EFSF-Aufstockung
Euro-Rettung könnte zum Billionen-Risiko werden

Wird die Euro-Rettung zum Fass ohne Boden? Paris und Berlin wollen angeblich die Mittel für den Rettungsfonds durch einen Hebeltrick deutlich aufstocken. Die Union dementiert und die FDP reagiert uneins.
  • 84

BerlinWenige Tage vor dem EU-Gipfel zur Schuldenkrise haben sich Deutschland und Frankreich laut einem Zeitungsbericht auf eine Vervielfachung des Euro-Rettungsschirms EFSF geeinigt. Wie die britische Zeitung „The Guardian“ am Dienstag unter Berufung auf EU-Diplomaten berichtete, einigten sich die Regierungen der beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone auf das Ziel, den EFSF auf zwei Billionen Euro aufzustocken und damit mehr als das vierfache des derzeitigen Volumens zu erreichen. Derzeit umfasst der Rettungsschirm 440 Milliarden Euro.

Die „Financial Times Deutschland“ berichtete, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) habe die Summe von maximal einer Billion Euro für den Rettungsschirm genannt. Der Hebel, durch den die Summe erreicht werden soll, soll demnach in Form einer Versicherung für Staatsanleihen kriselnder Eurostaaten in die EFSF-Richtlinien eingebaut werden.

Die Unionsfraktion im Bundestag wollte die Meldungen nicht bestätigen. Schäuble habe bei der Fraktionssitzung und bei der Fraktionsvorstandssitzung keine Zahl genannt, sondern nur darauf verwiesen, dass in der EU-Kommission Modelle durchgerechnet würden, sagte Fraktionssprecher Ulrich Scharlack am Dienstagabend. Ein anderer Teilnehmer bestätigte, dass die Summe von 1000 Milliarden Euro bei dem Treffen nicht genannt worden sei. Zudem gab es auch keine Bestätigung für einen Bericht des „Guardian“.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits zuvor erfahren, dass sich in dem Streit über eine Hebelung der EFSF-Mittel als einzige Lösung ein Versicherungsmodell bei der Ausgabe neuer Staatsanleihen abzeichnet. Auf diese Weise könnte der Fonds mit einem Einsatz von beispielsweise 100 Milliarden Euro eine Finanzierung von 300 bis 500 Milliarden Euro sicherstellen, hieß es.

Nach Informationen des Handelsblatts erwägt die Bundesregierung, den Eurorettungsfonds EFSF zu ermächtigen, die Zinsen für Staatsanleihen von Ländern zu stunden, die Schwierigkeiten haben, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Damit solle ein Weg gefunden werden, um der französischen Regierung entgegenzukommen. Man könne Paris dadurch helfen, dass die Zinsen für die Zeit der Laufzeit gestundet und vom EFSF vorgehalten werden, hieß es aus Regierungskreisen.

Seite 1:

Euro-Rettung könnte zum Billionen-Risiko werden

Seite 2:

Sorge um Frankreich treibt Euro-Retter um

Kommentare zu " EFSF-Aufstockung: Euro-Rettung könnte zum Billionen-Risiko werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der große Knall!
    -----------------
    Vielleicht reicht die heiße Luft von Merkel & Co. noch am
    Sonntag auf dem G 20 Gipfel um den roten Luftballon mit
    dem Eurozeichen aufzublasen, wie in Donald Ducks Daumen-
    kino ''Der große Knall'' und ihn mit großen Getöse zum
    Platzen zu bringen. Mit diesem Frohsinn dürfte es sich
    für die nächste Zeit dann erstmal mit der wundersamen
    Vermehrung des Euro ausgehebelt haben.
    Vielleicht kommt man dann als nächstes auch noch auf
    die Idee mit einer Stammzellenvermehrung des Euro die
    Krise zu überwinden???

  • @Maidag
    Du hast es ja schon im HB Blog geschrieben. Der Target2 Saldo steht bei einer Pleite im Feuer. Das und nur das ist für mich die alles entscheidende Aussage über die T2-Salden. Es wundert mich, daß eine derartige Diskussion über T2 entstehen kann und man nicht einmal diesen Fakt (...steht im Feuer) mit Einigkeit feststellen kann.
    Ich frage mich immer öfter: Bin ich blöd oder die VWL?

  • Ne, ohne kreative Buchführung sind's 360%.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%