Ebola in Spanien
Sorge um Sicherheit nach erstem Ebola-Fall in Europa

In Madrid hat sich erstmals innerhalb Europas ein Mensch mit Ebola infiziert – und dabei möglicherweise noch andere angesteckt. Nun erheben die Angestellten des spanischen Krankenhauses schwere Vorwürfe.
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Düsseldorf Erstmals hat sich in Europa ein Mensch mit Ebola infiziert. Und es könnten noch mehr werden, wie heute bekannt wurde. Drei weitere Menschen sind zur Beobachtung in ein Madrider Krankenhaus eingewiesen worden, nachdem bekannt wurde, dass sich eine spanische Krankenschwester mit dem Virus angesteckt hat. Sie hatte sich im Madrider Krankenhaus Carlos III um zwei in Afrika infizierte Spanier gekümmert.

Unter den möglicherweise von Ebola Betroffenen ist der Ehemann der positiv auf Ebola getesteten Krankenschwester, wie die spanischen Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilten. Bei den beiden anderen Fällen handele es sich um eine zweite Krankenschwester und einen kürzlich aus Nigeria nach Spanien zurückgekehrten Mann. Alle drei Fälle wurden bislang aber nicht positiv getestet, wie der Chef der Inneren Medizin der Klinik Carlos III., Francisco Arnalich, sagte. In einem Verdachtsfall haben die Gesundheitsbehörden inzwischen Entwarnung gegeben. Bei einer Mitarbeiterin des Gesundheitsdienstes sei ein Test negativ ausgefallen, verlautete am Dienstag aus Kreisen der Gesundheitsbehörden.

Das Thema beherrscht die spanischen Medien. „Kann ich mich im Bus anstecken?“ fragt etwa die „El Pais“. Die Behörden versuchen, zu beruhigen. Doch es kommen erste Zweifel auf, ob das Madrider Krankenhaus Carlos III bei der Behandlung sorgfältig genug gearbeitet hat.

Auch die Europäische Kommission hat sich inzwischen eingeschaltet und fordert von Madrid detaillierte Informationen zu dem Fall. An diesem Mittwoch sollten Experten aus den EU-Staaten mit Vertretern der Weltgesundheitsorganisation und des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten über den Fall beraten, kündigte der Sprecher an. Solche Gespräche fänden regelmäßig statt.

Bei der Behandlung der Krankenschwester hat es anscheinend Fehler gegeben. Die spanische Zeitung „El Mundo“ berichtet in ihrer Online-Ausgabe von schweren Vorwürfen des Personals des Madrider Krankenhauses Carlos III, in dem die spanischen Patienten, die sich in Afrika mit dem Ebola-Virus infiziert hatten, behandelt wurden. Demnach soll die Schutzkleidung nicht den Vorschriften entsprochen haben. Die Leitung des Krankenhauses bestreitet diese Vorwürfe.

Am Dienstag versammelten sich die Angestellten des Krankenhauses, um den Rücktritt der spanischen Gesundheitsministerin Ana Mato zu fordern. Sie hätten keine ausreichende Schulung für den Umgang mit den Ebola-Patienten bekommen, klagten sie. Die einzige Hilfe die sie bekommen hätten, sei eine 30-minütige Schulung gewesen, man hätte ihnen nicht gezeigt, wie sie die Schutzkleidung anziehen sollen.

„Irgendwo muss es ein menschliches Versagen gegeben haben“, sagte der Virologe Luis Enjuanes der Zeitung „El País“. Der Koordinator des Zentrums für medizinische Notfälle des Gesundheitsministeriums, Fernando Simón, erklärte: „Wir schauen gerade, wo es Fehler im Ablauf gegeben hat. Im Prinzip ist die Schutzkleidung, die im Krankenhaus getragen wurde, ausreichend, soweit wir informiert sind.“

Die infizierte Krankenschwester wird inzwischen im Krankenhaus Carlos III in Madrid behandelt, laut dem Gesundheitsministerium ist sie in stabilem Zustand, hat aber noch Fieber. Ihr Ehemann ist unter Beobachtung im Krankenhaus, er hat aber keine Symptome. Die zweite Krankenschwester hat kein Fieber, aber Durchfall. Der dritte Patient, der Reisende aus Nigeria, war laut offiziellen Angaben zwar mit Fieber ins Krankenhaus gekommen, sei aber in einer ersten Analyse negativ auf Ebola getestet worden.

52 weitere Menschen, die mit den Infizierten in Kontakt standen, stehen unter Beobachtung, darunter 20 Menschen, die mit der infizierten Krankenschwester Kontakt hatten und 30 Angestellte des Krankenhauses Carlos III.

Auch in Frankfurt wird derzeit ein Ebola-Patient behandelt - ein Arzt aus Uganda, der sich in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt hatte.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Laut ORF wurde in Salzburg ein 15 Jahre alter Neger
    aus Liberia mit Ebola aufgegriffen.
    Der Mensch wurde in eine Klinik gebracht die nicht in
    der Lage ist Ebola zu behandeln, da die Isolierstation
    nur Klasse 3 hat, also für Masern u.s.w.

  • Ebola wird für Europa nicht zur Gefahr werden - man sehe sich nur den hollywoodreifen Aufmarsch von Teams mit Ganzkörperschutzanzügen an, die bereits zu einem Ebola-Verdachtsfall ausrücken, der sich dann aber als Malaria o.ä. herausstellt.
    Nur für Menschen, die berufsbedingt mit Infizierten in Kontakt treten könnten (z.B. Krankenhauspersonal) besteht in Europa ein potenziell erhöhtes Risiko.
    Den durchgeknallten EU-Politikern traue ich jedoch durchaus zu, dass sie Ebola quasi als Alibi dazu missbrauen könnten, um die Grenzen dicht zu machen und Notstandgesetze durchzusetzen.
    Verheerend stellt sich dagegen die Situation für (West-)Afrika dar, wo Notstandsgesetze mit Einschränkung der Bewegungsfreiheit und Ausgangssperren ja schon teilweise in Kraft sind. Für die betroffenen Regionen bedeutet das in aller Regel den Totalzusammenbruch der Wirtschaft in den ohnehin meist bitterarmen Ländern - mit dann zusätzlich finanzieller Notlage der Bevölkerung.
    Auf ein sehr gutes Aufklärungsvideo - auch bezüglich der exponentiellen Virusausbreitung in Afrika und den (beherrschbaren) Folgen für Europa - habe ich schon einmal hingewiesen:
    http://www.youtube.com/watch?v=NJ6vPhEtLK4&list=UUfhQH9DzSSYesc0Su0dqnMQ


  • Albert Schweizer war ein Arzt...EIN GUTER ARZT !

    Er erkannte dass man IN AFRIKA AKTIV WERDEN MUSSTE...

    aber diese EU nach so viele Jahren nach Albert Schweizer erkennt nicht dass MAN IN AFRIKA TÄTIG WERDEN MUSS...UND NICHT NOCH wie aus einem Urlaub...

    die Menschen erst nach Europa einfliegen soll !

    so werden heute betroffene nach Würzburg oder nach Frankfurt eingeflogen...

    ANSTATT DORT IN AFRIKA DIE ENTSPRECHENDE KRANKENHÄUSER EINZURICHTEN.

    Im TV sieht man Ebola Kranke die vor den Toren der ÜBERFÜLLTE AUFNAHME-STATIONEN AUF DIE CHANCE WARTEN AUFGENOMMEN ZU WERDEN.

    Scheinbar fehlt es an BETTEN ?

    Gleichzeitig hat man innerhalb der EU 30 Millionen EU-arbeitslosen ?

    -Können diese 30 Millionen EU-arbeitslosen keine betten bauen ?

    Oder sich sogar im klinischen Bereich nicht Freiwillig sich sogar anbieten und aktiv sein ?

    Die Mangelhafte EU-ORGANISATION lässt das gesamte Europäischen Kontinent in einem Licht erscheinen dass nicht in der Lage ist eine medizinische Angelegenheit im griff zu bekommen ?

    ODER WARTET DIE DARAUF DASS SICH CHINA IN AFRIKA ALS HUMANER ALS DIESE EU ERST BEWEISEN MUSS ???

    EUROPA zeigt sich nicht Handlungsfähig bei egal welche Angelegenheiten !!!

    dann wundert man sich aber in der EU über die Desinteresse der 500 Millionen EU-Bürger gegenüber der Politik oder gegenüber " Stolzer Europäer " zu sein ?

    Schon heute zeigt sich diese EU als Ohnmächtig bei egal welche Tätigkeiten zu sein.

    DANN SOLLTE MAN DOCH DIE MILLIARDEN EURO EINSPAREN DASS AN DER GESAMTE EU-STEUERZAHLER DIESE EU JÄHRLICH KOSTET !!!

    Selbst beim Ebola-Problem zeigt sich die EU nicht fähig die Problemlösung für die EU-ARBEITSLOSIGKEIT durch einbringen der arbeitslose bei der Abschaffung von fehlendes Personal...

    oder beim abschaffen von fehlendes Material zu beschäftigen ?

    EU...WOZU BRAUCHEN WIR DICH DANN ???


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