Dutzende Tote seit dem Wochenende
Im Irak bildet sich eine zweite Front

Die blutigen Kämpfe zwischen der Besatzungsarmee und verschiedenen Gruppen im Irak weiten sich aus und haben seit dem Wochenende Dutzende von Menschenleben gefordert.

HB NADSCHAF. Die radikalen Schiiten um den Geistlichen Moktada el Sadr wollen ihre Rebellion bis zu einem Abzug der ausländischen Truppen aus dem Irak fortsetzen. „Dieser Aufstand zeigt, dass das irakische Volk mit der Besatzung nicht einverstanden ist und dass es keine Unterdrückung akzeptieren wird“, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung El Sadrs. Im südirakischen Nassirijah lieferte sich die Miliz des Klerikers ein mehrstündiges Gefecht mit rund 500 italienischen Soldaten, bei dem 15 Iraker getötet worden sein sollen. El Sadr selbst hielt sich nach Angaben seiner Anhänger in seinem Büro in Nadschaf auf. Sie kündigten an, sich jedem Versuch zur Ergreifung ihres Anführer zu widersetzen.

Die Kämpfe in von den Schiiten dominierten Gebieten haben für die US-geführte Besatzungsarmee eine zweite Front eröffnet. Bislang konzentrierte sich der Widerstand auf sunnitische Gebiete, wo Freischärler täglich US-Soldaten angreifen. Trotz der Kämpfe hat US-Präsident George W. Bush die Entschlossenheit seines Landes bekräftigt, die Macht wie geplant im Sommer an eine irakische Regierung zu übergeben. Ein ranghoher Vertreter der US-Armee sagte, das Verteidigungsministerium sei der Meinung, genügend Soldaten im Irak zu haben. Es prüfe aber die Entsendung weiterer Einheiten, sollte sich die Lage verschärfen.

Bei den Gefechten in Nassirijah wurden einer Meldung der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge 15 Iraker getötet. Die Gefechte hatten nach Angaben der Besatzungstruppen begonnen, als Angehörige von El Sadrs Miliz am frühen Morgen Militärpatrouillen beschossen, die in der Stadt verstärkt worden waren. Während der seit Samstag anhaltenden Proteste haben El Sadrs Kämpfer in Nassirijah mehrere Brücken über den Euphrat unter Kontrolle gebracht und Konvois mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern gestoppt. „Die Stadt war zweigeteilt und die Brücken waren unter ihrer Kontrolle. Wir mussten einschreiten und die Situation klären, bevor die Lage eskaliert“, sagte der Sprecher der italienischen Truppe.

Den italienischen Angaben zufolge kämpften auf der Seite der Miliz weniger als hundert Mann. Keiner der elf verwundeten italienischen Soldaten habe ernsthafte Verletzungen erlitten, fügte der Sprecher hinzu.

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