EADS
Von Küsschen und Kompromissen

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben am Montag ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Sie haben dem deutsch-französisch geprägten Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS eine schlankere Führung verpasst. Wie es zu dem Kompromiss kam und warum so etwas unter einem Kanzler Gerhard Schröder undenkbar gewesen wäre.

TOULOUSE. Die Republikanische Garde sucht noch ihren Standort. Der mit schweren Goldtressen geschmückte Offizier dirigiert seine Truppe ein paar Schritte nach vorn. Kaum hat sie sich wieder aufgereiht, da muss sie noch einmal die Position wechseln – auf die andere Seite des roten Teppichs. Endlich stehen zwanzig Männer stramm in ihren weiß-blau-roten Uniformen, die Säbel zum Salut gehoben, den Kopf starr nach vorn gerichtet. Die silbernen Helme glänzen in der südfranzösischen Sonne, die bordeauxroten Federbüsche wehen im kräftigen Wind auf dem Airbus-Rollfeld in Toulouse. Die Kanzlerin kann kommen.

Angela Merkel wird am Fuße der Gangway mit Küsschen empfangen, erst von Staatspräsident Nicolas Sarkozy, dann von Außenminister Bernard Kouchner, schließlich von Christine Lagarde. Die hoch gewachsene französische Wirtschaftsministerin muss sich tief nach unten beugen, um die Wangen der Kanzlerin zu erreichen. Dann folgt ein Fototermin mit den beiden Männern, um die sich heute alles dreht.

Die Kanzlerin winkt Louis Gallois an ihre Seite, den französischen EADS-Chef. Dessen deutscher Amtskollege Tom Enders platziert sich zur Rechten von Sarkozy. Alle strahlen und bieten so ein Bild vollendeter deutsch-französischer Harmonie.

Erleichterung in Toulouse

Gelächelt wird heute nicht nur für die Kameras. Die Erleichterung ist in Toulouse mit Händen greifbar. Das Tandem Merkel-Sarkozy hat seine erste Bewährungsprobe bestanden, der erste deutsch-französische Interessenkonflikt ist gelöst seit Sarkozys Einzug in den Élysée-Palast am 16. Mai. Noch am selben Tag hatte der neue Staatschef beim Antrittsbesuch in Berlin die Doppelspitze des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS zur Disposition gestellt. Seitdem ist hart gerungen worden um die Vorherrschaft beim europäischen Vorzeigeunternehmen.

Sarkozy mahnte immer wieder eine „Normalisierung“ der Führungsstrukturen von EADS an, Merkel pochte immer wieder darauf, dass „die deutsch-französische Balance gewahrt“ bleiben müsse. Mal war ein Franzose als alleiniger EADS-Chef im Gespräch, dann ein Deutscher, dann wieder ein Franzose.

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