E-Commerce-Unternehmen
Internetkontrolle durch Chinas Führung bremst die Wirtschaft

Die chinesische Regierung will wissen, was ihr Volk im Internet tut. Mit seiner Kontrolle verhindert Peking jedoch den Wandel des Landes zur technologisch hoch entwickelten Gesellschaft. Und blockiert die Onlinehändler.
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PekingDas E-Commerce-Unternehmen von Frank Chen hat nichts mit Politik zu tun. Trotzdem sorgt er sich, dass es den Bestrebungen der Kommunistischen Partei zur Kontrolle des Internets zum Opfer fallen könnte. Chens Firma mit 25 Angestellten in der Stadt Chengdu im Westen des Landes verkauft über das Internet Kleidung und Haushaltsgeräte an Kunden in den USA und Europa. Doch die Webseiten, die er dafür nutzt, kann er womöglich bald nicht mehr erreichen.

Seiten wie Facebook oder Google werden von chinesischen Webfiltern blockiert. Chen konnte sie bislang aber über eine Virtual-Private-Network-Verbindung (VPN) erreichen. Doch dieses Fenster könnte sich bald schließen. Denn im Januar startete die chinesische Regierung eine Kampagne, um den Gebrauch von VPNs auszurotten, damit die „Große Firewall“ um das Reich der Mitte nicht mehr umgangen werden kann.

„Unser gesamtes Geschäft könnte lahmgelegt werden“, sagt Chen in einem Telefonat. Später schickt er noch eine SMS hinterher, um seine Aussage zu relativieren. „Die nationale Politik verdient ein positives Echo, und wir unterstützen sie voll und ganz“, heißt es darin.

Von der Kampagne der Regierung sind nicht nur Geschäftsleute betroffen – und es geht dabei auch nicht nur um Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter oder Youtube. Wissenschaftler und Studenten sind auf Dienste wie Dropbox oder Google Scholar angewiesen, die sie nur mit einer VPN-Verbindung nutzen können – sei es zum Austausch mit Kollegen im Ausland oder zur Recherche.

Die VPN-Technologie wurde dazu entwickelt, sichere und verschlüsselte Verbindungen zwischen Computern herzustellen. Sie verbirgt die Adresse, so dass Nutzer Seiten aufrufen können, die von den chinesischen Webfiltern blockiert werden.

Die Kontrolle über Informationen ist gerade in diesen Wochen ein sensibles Thema, ist doch für Oktober der Nationale Volkskongress angesetzt, bei dem Präsident Xi Jinping für eine zweite fünfjährige Amtszeit bestätigt werden soll.

Der Feldzug gegen die VPN-Verbindungen ist nach Einschätzung von Aktivisten Teil der bislang umfassendsten Kampagne zur Verstärkung der politischen Kontrolle seit der Niederschlagung der Pro-Demokratie-Bewegung auf dem Platz des himmlischen Friedens im Jahr 1989.

Dutzende Aktivisten und Anwälte wurden in den vergangenen Monaten verhaftet. Das Cyber-Sicherheitsgesetz, das im Juni in Kraft trat, verstärkt die Kontrolle über Daten im Internet. Die Zensur von Sozialen Medien und Video-Webseiten wurde verschärft.

Wie viele Menschen von der Anti-VPN-Kampagne betroffen sind, kann nur geschätzt werden. Eine Erhebung des Unternehmens Global Web Index geht davon aus, dass in diesem Jahr täglich etwa 8,8 Prozent der 731 Millionen chinesischen Webnutzer über VPN eingeschränkte Seiten aufgerufen haben. Das entspräche rund 65 Millionen Menschen – so viel wie der Bevölkerung Großbritanniens.

Die kommunistische Führung ermuntert das Volk zur Nutzung des Internets für Handel und Bildung. Mit dem E-Commerce soll China von einem auf Produktion ausgerichteten Niedriglohnland zu einer Gesellschaft mit hoch technisierten Verbrauchern umgestaltet werden.

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