Edouard Carmignac

„Deutschland kann Europa nicht alleine tragen"

Die Kritik des Investmentbankers Carmignac an „Monsieur le Président“ ist hart, undiplomatisch und öffentlich: Hollande schröpfe das eigene Land und verlange von Deutschland, Frankreichs junge Rentner zu finanzieren.
69 Kommentare
Edouard Carmignac, Fondsmanager, Gründer und Präsident von Carmignac Investissement. Quelle: Thomas Dorn/laif

Edouard Carmignac, Fondsmanager, Gründer und Präsident von Carmignac Investissement.

(Foto: Thomas Dorn/laif)

ParisSo hat noch nie jemand einem Präsidenten die Leviten gelesen. Hart und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Der französische Vermögensverwalter Edouard Carmignac, Chef des Investmenthauses Carmignac Gestion, schrieb Frankreichs Präsident François Hollande einen offenen Brief, der wie eine Gardinenpredigt wirkt - und Deutschland gegen Frankreich in Stellung bringt.

In dem Brief  adressiert an „Monsieur le Président“ nimmt der Investmentbanker Bundeskanzlerin Angela Merkel und Deutschland in Schutz. Ganz groß schaltete Carmignac, der an der vornehmen Place Vendôme in Paris residiert und es sich als Vermögensverwalter als Ziel gesetzt hat, Vermögen langfristig zu sichern, den Brief als Anzeige in deutschen Zeitungen wie dem Handelsblatt und der FAZ, aber auch in der Financial Times, Le Monde sowie Zeitungen in der Schweiz und Italien.

Ein ganzes Land werde geschröpft, um das Überleben eines überholten Gesellschaftsmodells zu gewährleisten und dann wolle Hollande auch noch die deutschen Nachbarn zur Kasse bitten, schreibt der bankenunabhängige Vermögensverwalter Carmignac, der sich einen Namen machte, weil er auch in rauen Börsenzeiten mit Aktien Geld verdiente. „Warum sollten die Deutschen auch einem Beitrag zur Finanzierung des Ruhestandes ab 60 Jahren in Frankreich zustimmen, wo doch ihr eigenes Rentenalter selbst gerade bis auf 67 Jahre angehoben wurde“, fragt er.

Es sei politisch nicht vertretbar, von Deutschland eine Unterstützung für den Erhalt sozialer Errungenschaften einzufordern, welche sich das Land selbst nicht zugesteht. Es sei unrealistisch zu erwarten, dass Deutschland alleine die Last eines Europas, das weit über seine Verhältnisse lebt, tragen könnte.

Carmignac bezeichnet die Maßnahmen Hollandes als „eine Anhäufung von verhängnisvollen Drohungen“ und verurteilt die Steuerpolitik der Sozialisten als „enteignendes Steuerwesen“, das die Unternehmen aus dem Land treibt. Er bezieht sich darauf, dass Hollande Einkommen über eine Millionen Euro im Jahr mit 75 Prozent versteuern will und Verdienste über 150.000 Euro mit 45 Prozent.

Der Fondsmanager Carmignac hatte schon einmal einen offenen Brief geschrieben, der für viel Aufsehen sorgte. Vor einem knappen Jahr ließ er wenig charmant Dampf gegen den ehemaligen EZB-Chef Jean-Claude Trichet ab: "Sie haben die Krise unterschätzt", warf er dem Notenbanker vor. „Machen Sie´s gut. Sie werden ganz sicher nicht vermisst werden.“ Dieser Brief sah dem jetzigen Schreiben gegen Hollande von der Form sehr ähnlich.

Im aktuellen Schreiben heißt es, Hollandes Projekt sei zum Misserfolg verdammt, es lauge Frankreich aus und setze Europa aufs Spiel. Er forderte deshalb mutige Reformprogramme und appelliert zum Schluss an Hollande: „Sie stehen vor einem furchtbaren Dilemma. Ich hoffe in unser aller Interesse, Sie treffen die richtige Entscheidung.“

Startseite

69 Kommentare zu "Edouard Carmignac: „Deutschland kann Europa nicht alleine tragen" "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Carmignac tut nichts anderes, als im Interesse seiner betuchten Klientel gegen eine durchaus gerechtfertigte höhere Besteuerung der Unternehmen und Spitzenverdiener zu feuern, welche weltweit massiv Vermögen von der weniger glückseligen Mehrheit abgeschöpft haben. Die sogenannte Elite ist nur noch vom Erhalt ihres Vermögens um jeden Preis besessen. Hollande kann freilich nur gewinnen, wenn die Erkenntnis, daß es jetzt reicht, auch in anderen Staaten durchsetzt, und den Multinationalen ihre Niedrigsteuer- und Niedriglohnparadiese wegbrechen. Über kurz oder lang wird das Faß überlaufen, daran ändert auch Carmignac keinen Deut.

  • Die Politik in Europa (und nicht nur dort) hat jahrzehntelang Geschenke an Wähler verteilt, die samt und sonders auf Pump finanziert waren. Die Krise, die heute insbesondere von Ideologen als von den Banken verursacht dargestellt wird, ist tatsächlich eine waschechte Staatsschuldenkrise! Ohne eine Reduzierung der Staatsschulden lässt sich diese Krise langfristig nicht beseitigen. Dazu gehört sparen, sparen, sparen und - da damit alleine der Zinsdienst nicht geleistet werden wird können: Inflation. Das wird zwangsläufig dazu führen, dass es in den Sozialstaaten für die Schwachen ungemütlicher wird. Die "Reichen" werden es zwar bequemer haben, aber inflationsbedingt mit schrumpfendem Vermögen beteiligt.

  • @Popper
    Sie bezichtigen die Banken zu einseitig. Natürlich sind die Banken (Investmentbanken) zu einem immensen Teil mitschuldig. Aber dazu gehören auch die Politiker, die den Staat repräsentieren - also die Staaten. Sie haben sich mit Hilfe und auch zu Lasten der Banken immer höher verschuldet, um ihren Wählern und Freunden (Lobbyisten) satte Geschenke zu bieten. Das sollten Sie bei Ihrer durchaus korrekten Bankenschelte nicht vergessen. Beide Spieler haben daran ihren Anteil.

  • @Hardie67
    Was heißt: "möchte mir dennoch verbitten...". Überall gibt es ehrenwerte Leute. Auch unter Bankern. Wenn ich mir aber die Denkungsart und Begrifflichkeit anhöre, dann stelle ich schlicht und ergreifend fest, dass derzeit immer nur von Staatsverschuldung geredet wird, als seien dafür die Staaten verantwortlich oder gar daran schuld. So in der Verkürzung: Schuldner ergo schuld. Das trifft in der derzeitigen Krise noch nicht einmal auf Griechenland zu, wenn man den Verschuldungsstand 2008 vergleicht(ca. 106%/BIP) mit heute. Wenn man es historisch betrachtet, haben sich Staaten immer in Rezessionen verschuldet, die sie nicht selbst verursacht haben. Und das ist auch jetzt wieder so. 2008 waren es die Banken, die zu einer exorbitanten Verschuldung der Staaten führten. Die Antwort der Politik darauf ist leider kläglich. Das ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass die selben Leute, welche die Staaten ermuntert haben, den Finanzmarkt zu deregulieren, sich jetzt hinstellen und den Staat zum Schuldigen erklären. Das ist zugegebenermaßen eine propagandistische Meisterleistung, löst aber nicht das Problem, sondern vertieft es nur weiter. Weil offenbar der Sachverstand auf politischer Ebene nicht vorhanden ist und an diejenigen delegiert wird, deren vitales Interesse darin besteht, für die Risiken, de sie eingegangen sind, keine Haftung zu übernehmen. Aus diesem Interessenkonflikt kommt auch Herr Carmignac nicht heraus. Und hier ist mein Kritikpunkt. Alles, was er zu sagen hat, sind diese abgedroschenen neoliberalen Kalauer, die sich selbst ad absurdum geführt haben. Nur die totale Befreiung aus dieser selbstverschuldeten Marktreligosität kann helfen, denn jeder Versuch die Krise mit den Mitteln zu bekämpfen, die sie verursacht haben, muss scheitern.

  • Stimme Ihnen 100% zu, Frankreich soll sein Renteneintrittsalter selbst bestimmen. Von mir aus können die Franzosen mit 30 in Rentze gehen. Aber nicht auf unsere Kosten, das ist der Punkt.
    Also: Keine EuroBonds, keine BankenUnion, Transferzahlungen o.ä.
    Da kann vonm mir aus der Grieche mit 25 für den Rest seines Lebens am Strand liegen. So lange er das selbst finanzieren kann, wünsche ich ihm viel Freude und ein langes Leben. Ich gönne gerne, aber nicht auf Deutschlands Kosten. So einfach ist das !

  • Nach Ihrer Definition bin ich dann auch Investmentbanker. Ich möchte mir aber dennoch verbitten, mit Leuten von Goldman, Morgan Stanley, ML, ... in einen Topf geworfen zu werden.
    Im Übrigen sollten Sie mal Dr. Jens Ehrhardt lesen. Der ist auch Fondsverwalter wie Herr Carmignac. Auch er hat schon vor Jahren vor Euro und Staatsverschuldung gewarnt. Sie sollten also nicht jeden, der irgendwie Investmentbanker ist, von vornherein mies machen. Es gibt da auch erstklassige Leute, die nicht nur an sich selbst denken. Vielleicht wenige, aber es gibt sie !

  • Benötigen wir diese Einwanderer?
    Haben doch genügend Menschen, die Arbeit suchen!
    AUsserdem muss es endlich aufhören, dass die Migranten unseren Sozialstaat ausbeuten! WIE ist es denn möglich, dass auch noch entfernte Verwandte in Hinteranatolien von den deutschen Krankenkassen profitieren, und auch noch als Privatpatienten gelten!!!

  • Monsieur Carmignac, vielen,vielen Dank für Ihren Brief an
    den vorsintflutlichen Hollande.Sie sprechen mir aus dem Herzen.
    Doch ich befürchte, dass alles nicht nützen wird, denn Hollande mit seinen Sozialisten sind absolut Lernresistent und werden Frankreich und den Rest Europas mit in den Abgrund zerren.gez.walterwerner.artists.de

  • Alle Menschen sind schlau, manche vorher, manche nachher.

    Leider gehört Herr Holland zu der zweiten Kategorie.

    Es ist schade das Frau Merkel auf die Forderungen der Erpresser eingegangen ist denn Erpresser kommen immer wieder solange sie etwas bekommen.

    Wir können das Problem natürlich auch dadurch lösen das wir die Rente mit 60 einführen und die Agenda 2010 rückgängig machen, dann sind wir in ein paar Jahren auch pleite.

  • @Hardie67
    Ihre Wortklauberei in Ehren, aber M. Carmignac ist Investmentbanker, wie sonst könnte er Aktien verwalten. Zu ihrer Information: "Auf Sekundärmärkten sind sie in der Kundenberatung sowie Auftragsausführung im Handel von Wertpapieren für Kunden tätig" (Wikipedia).Insoweit bringt ein Streit um Begriffe nichts. Und wer hier Käse schreibt, ist noch nicht raus.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%