Düstere IWF-Einschätzung
Griechenland oder das Kardiogramm eines Toten

In der Zitterpartie um eine Rettung Griechenlands vor der Pleite ist eine Lösung noch immer nicht in Sicht. Der IWF zeigte sich höchst unzufrieden mit den bisherigen Sparbemühungen und richtete harte Worte an Athen.
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Athen/BerlinGriechenland steht nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Pleite bevor, wenn es nicht den Verkauf von Staatsbesitz vorantreibt. Mit harten Worten warnte der ständige IWF-Vertreter in Griechenland, Bob Traa, am Montag in Vouliagmeni vor weiteren Versäumnissen. Ein wichtiges Telefonat zwischen Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos und den Troika-Experten wurde auf den Abend verschoben.

„Das Bild sieht aus wie das Kardiogramm eines Toten, nichts bewegt sich“, sagte Traa auf einem Symposium in Vouliagmeni nahe Athen mit Blick auf die Fortschritte des hochverschuldeten Landes. Die vereinbarten Privatisierungen in Höhe von 50 Milliarden Euro bis 2015 liegen demnach hinter dem Zeitplan, weil die griechischen Politiker uneins über die Abwicklung seien.

„Wenn Ihr weiter wartet, wird das Land zahlungsunfähig werden“, stellte Traa klar. Zudem werde so der Preis für die Staatsbeteiligungen weiter sinken. Der IWF-Vertreter mahnte zudem eine Reform der Steuerverwaltung an. Er warnte zugleich aber davor, immer höhere Steuern zu erheben. Nach einer Reform des Systems der Steuereintreibung könnten Steuern sogar gesenkt werden.

Die harte Kritik des IWF-Vertreters ist keine gute Nachricht für Venizelos, der ebenfalls an der Diskussion in Vouliagmeni teilnahm und dort versicherte: „Wir wollen Ergebnisse, es muss Ergebnisse geben.“ Weiteres Zögern sei nicht möglich. Venizelos forderte juristische Hilfe der EU. Ein wichtiges Telefonat des griechischen Ministers mit den Chefs der sogenannten Troika aus IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) über die Fortschritte Athens wurde vom Nachmittag auf den frühen Abend verschoben.  Venizelos dann mit den Experten den Sparplan Punkt für Punkt durchgehen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann forderte, den Druck aufrechtzuerhalten und eine Staatspleite nicht von vornherein auszuschließen.

An den Märkten macht sich wegen der Hellas-Krise immer größere Nervosität breit: Viele Anleger kehrten dem Euro den Rücken. Gleichzeitig nahmen die Spekulationen auf einen Zahlungsausfall Griechenlands und anderer hoch verschuldeter Staaten wieder zu. Wegen der zugespitzten Lage hatte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Samstag seine USA-Reise in letzer Minute abgesagt. Ein Treffen der EU-Finanzminister am Wochenende hatte keine neuen Impulse zur Lösung der Krise gebracht.

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  • @proLinks

    Ist ihnen klar, dass sie die DDR beschreiben (bloß größer)?

    Alle Systeme in denen Faulheit und Korruption gefördert werden, werden scheitern wie die DDR und die EUdSSR ist gerade dabei die Fehler der UdSSR und DDR zu machen.

  • So ähnlich machens auch die Chinesen! Nur mit dem Unterschied, dass das Geld gleich wieder in die Wirtschaft investiert wird und nicht zum Kauf von Ami-Anleihen.
    Macht irgendwie Sinn!!!

  • ...
    8. Einführung einer Wertpapiertransaktionssteuer bzw. eine ernsthafte Prüfung der Umsetzbarkeit einer solchen Steuer
    9. Stärkere Regulierung von europäischen Banken; das Konzept der Universalbanken soll aufgegeben werden
    10. Erarbeitung von Effizienzvorgaben für die öffentlichen Verwaltungen der EU-Staaten
    11. Mechanismen entwickeln bzw. Regelungen einführen, die eine praktische Zah-lungsunfähigkeit der EZB verhindern sollen
    12. Gründung von europäischen Ratingagenturen; diese sind der EZB-Aufsicht unterzuordnen

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