E-Ministerpräsident
Allawi sieht Bügerkrieg im Irak

Die Offensive amerikanischer und irakischer Truppen nördlich von Bagdad hat die Spannungen im Land wachsen lassen. Die Regierung in Bagdad zeigte sich irritiert über die Operation „Schwärmer“ und mahnte die USA zur Zurückhaltung.

HB BAGDAD/WASHINGTON. Nach Einschätzung des früheren irakischen Ministerpräsidenten Ajad Allawi befindet sich der Irak mitten in einem Bürgerkrieg.

US-Präsident George W. Bush stimmte die Amerikaner zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns auf mehr Kämpfe und weitere Opfer ein. „Es ist bedauerlich, dass wir uns im Bürgerkrieg befinden“, sagte Allawi am Sonntag dem britischen Rundfunksender BBC. „Wir verlieren jeden Tag im ganzen Land 50 bis 60 Menschen, wenn nicht mehr. Wenn das kein Bürgerkrieg ist, dann weiß Gott, was ein Bürgerkrieg ist.“

Die derzeitigen Probleme herunterzuspielen, wäre falsch. Allawi ist Vorsitzender der Irakischen Nationalen Liste, einer weltlich orientierten Partei aus Schiiten und Sunniten. Bush sagte in seiner Rundfunkansprache am Samstag, der Sieg im Irak sei dann erreicht, wenn Terroristen und Anhänger des von den USA gestürzten Präsidenten Saddam Hussein nicht länger mehr die irakische Demokratie bedrohten. „Mehr Kämpfe und Opfer werden notwendig sein, um das zu erreichen“, erklärte er.

Die Situation im Irak hat sich nach dem Anschlag auf ein schiitisches Heiligtum in Samarra am 22. Februar drastisch verschärft; die Zahl der Toten bei Anschlägen nahm erheblich zu. Bush sagte dazu, die Lage habe unter den irakischen Gruppen und Parteien ein neues Gefühl für die Dringlichkeit entstehen lassen, schnell eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden. Nach einer im Auftrag der Nachrichtenagentur AP erstellten Meinungsumfrage rechnen 77 Prozent der befragten Amerikaner mit einem Bürgerkrieg im Irak.

Auch der britische Verteidigungsminister John Reid drang bei einem Besuch in Bagdad auf Fortschritte bei der Bildung einer neuen Regierung. Wenn nicht rasch eine Regierung der nationalen Einheit gebildet werde, würden Leute „mit bösen Absichten“ das politische Vakuum für sich nutzen, warnte Reid. Die neue Regierung müsse kompetent sein und dürfe sich nicht nur aus Vertretern einer einzelnen Religionsgruppe zusammensetzen, sagte der britische Verteidigungsminister.

Auf die Frage, wie die britischen Streitkräfte im Falle eines bewaffneten Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten reagieren würden, erklärte Reid, er sehe keine akute Gefahr eines Bürgerkriegs. Allerdings habe die Gewalt zwischen den Anhängern der beiden islamischen Konfessionen zugenommen.

Der irakische Sicherheitsberater Generalleutnant Wafik al Samaraei warf den US-Streitkräften am Samstag vor, sie hätten bei der Offensive im Gebiet von Samarra zu viele unschuldige junge Männer festgenommen. „Ich fordere ihre umgehende Freilassung“, sagte Al Samaraei im Fernsehsender Al Arabija. Dahinter steht offenbar die Sorge, dass das Vorgehen der USA die Gespräche zur Regierungsbildung weiter erschweren könnte.

Bei der Offensive „Schwärmer“ wurden nach US-Angaben bis Samstag 80 Verdächtige festgenommen, 17 von ihnen wurden nach einer Befragung wieder freigelassen. Wie Oberstleutnant Edward Loomis mitteilte, wurden 15 Waffenverstecke ausgehoben, in denen unter anderem 352 Mörsergranaten und größere Mengen Sprengstoff zum Bau von Bomben gefunden wurden.

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