Dürre

Äthiopien droht Hungersnot

Eine Dürre sorgt in Teilen von Äthiopien für katastrophale Zustände. Die internationale Gemeinschaft hat bereits Hilfe zugesagt. Das Problem: Vom versprochenen Geld ist bislang nicht einmal die Hälfte angekommen.
Äthiopien leidet unter einer extremen Dürre. Quelle: dpa
Armut und Hunger

Äthiopien leidet unter einer extremen Dürre.

(Foto: dpa)

DubtiDie Menschen in den Dürreregionen Äthiopiens haben kaum noch Hoffnung. Ernten sind ausgefallen, Vieh ist verhungert und verdurstet. Und auch die Menschen hungern, das Land bat deshalb bereits um internationale Hilfe. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon reiste gerade persönlich ins Dürregebiet von Ziway-Dugda, wo er in der Stadt Ogolcho am Sonntag mit Bauern und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen zusammentraf.

Von der Dürre besonders betroffen ist auch der Raum Dubti in der Region Afar. Das Gebiet ist ohnehin heiß und wasserarm, nun trocknet auch der Fluss dort langsam aus. Manche Beobachter befürchten, dass bald auch Kinder sterben. „Mein Kind ist so schwer unterernährt, dass es nicht einmal mehr an meiner Brust trinken konnte“, sagt Fatuma Hussein. Die 30-Jährige verbrachte zwei Monate in einer Klinik, um ihr Kind behandeln zu lassen.

Mitarbeiter der Klinik sagen, der Zustand des Kindes sei ernst, weil die Mutter zu Hause kein Essen mehr habe und die für ihren geschwächten Sohn bestimmte angereicherte Nahrung mit den älteren Kindern geteilt habe. „Sie haben mich gebeten, in der Klinik zu bleiben, bis sich der Zustand meines Sohnes gebessert hat. Aber das kann ich nicht. Wenn ich hier bleibe, stirbt der Rest meiner Kinder. Wenn Allah entscheidet, sein Leben zu nehmen, dann sei es so.“

Wie ein El Niño die Rohstoffmärkte durcheinanderwirbelt
Entstehung
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Es beginnt im pazifischen Ozean. Wenn sich zur Weihnachtszeit durch kräftige Passatwinde der Ostpazifik vor Südamerika erwärmt und zeitgleich die Wassertemperatur vor Australien und Indonesien absinkt, kommt es zu dramatischen Verschiebungen im Weltklima. Die Strömungen des Ozeans ändern sich – und mit ihnen das Wetter in vielen Regionen der Erde. Meteorologen rechnen in diesem Jahr mit dem schwersten El Niño seit der Aufzeichnung dieses Phänomens im Jahr 1950. Schon der El Niño von 1997/98 galt als folgenschwerste in 100 Jahren. Die Bilanz: Massive Ernteausfälle, 33 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) Schaden weltweit und 23.000 Todesfälle durch Katastrophen. Zu allem Überfluss fiel in den 1990er Jahren die Dürre auch noch mit der Finanzkrise in Asien zusammen.

Fischsterben in Südamerika
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Die Tierwelt ist dem El Niño – der ein natürliches Klimaphänomen ist – hilflos ausgesetzt. Das durch die Erwärmung des Meereswasser begünstigte Absterben des Planktons vor der peruanischen Küste führt zu einem Massensterben von Fischen, Seevögeln und Korallen. Vor allem die Fischereiindustrie rund um Peru hat mit dem Wetterphänomen zu kämpfen.

Ernteausfälle in Afrika
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Zeitgleich leiden zahlreiche Länder in Südostasien, Australien und Südamerika unter Trockenperioden. Ernteausfälle und Waldbrände sind oftmals die Folge der extremen Dürre. Eine Hiobsbotschaft ist El Niño aber vor allem für die Tropenwälder. „Die Gefahr ist groß, dass ab September, Oktober unkontrollierte Megabrände Millionen Hektar Naturwald auf Sumatra und Borneo vernichten, wie 1983 oder 1997/98“, sagt der Cifor-Landschaftsökologe David Gaveau. Damals gingen schätzungsweise fünf Millionen Hektar Wald in Flammen auf – eine Fläche größer als die gesamte Schweiz.

Monsunartiger am Horn von Afrika
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Am Horn von Afrika und im Westen Südamerikas hingegen kämpfen die Menschen mit massiven Regenfällen und Überschwemmungen. Weil die Auswirkungen oft in der Weihnachtszeit bemerkt wurden, wurde das Phänomen El Niño getauft, Spanisch für „das (Christ)kind“. Das umgekehrte Wetterphänomen heißt La Niña.

Ausfälle bei Reis und Zuckerrohr
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In Indien müssen die Bauern mit Trockenheit rechnen. Diese wirkt sich besonders auf die Reis- und Zuckerohr-Ernteerträge aus. Die Philippiner, erst 2013 von dem gewaltigen Taifun „Haiyan“ mit mehr als 7000 Toten getroffen, müssten sich in diesem Jahr auf noch gewaltigere und unberechenbarere Taifune als sonst einstellen, warnt die nationale Wetterbehörde Pagasa. „Wir rechnen mit einem Einbruch der Reisernte um 43 Prozent“, sagt der Vize-Chef des thailändischen Büros für Agrarökonomie, Kanit Likhitvidhayavuth.

In Australien wird der Weizen knapp
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In Australien wird ebenfalls mit einer Dürre gerechnet. Besonders betroffen davon wird aller Voraussicht nach die Weizenernte sein. Die Sorge vor Ernteausfällen haben den Weizenpreis bereits Anfang Juli satte 18 Prozent in die Höhe getrieben.

Minenbau in Indonesien wird durch Wasserknappheit erschwert
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Fehlende Regenfälle dürften auch in Indonesien für Verwerfungen sorgen. Minenarbeiten dürften wegen der Wasserarmut deutlich schwerer werden. Die Ernteerträge der Bauern könnten ebenfalls sinken. Der riesige Inselstaat Indonesien, mehr als 5000 Kilometer in Ostwestausdehnung entlang des Äquators, rechnet mit dem Schlimmsten. „Die Regierung geht davon aus, dass 200.000 Hektar Felder ausdörren und ein bis zwei Millionen Tonnen weniger Reis geerntet werden“, sagt Herry Purnomo vom Waldforschungszentrum (Cifor). „Das ist optimistisch, wir rechnen mit doppelt so hohen Schäden.“ 1997/98 lag der Ernteausfall bei 3,5 Millionen Tonnen Getreide.

Die äthiopische Regierung und Hilfsorganisationen machen das Wetterphänomen El Niño für die Dürre verantwortlich, die die Lebensmittelversorgung für mehr als zehn Millionen Menschen in Frage stellt. Schätzungen zufolge dürfte es in dem Land bald mindestens 400 000 Fälle von schwerer Unterernährung bei Kindern unter fünf Jahren geben. Weniger als die Hälfte der 1,4 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro), die laut UN für dringende Nahrungsmittelhilfen nötig sind, gingen bislang ein. Hilfsorganisationen sagen, die Nachfrage nach Unterstützung andernorts wie etwa wegen des Konflikts in Syrien - bedeute, dass Äthiopien weniger Aufmerksamkeit erhalte.

Ernteerträge wegen El Niño um bis zu 90 Prozent zurückgegangen
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