Dutzende Tote
Gouverneur im Irak entgeht knapp tödlichem Attentat

Bei Bombenanschlägen in Bagdad sind Dutzende Menschen getötet worden. Ein Gouverneur einer Provinz nahe Bagdad blieb von den Bomben verschont, während einige seiner Mitarbeiter verletzt wurden.
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Istanbul/BagdadDie Serie von Terroranschlägen im Irak reißt nicht mehr ab. Am Donnerstag starben allein in der Hauptstadt Bagdad bei mehreren Autobombenexplosionen und einem Selbstmordanschlag mindestens 35 Menschen. Nach Angaben von Augenzeugen und Sicherheitsbeamten gab es dabei außerdem Dutzende Verletzte.

Landesweit kamen am Donnerstag insgesamt 45 Menschen um. Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief alle gesellschaftlichen Gruppen im Irak zu einem „aufrichtigen und glaubwürdigen nationalen Dialog“ auf.

Einer der Sprengsätze detonierte vor einem Einkaufszentrum unweit der Innenstadt. Unter den Toten seien auch mehrere Polizisten, hieß es. Betroffen seien erneut auch die überwiegend von Schiiten bewohnten Viertel Al-Sadr und Al-Schaab im östlichen Teil der Metropole. Im Norden Bagdads riss ein Selbstmordattentäter einen Soldaten mit in den Tod.

110 Kilometer westlich von Bagdad entging den Angaben zufolge der Gouverneur der Provinz Al-Anbar, Kassem Mohammed, nur knapp einem Anschlag. Bei der Explosion einer Autobombe in der Stadt Ramadi seien sieben seiner Leibwächter verletzt worden. In Ramadi gibt es seit Monaten heftige Proteste gegen die Regierung in Bagdad. Erst am Mittwoch hatte der Gouverneur der Provinz Salah-al-Din, Ahmed Abdullah, einen Anschlag überlebt.

Auch im Umland der nördlichen Stadt Mossul starben bei der Explosion einer Autobombe an einem Checkpoint laut Sicherheitsbehörden vier Polizisten. In der Stadt selbst seien bei zwei Anschlägen weitere sechs Menschen ums Leben gekommen.

Westerwelle verurteilte die Gewalt. Nach einem Telefongespräch mit dem irakischen Außenminister Hoschiar Sebari erklärte der FDP-Politiker: „Die schweren, blutigen Anschläge, die Irak in den letzten Tagen und Wochen erschüttert haben, zeigen mit welcher unerbittlichen Härte die Gegner der Demokratie vorgehen. Diejenigen Kräfte, die den weiteren Fortgang der Demokratisierung in Irak mit Gewalt aufhalten wollen, dürfen sich nicht durchsetzen.“

Der Irak trage auch eine besondere Verantwortung für die Vermeidung eines regionalen Übergreifens des Konflikts im Nachbarland Syrien, sagte er.

Auch der UN-Sondergesandte für den Irak, Martin Kobler, rief die gesellschaftlichen Führer auf, das „Chaos“ in ihrem Land zu beenden.

In den vergangenen Monaten ist der Streit zwischen dem schiitischen Regierungschef Nuri al-Maliki und den Parteien der Sunniten eskaliert. Viele Sunniten fühlen sich von der Regierung diskriminiert, die von schiitischen Parteien dominiert wird.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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