kinder und blonde Frauen-komisch-in einem arabischen Land!!! Und um nochmal auf die unvermieteten Appartaments in burj Khalifa zu kommen-die sollten ja nicht verschleudert werden...es ist ein Welt einziges Prestigeobjekt der Moderne und es soll ja ein sorgsam ausgewaehltes Publikum genau Dieses bewohnen...Keine Gastarbeiter! Aber selbst das ist in Deutschland undenkbar-es wuerde ja gleich einer Art Diskriminierung zum Opfer fallen!
    Ebenfalls kann ich bestaetigen, dass sehr viele der baustellen stillstehen-natuerlich aergert es uns hier vor Ort, dass es nicht weiter geht! Aber wenn man sich die Dauer der bauvorhaben in Deutschland ansieht-aktuell Stuttgart 21-um nur ein beispiel zu nennen-muss man ehrlich genug sein und sagen, dass selbst, wenn hier in Dubai 1 Jahr alles still stehen sollte oder tut-wir niemals nur annaehernd der Dauer in unserer Heimat kommen.
    ich mochte Sie also hoeflichst bitten in Zukunft nur berichte ueber Dubai zu veroeffentlichen, die tatsachlich von Redaktueren verfasst werden, die ueber ausgewiesenen Erfahrung -nicht nur ein 2 woechiges Urlaub oder eine Dienstreise-mit dem fantastischen Emirat verfuegen, in dem man auch als Deutscher-unter zig Nationalitaeten sehr gut leben kann!
    Gerne stehe ich ihnen fuer zukunftige berichte als qualifiziertet Ansprechpartner zur Verfuegung und natuerlich bin ich auch gern gewillt ueber die tatsachlichen Probleme vor Ort zu berichten, das teure Leben hier, Alltagssorgen-sobald die nicht auf irgendwelche unwichtigen Statistiken oder schlechten Recherchen basieren.
    Viele Gruesse in das winterliche Deutschland
    barbara

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