Dutzende Tote bei Kämpfen
Irak stellt Rebellen in Basra ein Ultimatum

Irakische Sicherheitskräfte und Anhänger des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr haben sich am Mittwoch in der Ölstadt Basra den zweiten Tag in Folge heftige Kämpfe geliefert. Ministerpräsident Nuri al-Maliki forderte die Kämpfer von Sadrs Mehdi-Armee auf, sich binnen 72 Stunden zu ergeben - und drohte mit „schwersten Strafen“.

HB BASRA. Die Auseinandersetzungen haben inzwischen auch auf Bagdad und andere Städte übergegriffen. Mehr als 60 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein, Hunderte wurden verletzt. Unter den Opfern sind unbeteiligte Zivilisten, auch Frauen und Kinder.

Ministerpräsident Nuri al-Maliki, der die Kämpfe in Basra verfolgte, forderte die Kämpfer von Sadrs Mehdi-Armee auf, sich binnen 72 Stunden zu ergeben. „Andernfalls müssen sie mit schwersten Strafen rechnen.“ Sadr, ein anti-amerikanischer Prediger, hatte Maliki nach den Wahlen 2005 an die Macht verholfen, später jedoch mit ihm gebrochen. Im August 2007 rief er aber seine Anhänger zu einem Waffenstillstand im Kampf gegen die US-Truppen auf und wurde dafür von der US-Regierung gelobt. Seine eigenen Anhänger kritisierten den Schritt jedoch, viele wandten sich von ihm ab.

Neben der Sadr-Gruppierung gibt es noch weitere schiitische Gruppen in Basra, die teilweise miteinander rivalisieren. Die irakische Regierung will mit dem Einsatz von Armee und Polizei den Milizen-Einfluss zurückdrängen und die Kontrolle über die für die Ölförderung wichtige Region sichern. Rund 40 Menschen sollen bei den Kämpfen in Basra bislang getötet worden sein.

In der Hauptstadt Bagdad kam es zu heftigen Kämpfen im Stadtviertel Sadr, einem Armenviertel, das eine Hochburg der Mehdi-Armee ist. Dort kamen nach Angaben eines Mitarbeiters der örtlichen Gesundheitsbehörde 14 Menschen um leben. Mehr als 140 seien verwundet worden, darunter auch Frauen und Kinder, die zwischen die Fronten geraten seien.

Granaten schlugen auch in der streng bewachten Grünen Zone ein, wo sich die Regierung, Botschaften und US-Einrichtungen befinden. Drei Amerikaner wurden dabei schwer verletzt, wie die US-Botschaft mitteilte. In der südirakischen Stadt Kut brachten Sadr-Kämpfer mehrere Viertel unter ihre Kontrolle. In der Nähe von Regierungsgebäuden waren Schüsse zu hören.

Angesichts der Kämpfe droht auch eine Blockade der Ölförderung bei Basra. Sollten die Kämpfe noch drei Tage anhalten, könnten die Ölarbeiter nicht weiterarbeiten, sagte ein Vertreter der Southern Oil Company. Das werde die Förderung und den Export behindern. Die Arbeiter sind normalerweise in 24-Stunden-Schichten beschäftigt. Wegen der Kämpfe in Basra sei ihre Ablösung nicht gekommen, sagte der Firmensprecher. Die Arbeiter seien übermüdet und hätten nicht mehr ausreichend zu essen. In den Ölfeldern von Basra werden täglich zwei Millionen Barrel gefördert, 1,5 Millionen gehen in den Export.

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