Duma-Wahl
Ein Urnengang nach Drehbuch

Die Putin-Partei wird sich bei der Wahl am kommenden Sonntag wohl mit einer Mehrheit durchsetzen. Dabei sind auch viele Russen mittlerweile die Mätzchen von Premierminister Putin leid.
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MoskauEine Woche vor den Duma-Wahlen unterlief der Strategieabteilung des Kremls ein Betriebsunfall: Im Kaukasus-Land Süd-Ossetien, das neben Russland nur ein paar Bananenrepubliken als Staat anerkennen, sollte ein Parlament gewählt werden. Anstelle des von Moskau unterstützten Apparatschiks gewann Anna Dschiojewa die Wahl - eine Oppositionelle, obendrein eine Frau. Ein Gericht erklärte das Ergebnis für ungültig, bestimmte Neuwahlen und schloss die Politikerin vom Urnengang aus. Seitdem kommt es in den Bergen zu Straßenprotesten, sogar Schüsse fielen.

Bei Wladimir Putin kommen solche Lagen nur in schlimmen Alpträumen vor. "Bunte Revolutionen" infolge von Ungereimtheiten bei den Wahlen - so wie Ende 2004 in der Ukraine - sind für den 59-jährigen Ex-Spion auf Wahlmanipulationen "einiger fremder Mächte" zurückzuführen, wie er kürzlich dozierte. Das Ausland bezahle Oppositionelle, um stabile und legitime politische Regime aus den Fugen zu reißen.

In Russland können sich fremde Mächte derlei Einflussversuche aber sparen, verspricht Putin, dessen Partei "Einiges Russland" am Sonntag ihre Duma-Majorität verteidigen soll. Statt Oppositionelle zu finanzieren, solle das Ausland lieber Schulden zurückzahlen. Sein Russland verkauft der Langzeit-Herrscher, der im März für weitere sechs Jahre ins Präsidentenamt gewählt werden will, als Hort der Stabilität.

Womit Putin Recht hat - zumindest auf kurze Sicht. Russland labt sich an einem Wirtschaftswachstum von vier Prozent, die Löhne steigen, die Inflation ist halbwegs im Griff, die Ölquellen sprudeln.

Indem er Rentnern die Pensionen erhöht und sich intellektuellen Gruppen patriotisch als starker Mann inszeniert, der sein Land in eine erfolgreiche Zukunft führt, wird am Sonntag wohl die Duma-Mehrheit an die "Einheitsrussen" gehen.

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Kommentare zu " Duma-Wahl: Ein Urnengang nach Drehbuch"

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  • wenn man genauer auf das bild schaut erkennt man das Putin im wasser steht, denn wenn er im Butterfly stil schwimmen wuerde, muesste sein koerper flacher im wasser zu sehen sein.

  • Putin hat in den Jahren seiner Amtszeit als Präsident und Regierungsschef weniger für Stabilität sondern eher für Stillstand und Erstarrung gesorgt. Zu den mehrfach angekündigten Reformen kam es bislang nicht. Es sieht nicht danach aus, als ob sich dies ändern könnte. Insgesamt eher düstere Aussichten für Rußland. Daran kann auch die zum Teil massive russische PR, hier wäre z.B. der "Fachmann" Alexander Rahr zu nennen, nichts ändern.

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