EFSF-Sonderfonds
Sarkozy will China für Euro-Rettung anpumpen

Im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise plädiert Frankreich für eine Einbindung des finanzstarken Chinas. Staatspräsident Nicholas Sarkozy und auch EFSF-Klaus Regling werben für Investitionen in den Rettungsschirm.
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Brüssel Frankreich will China für die Euro-Rettung anpumpen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy werde deswegen am Donnerstag mit seinem Pekinger Kollegen Hu Jintao sprechen, verlautete am Mittwoch aus europäischen Diplomatenkreisen.

Der Hintergrund: Die Eurozone will ihren Rettungsschirm EFSF durch einen Sonderfonds verstärken, in den Drittstaaten einzahlen sollen. China gilt als eines der Länder, die so zur Stabilisierung der Schuldenkrise beitragen könnten. EFSF-Chef Klaus Regling will Ende der Woche nach Asien aufbrechen, um für Investitionen in den Rettungsschirm zu werben, hieß es am Mittwoch in Brüssel.

Dabei gehe es um einen Finanzierungsmechanismus, der an den Internationalen Währungsfonds (IWF) angelehnt sein solle. Die Einbindung Chinas könnte den Europäern helfen, den Schutzwall für angeschlagene Euro-Staaten zu erhöhen.

Die Wirkung des 440 Milliarden Euro schweren Euro-Rettungsfonds soll über einen finanztechnischen Hebel um ein Vielfaches vergrößert werden. Diskutiert wird einerseits eine Versicherungslösung: Dabei sollen Investoren zum Kauf von Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder ermutigt werden, indem der Fonds im Notfall einen Teil des Verlusts übernimmt. Da der Fonds nur einen Teil absichert, könnte er so den Kauf von Anleihen ermöglichen, deren Wert um ein Vielfaches über den 440 Milliarden Euro liegt.

Letzte Schätzungen gehen aber davon aus, dass die Wirkung des EFSF so bestenfalls auf 1,3 Billionen Euro „gehebelt,“ werden kann. Deshalb wird über ein weiteres Modell diskutiert, bei dem Sonderfonds geschaffen werden, die Investoren von außerhalb der Eurozone anziehen sollen.

Einer dieser Sonderfonds könnte dabei beim IWF angesiedelt werden. China hat als wichtiger Wirtschaftspartner ein großes Interesse daran, dass Europa ein kaufkräftiger Abnehmer seiner Waren bleibt. Gleichzeitig verfügt das Reich der Mitte über Währungsreserven von geschätzten 3,2 Billionen Dollar (2,3 Billionen Euro).

Neben China haben auch andere große Schwellenländer am Mittwoch ihre Bereitschaft gezeigt, Europa im Kampf gegen die Schuldenkrise zu unterstützen. Geht Europa auf die Hilfsangebote ein, ist das letztlich auch das Eingeständnis, dass es die Schuldenkrise nicht mehr alleine bewältigen kann.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EFSF-Sonderfonds: Sarkozy will China für Euro-Rettung anpumpen"

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  • Oh diese Formulierungen "das Europa ein zahlungskräftiger Kunde bleibt". Das ist doch Quatsch, wenn jemand etwas China kauft dann doch die Konsumenten.

    Der Punkt um den es hier geht ist doch eher, dass China auf einem Haufen Geld sitzt und es einfacher ist einen großen Investor anzugehen als viele kleine. Die Konsumenten haben ja Geld, die Firmen auch nur die Staaten haben kein Geld.

  • wenn china mit waffen bedroht wird, ist der atomare weltkrieg nicht mehr aufhaltbar. na dann gute nacht. so blöd wird selbst napoleon 2.0 nicht sein. china ist schon zum global player aufgestiegen. daran gibts keine zweifel mehr. sie bestimmen schon die weltwirtschaft und bal werden sie auch politisch die richtung vorgeben wollen. alles eine frage der zeit.

  • Der Herr Sarkotzy hatte vor längerer Zeit einmal mit Erfolg den Herrn aus Lybien angepumpt.

    Als der nach ausbleibenden Zins- und tilgungszahlungen von Frankreich sein Geld zurückforderte, erhob sich zeitgleich das lybische Volk, das Land wurde monatelang bombardiert und der ehemalige Geldgeber "wurde gestorben".

    Es ist unter diesen Umständen sehr mutig von China, Herrn Sarkotzy finanziell aus der Klemme zu helfen....

    Und wie will die NATO ein Bombardement auf Shanghai rechtfertigen, falls auch China fordert, seine Kredite zu bedienen oder dann gar das verliehene Geld zurückfordert...

    Ansonsten hat China die einmalige Gelegenheit, seine Wertlosdollars zu benutzen, um halb Frankreich aufzukaufen- in Anlehnung an die USA, die so etwas seit fast 100 Jahren mit der Welt betreiben.

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