Ed vs. David Miliband
Britische Bruderfehde um die Macht bei Labour

Alles andere als Bruderliebe: Mit zunehmder Schärfe kämpfen David und Ed Miliband darum, wer nächster Chef der Labourpartei wird. Entscheidend ist, wer das bessere Konzept hat, die Partei aus der Krise zu führen. Doch der Schatten der Vergangenheit ist lang.
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LONDON. Der TV Sender Channel 4 will den Kampf um die zukünftige Führung der Labourpartei zu einem TV-Doku Drama verarbeiten - so spannend wird die Auseinandersetzung zwischen den beiden Spitzenkandidaten, den Brüdern David und Ed Miliband.

Einer von diesen beiden wird neuer Labourchef, wenn das Wahlergebnis am 25. September kurz vor dem Labourparteitag verkündet wird - und damit neuer Premier, wenn Labour die nächste Wahl gewinnen sollte. Zusammen haben die Brüder die Stimmen fast aller Gewerkschaften, fast aller Mitglieder des Schattenkabinetts und der Parteibasis. Die anderen drei Kandidaten sind abgeschlagen. Wie sich ihre Zweitstimmen im komplexen Wahlverfahren auf Ed und David verteilen, wird den Ausgang der Wahl wesentlich bestimmen. Das Ergebnis ist unvorhersehbar und wird die Zukunft der Labourpartei entscheiden.

Eigentlich sollte über allem die Bruderliebe stehen. "David ist mein bester Freund im Leben. Ihn herauszufordern, war die härteste Entscheidung in meinem Leben", hatte Ed Miliband beteuert. Manche kritisierten den Führungskampf als "Miliband Seifenoper" und meinten damit den Mangel ideologischer Schärfe in den Debatten - zum Beispiel der dritt aussichtsreichste Bewerber, der loyale Brown-Anhänger und ehemalige Schulminister Ed Balls.

Kaum versteckte Hiebe gegen den Älteren

Aber das hat sich mit der wachsenden Schärfe der Auseinandersetzung geändert. Aus dem Kampf ist eine Bruderfehde geworden. David, sichtbar irritiert, dass ihm ausgerechnet der jüngere Bruder die Krone streitig machen könnte, ist nie wütender, als wenn der "rote Ed" von seine eigene "Einfühlsamkeit" hervorhebt und seine "Möglichkeit, die Menschen zu erreichen". Es sind kaum versteckte Hiebe des Jüngeren gegen die technokratische Verschrobenheit des ungelenkeren Älteren.

Nun haben Tony Blairs Memoiren den Kampf des 45-jährige ehemaligen Außenministers gegen den 30-jährigen ehemaligen Energieminister noch gereizter werden lassen. Blair stellte sich deutlich hinter David, seinen einstigen Zögling, und ließ mit Attacken auf Brown die alten Kämpfe in der Partei wieder hochleben: "Wenn wir nur einen Millimeter von New Labour abweichen, kommen wir in Schwierigkeiten, das war immer meine Meinung", erklärte Blair in einem BBC Interview.

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