Durch Kopfschüsse getötet: Dutzende Menschen in Aleppo offenbar hingerichtet

Durch Kopfschüsse getötet
Dutzende Menschen in Aleppo offenbar hingerichtet

Regimegegner berichten aus Syrien von zahlreichen Menschen, die in Aleppo durch Kopfschüsse getötet worden seien. Ein Rebellenkommandeur spricht von 68 Leichen. Unterdessen werden die Kämpfe im Land immer heftiger.
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AleppoVon einem Kriegsverbrechen berichten Aktivisten aus Syrien: Nach ihren Aussagen wurden iIn der nordwestsyrischen Metropole Aleppo Dutzende Menschen durch Kopfschüsse hingerichtet. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London am Dienstag mitteilte, wurden im Viertel Bustan al-Kasr zahlreiche Leichen vorwiegend junger Menschen gefunden, deren Hände gefesselt gewesen seien. Ein Rebellenkommandeur vor Ort sagte der Nachrichtenagentur AFP, bisher seien 68 Leichen entdeckt worden.

Seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Assad hat der Konflikt in Syrien mehr als 60 000 Menschen das Leben gekostet. Auch Anfang dieser Woche wurde landesweit gekämpft, die Regierungstruppen flogen Luftangriffe auf die von Rebellen eroberten Gebiete. Aktivisten beklagten, dass auch Zivilisten in Homs, Daraa und dem Umland von Damaskus unter Beschuss geraten seien. Auch Aleppo werde heftig von Regimesoldaten angegriffen. Syrische Staatsmedien berichteten, dass Assads Truppen einen Rebellenangriff auf einen Militärflughafen in Idlib abgewehrt hätten.

Auf Hilfe aus dem Ausland setzt Syriens Opposition. Sie appelliert an die internationale Gemeinschaft und fordert mehr Waffen und mehr Geld. „Die Zeit spielt gegen uns, und die Fortsetzung des Konflikts kann für die Region und die Welt nur in einer Katastrophe enden“, sagte Riad Seif, Vizechef der Nationalen Syrischen Koalition, am Montag in Paris. Sein Amtskollege Georges Sabra bezifferte den Unterstützungsbedarf auf mindestens 500 Millionen US-Dollar.

Die Führungsvertreter der Nationalen Syrischen Koalition sprachen in der französischen Hauptstadt mit Vertretern aus rund 50 Unterstützerstaaten. Das Treffen war von Frankreichs Außenminister Laurent Fabius organisiert worden, um weitere Hilfen für die syrische Opposition zu organisieren. Fabius hatte zuvor kritisiert, dass etliche Unterstützungszusagen offensichtlich nicht gehalten worden seien. Die Konferenz solle sicherstellen, dass die Opposition die notwendigen Mittel zum Handeln erhalte, sagte der Minister.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt unterdessen weiter an. Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) geht davon aus, dass seit Jahresbeginn mehr als 100 000 Syrer in die Nachbarländer geflohen sind. Allein in Jordanien hätten 52 000 Syrer die Grenze überschritten, hieß es aus den jordanischen Streitkräften. Das Grenzgebiet gleiche einer „Kriegsregion“. Vereinte Nationen und Arabische Liga wollen am Mittwoch bei einer Geberkonferenz in Kuwait weitere Hilfen für die Flüchtlinge beschließen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Durch Kopfschüsse getötet: Dutzende Menschen in Aleppo offenbar hingerichtet "

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  • "Es wird wahrscheinlich ein Diktator mit religiöser Toleranz durch die Diktatur der Islamisten (Salafisten) ausgetauscht."

    Genau so sieht's aus - und was an Schizophrenie grenzt ist, dass WIR in Syrien die Islam-Rebellen unterstützen - und in Mali werden sie mit unserer Unterstützung bekämpft!

    Wer länger drüber nachdenkt, wird unweigerlich wahnsinnig . . .

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    PS: Wo sind denn die ganzen Kommentare der letzten Tage geblieben???

  • Übrigens fordert nur die sog. syrische Exil-Opposition ein Eingreifen äußerer Kräfte, die Opposition vor Ort in Syrien wehrt sich vehement dagegen.

  • Ich komme gerade aus Ägypten. Meine Gespräche dort haben mich in meiner Meinung bestärkt,das in Syrien ebenfalls der Teufel mit dem Belzubub ausgetrieben wird. Es wird wahrscheinlich ein Diktator mit religiöser Toleranz durch die Diktatur der Islamisten (Salafisten) ausgetauscht. Was ist wohl schlimmer für die Bevölkerung. In der Mubarack-Diktatur wie auch in Tunesien, waren die Christen und andere nicht islamische Bevöĺkerung weit gehend geschützt. Jetzt sind sie Freiwild der Islamisten. Viele gut ausgebildete Kopten (sie sind im Gegensatz zu der islamischen Bevölkrung in der Regel gebildeter) wollen Ägypten verlassen. Die Islamisten treiben dieses Land immer tiefer in den wirtschaftl. Ruin. Der Tourismus bricht ein. Von über 300 Nil-Kreutzfahrtschiffen sind z. Zt. nur ca. 40 in Betrieb. Die Hotels in Luxor, Assuan und am Roten Meer sind nicht mal zu 30 % ausgelastet. Viele Händler stehen vor dem Aus. Die Islamisten sind die Geissel Allahs in diesen Ländern. Warum wollen dies unsere Politiker nicht sehen? Eine Demokratie unserer Prägung hat in diesen Ländern sowieso keine Chance. Man kann es ihnen nicht aufzwingen. Der Westen unterstützt immer wieder die falschen Kräfte. Aus der Vergangenheit sollte man endlich lernen. Aber unsere Gutmenschen-Politiker sind absolut blind.

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