Duma-Wahl am Sonntag
Einiges Russland auf allen Kanälen

Am Sieg der Kreml-Partei Einiges Russland zweifelt schon lange niemand mehr. Die Frage ist lediglich, wie hoch der Triumph für die Partei und ihren Spitzenkandidaten Wladimir Putin bei der Duma-Wahl ausfällt. Einen Dämpfer könnten die Bürger dem amtierenden Präsidenten durch ihr Fernbleiben von den Urnen verpassen. Denn viele sind genervt.

HB JEKATERINBURG. Umfragen prognostizieren einen Stimmenanteil von bis zu 80 Prozent für die Kreml-Partei. Doch viele sind genervt vom aufdringlichen Wahlkampf der Partei. „Es ging eher um einen Personenkult als um kluge Wahlkampftaktik“, sagt der 40-jährige Viktor Ischukow, der für ein staatliches Energieunternehmen in Jekaterinburg arbeitet. Keiner seiner Bekannten unterstütze Putin, und viele seien durch die Art des Wahlkampfs zusätzlich abgeschreckt worden. „Alle sind es leid, Einiges Russland ist überall: in deiner Mailbox, im Fernsehen, im Radio“, klagt Ischukow.

Dabei ist die Duma-Wahl auf den Straßen von Jekaterinburg, mit 1,5 Mill. Einwohner viertgrößte Stadt Russlands, längst nicht so allgegenwärtig wie andernorts. Nur einige Plakatwände werben für die Kreml-freundliche Parteien.

Zwei Aktivisten der liberalen Jabloko-Partei verteilen an einer belebten Straße Flugblätter. Die Opposition habe es in den vergangenen Wochen nicht leicht gehabt, sagt Jabloko-Sprecher Andrej Chatschaturow. Parteizeitungen seien beschlagnahmt und die Wähler seien gezielt für Putin mobilisiert worden. Die Universitäten hätten Lehrveranstaltungen auf Sonntag gelegt, damit sie sichergehen könnten, dass alle Studenten auch zur Stimmabgabe erscheinen. „Sie wollen dem nächsten Parlament Legitimität verleihen, weil es aller Voraussicht nach keine liberale Opposition geben wird“, sagt Chatschaturow.

Slawa Boschkow, ein Mitglied der Bürgerrechtsgruppierung Bewegung gegen Gewalt, erzählt, dass seine Mutter einst Anhängerin der Partei Geeintes Russland gewesen sei. Doch dann kam der 1. Oktober, der Tag, an dem Putin auf dem Parteikongress ankündigte, als Spitzenkandidat bei der Duma-Wahl anzutreten. Seine Mutter habe von einem Rückfall in die Zeiten des Sowjetkommunismus gesprochen, sagt Boschkow.

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