Dürre in Mali, Mauretanien und Burkina Faso
Auch Nigers Nachbarländern droht Hungersnot

Die Hungersnot in Westafrika breitet sich auf die Nachbarländer Nigers aus. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) droht auch in Mali eine Katastrophe. „Die Lage in Mali ist zwar noch nicht so dramatisch wie in Niger, aber sie spitzt sich rapide zu“, sagte WFP-Sprecher Simon Pluess in Genf.

jdh/sha GENF/DÜSSELDORF. Die Situation verschlechtert sich ebenfalls in Burkina Faso: Laut der Partnerorganisation der deutschen Welthungerhilfe fällt die Dürre in dem bettelarmen Land dieses Jahr besonders drastisch aus. Und in Mauretanien fraßen laut Uno Heuschrecken die Ernte für rund ein Viertel der Bevölkerung.

WFP-Mitarbeiter Pluess sagte, dass in Mali etwa 2,2 Millionen Menschen von Hunger bedroht seien. Die Heuschrecken und eine Dürre versetzten der Landwirtschaft einen Doppelschlag: Die Agrarproduktion brach um 42 Prozent ein. „Zudem ist das Interesse internationaler Spender an Mali äußerst dürftig“, klagt Pluess. Das WFP braucht für seine Mali-Hilfsoperation 7,4 Mill. Dollar. Bislang haben Regierungen und andere Spender aber erst 820 000 Dollar überwiesen „Dabei haben wir bereist im November 2004 die Alarmglocke geläutet“, sagt Pluess.

Um in Zukunft besser und schneller auf humanitäre Krisen reagieren zu können, fordert der Uno-Koordinator für humanitäre Hilfe Jan Egeland jetzt einen Uno-Notfonds. Der Fonds müsste aber nach jeder Krise wieder aufgefüllt werden. Die britische Organisation Oxfam schlägt vor, eine Milliarde Dollar für unvorhergesehene Notfälle bereitzustellen. Vertreter von Uno-Agenturen stehen einem Fonds aufgeschlossen gegenüber. „Allerdings muss das Projekt total transparent sein. Misswirtschaft in einem Fonds würde die Opfer der Katastrophen am härtesten treffen“, sagt ein Uno-Angestellter. Zudem befürchtet so manch er Rivalitäten zwischen den Helfern, sobald es um die Zuteilung der Gelder geht.

Für Niger hingegen geht inzwischen die Hilfe großzügig ein. Laut den letzten offiziellen Uno-Zahlen waren bis Ende voriger Woche ein Großteil der benötigten Gelder zugesagt oder bereits verbucht. Auch private Hilfeorganisationen wie die Welthungerhilfe verbuchen jetzt täglich Tausende Euro. Die Krisenmanager nennen das den „CNN-Effekt“. Diesmal waren es die Bilder einer BBC-Reporterin, die in Niger mit abgemagerten Müttern sprach, die ihren hungernden Kindern nur trockene Blätter geben konnten.

Die Dürre ließ aber schon in den vergangenen fünf Jahren die Hirse- und Maisernten kärglich ausfallen. Zudem fielen Heuschrecken über die letzte Ernte im Herbst 2004 her. In einem armen Sahelland, das außer Landwirtschaft kaum Einnahmequellen hat, sind die Reserven schnell verzehrt. "Wenn wir hier erst die Hungerbäuche sehen, dann ist es aber zu spät. Je länger man wartet, desto aufwendiger wird die Hilfe“, sagte Marion Aberle, Sprecherin der Welthungerhilfe. Die medizinische Behandlung sei jetzt langwierig.

Uno-Koordinator Egeland bringt die Lage auf den Punkt: „Hätte die Welt früher reagiert, hätte der Kampf um die Menschenleben wesentlich weniger Geld und Anstrengungen gekostet. Jetzt stehen wir vor einer Mammutaufgabe.“

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