_

EFSF droht Herabstufung: Ratingriese nimmt Euro-Schirm ins Visier

Der Rundumschlag des Ratingriesen Standard & Poor's setzt Europa unter Druck. Denn auch die Bestnote des bisherigen Schirms EFSF ist bedroht. Die Deutsche Bank stellt sich schon auf das Schlimmste ein.

Verliert der Euro-Schirm sein Top-Rating? Quelle: dpa
Verliert der Euro-Schirm sein Top-Rating? Quelle: dpa

BerlinMit ihrem Rundumschlag gegen die Eurozone setzt die Ratingagentur Standard & Poor's die Europäer unter Druck. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt nach der Abstrafung durch die Bonitätswächter auf schnelle Entscheidungen über den neuen Euro-Rettungsschirm ESM und zu Sparpaketen in allen Eurostaaten. Ob das die Lage beruhigen kann?

Anzeige

Nach der Herabstufung von neun der 17 Eurostaaten droht die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bereits damit, auch dem derzeitigen Euro-Rettungsschirms EFSF die „AAA“-Bestnote zu entziehen. „Wir müssen jetzt analysieren: Finden Anpassungsmaßnahmen statt, die den Verlust von „AAA“-Garantien kompensieren? Wenn das nicht der Fall ist, ist davon auszugehen, dass das Rating auch entsprechend herabgestuft wird“, sagte S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer, der Nachrichtenagentur dpa.

„Wir glauben, dass die Art und Weise, wie Politik formuliert und implementiert wird, der Schwere der Krise nach wie vor nicht gerecht wird“, sagte Kraemer. „Wir glauben, dass die Risiken einer Ausweitung und Verschärfung der Krise zunehmen.“ Das wirtschaftliche Umfeld trübe sich ein, Staaten und Banken bräuchten allein im ersten Quartal 2012 etliche Milliarden frisches Kapital. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe durch ihr flexibles Eingreifen Schlimmeres verhindert.

So bewertet S&P die Euro-Länder

  • Belgien

    Aktuelles Rating: AA

    Ausblick: negativ

  • Deutschland

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: stabil

  • Estland

    Aktuelles Rating: AA-

    Ausblick: negativ

  • Finnland

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

  • Frankreich

    Aktuelles Rating: AA+

    Ausblick: negativ

  • Irland

    Aktuelles Rating: BBB+

    Ausblick: negativ

  • Italien

    Aktuelles Rating: BBB+

    Ausblick: negativ

  • Luxemburg

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

  • Malta

    Aktuelles Rating: A-

    Ausblick: negativ

  • Niederlande

    Aktuelles Rating: AAA

    Ausblick: negativ

  • Österreich

    Aktuelles Rating: AA+

    Ausblick: negativ

  • Portugal

    Aktuelles Rating: BB

    Ausblick: negativ

  • Slowakei

    Aktuelles Rating: A

    Ausblick: stabil

  • Slowenien

    Aktuelles Rating: A+

    Ausblick: negativ

  • Spanien

    Aktuelles Rating: A

    Ausblick: negativ

  • Zypern

    Aktuelles Rating: BB+

    Ausblick: negativ

S&P hatte am Freitag neun Euroländern schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit verpasst: Europas zweitgrößte Volkswirtschaft Frankreich sowie Österreich verloren ihre Bestnoten „AAA“. Deutschland behielt indes dieses Spitzenrating. Die Ratingagentur zeigte sich vor allem enttäuscht von den Ergebnissen des EU-Gipfels Anfang Dezember. Schlechtere Bonitätsnoten erschweren es Schuldnern in der Regel, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen. Neben Frankreich und Österreich stufte S&P auch Italien, Spanien, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern herab.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, erwartet, dass sich die Herabstufungen negativ auf den Rettungsfonds EFSF auswirken werden. „Es zeichnet sich ab, dass von den 17 Ländern, die diesen Rettungsfonds garantieren, am Ende nur noch Deutschland, Niederlande, Finnland und Luxemburg ihr Toprating behalten werden. Damit dürfte der EFSF selbst auch seine AAA-Bewertung verlieren“, schreibt Mayer in einem Beitrag für die „Bild am Sonntag“.

Der künftige europäische Rettungsfonds ESM

  • Wann kommt der ESM?

    Der geplante dauerhafte Rettungsschirm ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) soll nach den neuesten Plänen der Euro-Länder Mitte 2012 starten und damit ein Jahr früher als bisher geplant. Der ESM löst den Rettungsschirm EFSF ab.

  • Wie sieht die Finanzstruktur aus?

    Der ESM soll über eine effektive Darlehenskapazität von 500 Milliarden Euro verfügen. Bei diesem maximalen Darlehensvolumen soll es unabhängig von den Verpflichtungen des auslaufenden Rettungsfonds EFSF bleiben. Um das Volumen tatsächlich zu erreichen, soll der ESM mit 700 Milliarden Euro ausgestattet sein. Davon entfallen 80 Milliarden Euro auf Bareinlagen und 620 Milliarden auf abrufbares Kapital in Form von Garantien. So soll die Bestnote bei der Kreditwürdigkeit („AAA-Rating“) garantiert sein.

  • Wie viel muss Deutschland zahlen?

    Deutschland springt nicht mehr nur als Bürge ein: Berlin steuert rund 21,7 Milliarden Euro Bareinlagen und 168,3 Milliarden Euro an Garantien bei. Bisher soll die Bareinlage in fünf gleichen Raten von je rund 4,3 Milliarden Euro gezahlt werden. Wegen des früheren ESM-Starts wird die erste Rate aber schon Mitte 2012 fällig. Dafür muss Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen Nachtragshaushalt für 2012 vorlegen. Die erste Rate könnte auch weit höher ausfallen, sollte der ESM rascher aufgefüllt werden. Einige Euro-Staaten könnten ihren gesamten - weit geringeren - Betrag für den Kapitalstock auf einen Schlag schon 2012 einzahlen. Im Extremfall kann der Bundesetat mit 190 Milliarden Euro belastet werden.

  • Wie werden die Gläubiger beteiligt?

    Private Geldgeber und Inhaber von Staatsanleihen wie Banken und Versicherer sollen an Rettungsmaßnahmen nach den Regeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) beteiligt werden. Es geht um Praktiken, die die Märkte und Mitgliedstaaten kennen. Auf schärfere Vorgaben wurde verzichtet. Die Umschuldungsklauseln in Staatsanleihen der Euro-Länder (Collective Action Clauses/Cacs), sollen weiter in den ESM eingebracht werden. Die Entschuldung Griechenlands mit einem freiwilligen Verzicht der Gläubiger auf ihre Forderungen soll aber ein Einzelfall bleiben.

  • Welche Mehrheiten gelten für Beschlüsse?

    Ist die Finanzstabilität der Eurozone bedroht, kann der ESM mit einer Mehrheit von 85 Prozent des Kapitalschlüssels entscheiden. (Quelle: dpa)

  • 15.01.2012, 20:36 UhrAnonymer Benutzer: EUroSchmarotzer

    Die Deutschen sind leider so dumm wie trockenes Brot, den diese Lügenwährung EUro wird Deutschland letztenendes in den Abgrund stürzen. Unverständlich wie sich die deutsche Bevölkerung von der EU und EUro Lügenpropaganda ruhigstellen läßt, es scheint als gehe es den Deutschen noch zu gut und der Großteil hat die Lügengeschichte vom EUro noch nicht begriffen oder kümmert sich nicht darum.
    Aber irgendwann werden sie es begreifen aber vielleicht schon zu spät, dann haben die Schmarotzerstaaten das deutsche Volksvermögen unter sich aufgeteilt. Zu irgendetwas muß das Geld der deutschen Sparer und Häuslebauer ja gut sein ...
    Die EZB druckt ja schon fleißig Lügenwährung um die Staatshaushalte der Schmarotzerstaaten zu finanzieren, einfach nur erbärmlich wie dies alles hingenommen wird.

  • 15.01.2012, 15:38 UhrAnonymer Benutzer: gerhard

    Ratingagentur (S&P) droht bereits damit, auch dem derzeitigen Euro-Rettungsschirms EFSF die „AAA“-Bestnote zu entziehen…Bislang ist geplant, dass der ESM bis Juli den EFSF ablöst. Dieser sammelt am Markt Milliarden für klamme Euro-Staaten ein - was künftig teurer werden könnte, nachdem zwei seiner Garantieländer, Frankreich und Österreich, ihr „AAA“ verloren haben. (Zitat)
    Rettungsschirme sammeln „Schulden „ ein um damit andere „Schulden“ zudecken. Dieses Ringelreihspiel kann nicht unendlich laufen. Die Ratingagentur sagt nur – für ein Prinzip Hoffnung – gibt es auf der ganzen Welt kein AAA!
    Aber letzteres war schon immer so – auch als es noch keine Ratingagentur gab. Auch wenn es jetzt heißt: Die Europäische Zentralbank (EZB) habe durch ihr flexibles Eingreifen Schlimmeres verhindert, bleibt diese Diskrepanz nach wie vor bestehen- auch bei der EZB läuft die Gelddruckmaschine einmal „heiß“ und dann ist das Ende , was da auch immer herauskommt, erreicht!

  • 15.01.2012, 14:53 UhrAnonymer Benutzer: der.schmonz

    Wenn der EURO gut ist, warum braucht es einen permanenten Rettungs- und Stabilitätsschirm?

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International