Effizienz hält die Massen im größten Ballungsraum der Welt am Laufen
Tokios Planer geben dem Chaos eine Ordnung

In Tokio konzentriert sich so ziemlich alles: Die Stadt ist Zentrum der japanischen Politik, Kultur und Wirtschaft sowie der Mode-, Finanz- und Industriewelt des Landes. Doch die Ballung bringt gravierende Probleme mit sich.

TOKIO. Wer frühmorgens im Bahnhof Shinjuku den Zug wechselt, der weiß, was es heißt, Teil einer Menschenherde zu sein. Mehr als anderthalb Millionen Passagiere strömen täglich durch den belebtesten Bahnhof der Welt. Auf mehreren Etagen sind die Linien diverser Zug-, S-Bahn- und U-Bahn-Gesellschaften miteinander verbunden. Die Züge fahren im Minutenabstand metergenau zu Dingel-Melodien auf den Bahnsteigen ein. Ruhig ertragen die Pendler die drückende Enge in den Waggons. Nach dem Aussteigen halten sie ihr Portemonnaie am Bahnhofsausgang nur kurz an die Lesegeräte der Ticket-Gates, die den Fahrpreis automatisch von der Bahnkarte abbuchen. Effizienz hält die Massen am Laufen in Tokio.

Im Großraum der Metropole leben mehr als 30 Millionen Menschen – so viel wie nirgendwo sonst auf der Welt. Lückenlos geht das Zentrum des Verwaltungsbezirks Tokio in die Großstädte Saitama, Yokohama und Kawasaki über. Fast ein Viertel der 128 Millionen Einwohner Japans lebt hier. In Tokio konzentriert sich so ziemlich alles: Die Stadt ist Zentrum der japanischen Politik, Kultur und Wirtschaft sowie der Mode-, Finanz- und Industriewelt des Landes. Die Menschen hier erwirtschaften mehr als ganz Großbritannien.

Die Konzentration zeigt sich auch im Stadtbild. Der Autoverkehr bewegt sich in zentralen Stadtteilen wie Iidabashi oder Roppongi über viele Kilometer auf zwei Etagen fort, die Autobahn über der normalen Straße. Gleich daneben die S-Bahn-Brücke über dem zubetonierten Fluss. Dazwischen liegen Häuser, die jeden Zentimeter des kleinen Grundstücks ausnutzen und deshalb auch schon einmal dreieckig angelegt sind. Ein planloses Durcheinander, doch Architekten finden es inspirierend. Seit es möglich ist, erdbebensicher in die Höhe zu bauen, nimmt die Zahl der Hochhäuser zu. Sie wechseln sich mit den kleinen Häuschen in den oft verschlungenen Straßen ab. Riesige Flachbildschirme berieseln an allen zentralen Orten die Passanten, Leuchtreklamen blinken. Der morbide Charme hat manchen Science-Fiction-Autor inspiriert.

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